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Kunst auf Sylt : Holländische Künstlerin präsentiert kopflose Installationen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Hauptsache kopflos: Bei der neuen Ausstellung In der Stadtgalerie „Alte Post“ kommen die Besucher aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Sylt | Vorsicht, nur nicht stolpern oder gar hinfallen! Da liegt nämlich eine Frau auf dem Boden. Einfach so und mitten im Raum. Angetan mit schicker Hose und eleganten Stöckelschuhen. Allerdings sind nur ihre Beine zu sehen, denn ein wuchtiger, mit blau-weiß gestreiftem Stoff umspannter Karton hält ihren Oberkörper und Kopf verborgen. Daneben steht eine Frau vor grünem Vorhang und kehrt dem Betrachter den Rücken zu. Wo aber ist bloß ihr Kopf geblieben? Auch ein Mann darf natürlich nicht fehlen. Mit teuren Lederschuhen kommt er daher. Ab der Hüfte jedoch ist von ihm nichts mehr zu sehen, pfercht ihn doch eine überdimensionale Tragetasche regelrecht ein. Auf dem Rummelplatz wäre er als „Mann ohne Oberkörper“ gewiss eine Sensation. Und schließlich ist da noch die Kittelschürze – unverzichtbares Kleidungsstück vieler deutscher Hausfrauen bis weit in die 60er-Jahre. Auf dem Bild „Wolke“ feiert sie fröhliche Auferstehung. Aber auch dieses Kunstwerk lässt den Betrachter rätseln: Anstelle des (Hausfrauen-)Kopfes zeigt sich eine burschikos vor sich hin flatternde Wolke. Welch eine Figur!

Bei dieser Ausstellung kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Und aus dem Schmunzeln über einen großen Ideen- und Fantasiereichtum. Nur folgerichtig war deshalb das Urteil Silke von Bremens, die, kaum hatte sie den Ausstellungsraum betreten, klipp und klar feststellte: „Das ist eine Ausstellung, in der man sofort gute Laune hat!“

Die Rede ist von der am Donnerstagabend in Westerlands Stadtgalerie „Alte Post“ eröffneten Werkschau mit dem Titel „Nur Ich“ (hinter den gesichtslos Abgebildeten verbirgt sich zu allermeist die Künstlerin selbst) der Holländerin Guda Koster. Installationen, Objekte oder Skulpturen dokumentieren das Schaffen der an der Universität ihrer Heimatstadt Amsterdam Lehrenden.

Insbesondere der Kleidung, deren Stoffen in all ihren Farben, Mustern und Qualitäten misst Koster große Bedeutung zu. Sie sind ihr Medium und Ausdrucksform in einem. Bei ihren einführenden Worten verriet sie, dass sie oftmals mit einer fertigen Idee Stoff- oder Kleidermärkte nach passenden Materialien durchstöbert. Im anderen Fall aber ist es genau umgekehrt: „Ich werde auf einen ganze besonderen Stoff aufmerksam. Er spornt mich zu einer künstlerischen Idee an.“

Erzählen möchte sie mit ihren Werken von menschlichen Alltagsszenen („Spaziergang mit dem Hund“) ebenso wie von Lebenssituationen, die von Angst, Hoffnung oder Freude bestimmt sind. Der jeweilige Stoff (von der Künstlerin sogar eigenhändig und passgerecht geschneidert) gerät dabei zum wichtigen Ausdrucksmittel: Es soll den Menschen jeweils in seinem Verhältnis zu sich selbst oder zu Welt zeigen.

„Vor zwei Jahren,“ so Petra Nies, die Vorsitzende der Kunstfreunde, „sah ich Werke Guda Kosters auf der NordArt in Büdelsdorf und nahm sofort Kontakt mit ihr auf. Besuche ihres Ateliers in Amsterdam folgten. Nun freuen wir uns, sie hier auf Sylt zu haben. Um mit einer frisch wirkenden Kunst frisch in das neue Jahr zu starten! Auch um zu zeigen, wie man diesen Raum mit immer neuem Leben erfüllen kann.“

Die zahlreich erschienenen Besucher passierten in oftmals lebhaftem Meinungsaustausch die Ausstellungsstücke. Tun Sie es ihnen nur getrost nach, denn es lohnt sich!

 

„Nur Ich“

Werke von Guda Koster, Amsterdam
Stadtgalerie Alte Post, Westerland, Stephanstraße 4, vom 04. - 31.03. 2016
Montag bis Freitag 14 – 18 Uhr
Samstag 10 – 13 Uhr

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