Hunde im China-Restaurant

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10. Mai 2019, 08:36 Uhr

Die Welt berichtet aus dem französischen Nudisten-Urlaubsort Cap d‘Agde, in dem der Staatsphilosph Michel Houellebecq mehrfach seine Sommerferien verbrachte. Beim Lesen dieses Artikels wurde mir klar, dass die Sylter FKK-Kultur mittlerweile in Trümmern liegt. Zum Beispiel Shopping: Bei den Nackten am Mittelmeer geht man sogar „barfuß“ in den Supermarkt. Gut, am Kühlregal hält man sich nicht unnötig lange auf. Doch wenn man sich „an einer Gruppe angezogener Kunden vorbeidrängen muss“, kann schon mal der Gedanke aufkommen, „dass man gerade einen Fehler macht“.

Dass es hier auf unserer Insel bei den Nudisten mal zu Orgien kommt, wie Houellebecq in seinem Roman „Elementarteilchen“ schildert, ist eher unwahrscheinlich: Der Altersschnitt der Sylter FKK-Freunde dürfte sich sämtlichen Ausschweifungen (...schönes Wort!) in den Weg stellen.

Die Sylter Rundschau berichtet über den Westerländer Central Park, dem neugestalteten Platz in der Neuen Mitte. Da läuft ja wohl einiges schief. Der „Wintermarkt“ hat tiefe Spuren hinterlassen. Nun ist es Hunde-Abkack-Areal. Wenn dort täglich 200 Hundeführer ihre Lieblinge hinzerren und die dann auf dem Grün ordentlich absetzen und 20 Prozent der Tierfreunde das nicht wegräumen, dann sind das täglich 15 Kilo. Das kulminiert auf jährlich sechs Tonnen, in einem Menschenleben also quasi eine Uwe-Düne.


Oder anders betrachtet: Ein Investor hat geliefert, die Bürger haben’s im Dezember versemmelt und die Gemeinde versagt bei der Wiederherstellung unseres japanischen Meditationsparks. Bänke wiederaufstellen? Zu teuer. Durchpflastern? Geht gar nicht - wegen Yin und Yang. Rollrasen? Ökologisch nicht zu verantworten. Mein Vorschlag: Die Glühweinbuden das ganze Jahr über stehenlassen und einfach durchsaufen.

Nachtrag zu 1: In einem Prosatext für die Frankfurter Allgemeine Zeitung beschrieb ich einmal sehr launig meine Erlebnisse am Sylter Nacktbadestrand: „...elefantöse Altweiberärsche stellten sich mir in den Weg und warfen Schatten.“ Danach lernte ich, was sich hinter dem Begriff „Shitstorm“ verbirgt und ich musste schwören, nie wieder solche frauenverachtenden Formulierungen zu verwenden. Das habe ich mir dann auch sehr zu Herzen genommen.


Nachtrag zu 2: Vielleicht sollte man das chinesische Kontrollsystem einführen, mit denen im Reich der Mitte (...passt ja irgendwie) die Minderheiten drangsaliert werden. So könnten die Ordnungswidrigkeiten der Hundebesitzer abgestuft sanktioniert werden. Erst Geldbuße, dann Führerscheinentzug, anschließend Sperrung des Internets und dann die härteste Sanktion: Zwangs-Übersiedlung nach Niebüll. Der Hund würde dem nächsten China-Restaurant zur „Nachbetreuung“ zugeführt werden.

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