Sylter Gastronomie : Holger Bodendorf zum „Koch des Jahres“ gekürt

Holger Bodendorf mit seiner Urkunde zum „Koch des Jahres“.
Holger Bodendorf mit seiner Urkunde zum „Koch des Jahres“.

„Der Große Restaurant & Hotel Guide“ hat den Sylter Sternekoch ausgezeichnet / Im Interview spricht der Preisträger über den Wert von Auszeichnungen und über Teamsport

Julia Lund von
29. September 2017, 05:01 Uhr

Eine neue Auszeichnung für Holger Bodendorf: „Der Große Restaurant & Hotel Guide“, umgangssprachlich auch „Bertelsmann Guide“ genannt, hat den Sylter Sternekoch vom Landhaus Stricker zum „Koch des Jahres für Deutschland“ gekürt. In der Begründung des Nachschlagewerks heißt es: „Das Erfolgsrezept von Holger Bodendorf ist ganz simpel. Es ist die Antwort auf die Frage, was erwarte ich, wenn ich bei mir selbst zu Gast wäre. Seine mediterrane Küche mit asiatischen Elementen verbindet er mit dem Anspruch, seinen Gästen Urlaub, Sonne und Leichtigkeit auf die Teller zu bringen. Das gelingt ihm mit einer perfekten Mischung aus Können, Ideenreichtum, Konzentration und Lockerheit.“

Im Interview mit der Sylter Rundschau spricht der Gastronom über den Wert von Auszeichnungen, die Reaktion seiner Mitarbeiter und über Teamsport in der Gastronomie.

Herr Bodendorf, herzlichen Glückwunsch zur Auszeichnung „Koch des Jahres“. Welche Bedeutung hat dieser Preis für Sie?

Wenn einer der fünf großen Restaurant-Führer in Deutschland einen zum „Koch des Jahres“ kürt, dann ist das natürlich eine große Ehre und der Lohn nicht nur für das vergangene Jahr, sondern für einen ganzen Abschnitt. Und für mich als Koch, der das Gourmetrestaurant Bodendorf’s im Jahr 2001 aufgemacht hat, ist es mit der größte Erfolg meiner Arbeit. Es handelt sich dabei immerhin um eine große nationale Auszeichnung.

Wie wurden Sie für diesen Preis ermittelt? War jemand inkognito bei Ihnen essen?

Davon gehe ich aus (lacht), aber ich habe das auch nicht weiter erfragt. Irgendwann meldete sich jedenfalls der Herausgeber, Hans-Dieter Tippenhauer, der mir freudig mitteilte, dass ich im „Großen Restaurant & Hotel Guide“ Koch des Jahres für Deutschland 2018 bin. Er kam dann auch persönlich auf die Insel, um mir die Urkunde zu überreichen.

Was erhalten Sie neben der Urkunde?

In dem Restaurant-Führer bekomme ich jetzt eine ganze Seite. Aber eigentlich ist der Titel „Koch des Jahres“ ja schon die schönste und wertvollste Auszeichnung, die man in so einem Führer haben kann.

Sie haben in ihrer langen Karrieren ja nun schon einige Preise einheimsen können, erinnern Sie sich auch noch an Ihre erste Auszeichnung?

(lacht) Naja, so viele Preise bekommt man als Koch ja nicht. Aber ja, ich erinnere mich natürlich: Die erste tolle Auszeichnung, die ich als Küchenchef bekommen habe, war im Herbst 1992 die erste Bewertung im Gault- Millau. Ich war ein junger Mann, gerade mal 23, und dieses Erlebnis war für mich wirklich toll.

Wo haben Sie damals gearbeitet?

Ich war damals Küchenchef in Kampen und habe in Tappe’s Restaurant im Walters Hof den 14. Punkt bekommen. Das Restaurant war sonst immer mit 13 Punkten bewertet worden – und für mich war es schon was, dass sich das Restaurant mit mir als junger Küchenchef in meinem ersten Jahr gleich um einen Punkt verbesserte.

Das war die erste Auszeichnung. Und welche war die wichtigste?

Das war ohne Zweifel der erste Michelin-Stern. Das ist sicherlich für jeden Koch die Krönung der Arbeit.

Wie ist Ihre Erfahrung, welche Beachtung schenken Gäste solchen Auszeichnungen?

Gerade auf Sylt ist es ja so, dass viele Gäste nach Restaurantführern reisen und die Restaurants auch danach besuchen.

Das heißt, Gastronomie-Preise werden auch in der Öffentlichkeit, nicht nur unter den Köchen, gewertschätzt?

Ja, auf jeden Fall. Wobei auf Sylt die Leistungsdichte der vielen Kollegen, die sich jeden Tag bemühen und ganz toll kochen, groß ist. Für die Gäste muss es ja auch nicht immer ein Restaurant sein, das eine Bewertung hat – man kann auch toll essen ohne Auszeichnung und viele gute Köche sind nicht in einem Restaurant-Führer erwähnt. Und dann gibt es diese speziellen Orte, die eine Auszeichnung bekommen, wie auch mein Gourmetrestaurant zum Beispiel, das nur nur sechs Tische hat und einfach klein und fein ist.

Wie haben Ihre Mitarbeiter auf den „Koch des Jahres für Deutschland“ reagiert?

Ich habe mit meinen Mitarbeitern im Landhaus Stricker nach der Bekanntgabe natürlich angestoßen und der ganze Laden ist stolz auf diese Auszeichnung – denn so etwas kann man einfach nicht alleine erreichen. Da steht immer ein Team dahinter. Da sind zum Beispiel mein Küchenchef und auch meine Restaurantleiter, die den Betrieb aufrechterhalten und die teilweise sogar mich motivieren müssen. Fest steht: Gastronomie ist ein Teamsport, das kann keiner alleine.

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