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Von Zypern nach Sylt : Hündin Roxys neues Leben auf der Insel

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Mit 20 Schrotkugeln im Kopf wurde Roxy auf Zypern gefunden. Auf Sylt hat sie seit gestern bei der Familie Laumayer eine neue Heimat

Abgemagert, schüchtern und ein bisschen wackelig auf den Beinen verlässt Roxy die kleine Sylt Air-Maschine am Terminal 2 des Flughafens. Die etwa neun Monate alte Hündin hat eine lange Reise hinter sich: Von Zypern über Wien ging es nach Hamburg und schließlich am Freitag nach Sylt in ein neues Leben.

An ihrer Seite ist Angela Laumayer. Die 55-jährige Kampenerin ist durch Zufall auf die Hündin aufmerksam geworden. „Ich bin völlig unbeabsichtigt beim Surfen im Internet auf eine Seite gestoßen, die Hunde aus Zypern vermittelt“, erzählt sie, „und da war Roxy dann gleich auf der Startseite.“

Die Bilder und die Geschichte der Hündin haben Laumayer nicht mehr losgelassen. Denn als man Roxy auf Zypern fand, war sie extrem abgemagert und es fiel auf, dass etwas mit ihrem Bewegungsapparat nicht stimmt. Schließlich wurde ein Röntgenbild vom Kopf gemacht, das Aufschluss über die Ursache gab: Mindestens 20 Schrotkugeln stecken im Kopf der jungen Hündin. „Sie sollte wohl erschossen werden“, erzählt ihre neue Besitzerin, „vielleicht konnte sie fliehen oder ihre alten Besitzer hielten sie für tot.“ Laumayer hatte zwar schon länger im Hinterkopf, ihrem Jack Russel-Terrier einen Spielgefährten an die Seite zu stellen, hatte aber vorher nicht daran gedacht, diesen aus Zypern kommen zu lassen.

Die Kampenerin nimmt die Hündin schließlich am Donnerstagabend am Hamburger Flughafen in Empfang. „Als ich sie sah, musste ich erst einmal weinen“, sagt sie gerührt, „denn ich hätte nicht gedacht, dass sie so dünn ist.“ Die Nacht haben die beiden dann in einem Hamburger Hotel verbracht. Stubenrein, wie Laumeyer mit einem Augenzwinkern betont. Als sie den Hotelmitarbeitern die Geschichte der Hündin erzählt, spendieren diese zwei Scheiben Steak. „Ich habe einen Hund noch nie so laut schmatzen hören“,sagt sie glücklich.

Am Freitag flogen Frauchen und Hündin schließlich in einer Maschine von Sylt Air auf die Insel. Keine Selbstverständlichkeit, wie die 55-Jährige erzählt. „Eigentlich nehmen die Flugzeuge keine größeren Hunde in der Kabine mit. Aber ich habe bei der Sylter Airline die Geschichte der Hündin erzählt und tatsächlich haben sie für Roxy eine Ausnahme gemacht.“

Am Hamburger Flughafen wurde aus der sechssitzigen Partenavia 68 ein Sitz ausgebaut, sodass Roxy auf einer Decke liegen konnte. „Sie war am Anfang natürlich etwas verängstigt“, sagt Pilot Frank Wagner, „nachdem wir aber gestartet waren, hat der Fluglärm und das Fliegen ihr nichts mehr ausgemacht und sie lag ganz ruhig auf ihrem Platz.“

Für Stephan Stritter, den Geschäftsführer von Sylt Air, war es ein besonderes Anliegen, den Hund kostenlos zu transportieren. „Es handelt sich bei Roxy natürlich um einen Sonderfall“, so Stritter, „aber die Geschichte der Hündin ist uns nahe gegangen und wir wollten gerne helfen.“ Für Anja Laumayer war ein Transport des Hundes mit dem Auto nämlich undenkbar. „An einem Freitagvormittag nach Sylt anreisen, dann noch auf den Autozug warten, das wäre nach der stressigen Reise noch das I-Tüpfelchen gewesen. Da war der 45-minütige Flug einfach besser.“

Ob die Schrotkugeln in Roxys Kopf bleiben müssen oder teilweise entfernt werden, wird eine erste medizinische Untersuchung auf Sylt zeigen. Ansonsten hat sie nun viel Zeit, sich langsam an ihre Umgebung und ihre neue Familie zu gewöhnen. Einen großen Garten, einen vierbeinigen Spielgefährten und die grenzenlose Liebe ihrer neuen Besitzer hat sie aber schon sicher.


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erstellt am 08.Aug.2015 | 05:30 Uhr

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