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Serie Sylter Köpfe : Horst Henningsen: „Die Gemeinschaft ist mir wichtig“

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Serie Sylter Köpfe: Nach einer schweren Krankheit sieht Horst Henningsen sein Leben mit neuem Blick.

shz.de von
erstellt am 11.Jun.2015 | 05:41 Uhr

„Wenn ich so mein Leben betrachte, habe ich alles richtig gemacht und bereue nichts“, sagt Horst Henningsen zufrieden. Nach einer Krebserkrankung im vergangenen Jahr hat er in seinem Leben die Prioritäten ganz neu verteilt. Vor allem eins ist anders: Er entschied, die Familie an erste Stelle zu stellen.

„Meine Frau und ich machen jetzt einfach alles, worauf wir Lust haben“, sagt der pensionierte Postmitarbeiter, dessen liebstes Hobby das Reisen ist. Nach Dubai will das Ehepaar Henningsen bald zu einer Kreuzfahrt aufbrechen: „Wir lernen gerne fremde Kulturen und Menschen kennen.“

Seit 38 Jahren leitet und moderiert der Sylter den Shanty-Chor auf der Insel, den er einst auch mit gegründet hat. Bei rund 50 Auftritten pro Jahr und an 40 Übungsabende war Henningsen für den Chor im Einsatz. Noch im Herbst vergangenen Jahres war nicht klar, ob er diese Leidenschaft noch länger ausleben kann. „Als ich während der Krankheit bei einem Spaziergang mit meiner Frau an der Westerländer Musikmuschel vorbeikam, war ich emotional sehr ergriffen“, sagt der engagierte Chorleiter, während ihm Tränen in die Augen steigen. Doch nach einem halben Jahr Pause konnte er im Dezember sein Amt als Chorleiter wieder übernehmen. „Jetzt geht es mir sehr gut“, sagt der zweifache Großvater. Geholfen habe ihm während dieser Zeit seine Frau. „Wir sind ein super Team, ohne sie hätte ich das nicht geschafft“, sagt Henningsen, der seit 1973 verheiratet ist. Jetzt nimmt er sich die Zeit Freunde zu treffen oder mit seinem Enkel im Garten Fußball zu spielen. „Ich habe das große Glück, dass meine beiden Töchter noch auf der Insel leben“, sagt Henningsen über seine 40 und 38 Jahre alten Kinder.

Auf die Insel kam der Flensburger zunächst beruflich. Er verliebte sich in eine Sylterin und blieb – fast 50 Jahre ist das inzwischen her. Neben dem Singen engagierte sich der 1,98 Meter große Mann damals auch sportlich. „Die Gemeinschaft ist mir sehr wichtig“, sagt Henningsen. „Eigentlich bin ich eher ein zurückhaltender Mensch, der es nicht mag im Mittelpunkt zu stehen und Angst davor hatte, öffentlich zu sprechen“, sagt der 71-Jährige, der anfangs auch davor zurück schreckte, den Shanty-Chor zu leiten. Doch da damals geeignete Kandidaten fehlten, übernahm Henningsen trotzdem die Verantwortung für die Männertruppe. Während eines Auftritts in der Musikmuschel sei dann der Knoten geplatzt: „An dem Tag war ich gut drauf, fühlte mich wohl, der Chor und das Publikum waren gut“, erinnert sich Henningsen, der zuvor bereits Sänger-Erfahrung in anderen Chören gesammelt hatte. „Da habe ich es einfach gewagt und zwischen den Liedern die Leute unterhalten.“ Das wurde mit Begeisterung aufgenommen, er besuchte einen Chorleiterlehrgang und lernte die Grundlagen der Musiktheorie und Regeln.

Begonnen hat alles mit nur wenigen Leuten in einer Tinnumer Kneipe. „Am Anfang war das ein großes Chaos, denn keiner der Männer hatte je aktiv gesungen“, sagt Henningsen lachend. Inzwischen sei der Verein mit seinen 46 Mitgliedern sowie einer Akkordeon-Spielerin – die sich sehr gut durchsetzen könne – „ein eingespieltes Team“. Probleme gäbe es in der reinen Männergruppe nicht. „Wie sind eine riesige Familie, auch die Partner der Sänger gehören mit dazu“, sagt der Leiter. Sorgen macht dem Chorleiter das Ende des inzwischen traditionellen Sylter Shanty-Chores. Dass der Verein ohne passenden Sänger-Nachwuchs noch lange bestehen kann, glaubt ihr Chorleiter nicht. Durchschnittlich 70 Jahre alt sind die Mitglieder, und „je älter wir werden, umso mehr Macken bekommen wir“, sagt Henningsen schmunzelnd. Lange auf der Bühne stehen, neue Texte und Melodien lernen, das falle vielen inzwischen schwer. „Es war eine schöne Zeit, die sich allmählich ihrem Ende nähert“, so der Sylter über den Verein der demnächst seinen 40. Geburtstag feiert.

 

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