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dauerwohnraum in Keitum : Hoffnung auf neue Potenziale

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Ortsbeirat diskutiert über möglichen gemeindeeigenen Dauerwohnraum in Keitum. Bisher sind keine Flächen vorgesehen.

Fast alle Grundstücksflächen, die in den nächsten fünf Jahren mit kommunalen Dauerwohnungen im Rahmen des Realisierungsprogramms 500+ bebaut werden, befinden sich auf Westerländer Gebiet. In Keitum, aber auch in Morsum und Rantum, gibt es dagegen keine Flächen, auf denen in den kommenden fünf Jahren gemeindeeigner Dauerwohnraum entstehen soll. Zudem ist dort bei vielen Flächen gar nicht klar, ob die Gemeinde sie überhaupt erwerben kann. Mit diesen, für den gesamten Inselosten düsteren Aussichten wollen sich die Keitumer jedoch nicht abfinden.

Damit die Gemeinde einfacher an bebaubare Flächen kommen kann, sollen Verwaltung und Selbstverwaltung nun Richtlinien erarbeiten, mit denen Grundstücke künftig von der Gemeinde leichter erworben oder neu in das Entwicklungskonzept aufgenommen werden können. Die Initiative habe das Ziel, sagte Ortsbeiratsvorsitzender Oliver Ewald (CDU), kreativ über unkonventionelle Möglichkeiten eines Grundstückserwerbs nachzudenken. Den von seiner Fraktion eingebrachten Vorschlag in der jüngsten Sitzung des Ortsbeirats sieht Ewald als Ergänzung der bisherigen Varianten des „reinen Erwerbs“ des Grundstücks oder einer „kompensationsfreien Schenkung“.

Zur Frage, warum überhaupt Flächen in das Wohnraumentwicklungskonzept aufgenommen werden, von denen völlig unklar sei, ob der Eigentümer sie der Gemeinde tatsächlich und falls ja, zu welchem Preis, verkaufen würde, erläuterte Bürgermeisterin Petra Reiber, dass städtebauliche Planungen stets völlig losgelöst von den Eigentumsverhältnissen erfolgen. Für einen Großteil der Liegenschaften sei eine Aufnahme tatsächlich „sinnlos“, man habe dies„ nur der Landesplanung zuliebe“ gemacht. Um zu zeigen, dass gerade auf Sylt Bebauungen auch in Außenbereichen notwendig seien, weil es nicht genug Flächen im Innenbereich gäbe. Der Antrag des Ortsbeirats sei eine durchaus interessante Diskussionsgrundlage, sagte Reiber – verwies aber gleichzeitig darauf, dass die Gemeinde nach wie vor „maximal Ackerlandpreise“ zahlen kann. „Mehr können wir uns nicht leisten. Am besten wäre es, wir bekämen die Grundstücke geschenkt!“

Als grundsätzlich gut geeignet für den Wohnungsbau gelten in Keitum das 7 000 Quadratmeter große Grundstück zwischen dem Hotel-Neubau Severin’s Resort & Spa der Zech-Group und dem Ingiwai sowie die so genannte Christiansen-Wiese mit zirka 20 000 Quadratmetern. Der nördliche Teil der Fläche hinter dem Friesensaal befindet sich bereits in Gemeindebesitz und hätte damit eigentlich den Status erster Priorität. Doch das Projekt liegt noch immer auf Eis wegen der besonderen Gemengelage mit Verpflichtungen aus Zeiten, als ein Thermen-Neubau noch umsetzbar erschien. Eine „Pattsituation“, an deren Lösung laut Bürgermeisterin und Ortsbeirat weiter intensiv gearbeitet werde: Einerseits mit neuen Kontakten zu Grundstückseigentümer Dirk Christiansen, andererseits mit dem Vorschlag einer Einigung zwischen Christiansen und Hotelbauherr Kurt Zech zur Errichtung von Mitarbeiterwohnungen auf dem südlichen Teilstück.

Die Potenzialfläche an der Kreisstraße Munkmarscher Chaussee, wo derzeit Wein und Hopfen wächst, hat dagegen im wahrsten Sinne des Wortes schlechte Aussichten: Der Denkmalsschutz befürchtet bei einer Bebauung eine Beeinträchtigung der Blickachsen in Richtung der historischen Kirche St. Severin. Ähnliches gilt für die mit zirka 54 000 Quadratmetern größte Fläche „Ostende“ gegenüber dem Grünhof – das Areal ist Teil eines Landschaftsschutzgebietes und deshalb für neue Wohnungen nur bedingt geeignet.
Aber es gibt noch ein Grundstück in Keitum, das ausdrücklich als Potenzial ausgewiesen ist: das Gelände der Thermenruine. Das knapp 14 000 Quadratmeter große Grundstück befindet sich bereits im Eigentum der Gemeinde und ist für eine Umnutzung zu Wohnzwecken gut geeignet, so das Inselbauamt, auch aus landschaftsplanerischer Sicht bestünden keinerlei Bedenken.

Doch vor einer neuen Bebauung ist eine Beseitigung der Überreste einstiger Thermen-Träume erforderlich. Momentan ist sowohl ein Abriss der Ruine als auch ein Gesamtvergleich in weite Ferne gerückt, so Bürgermeisterin Reiber (wir berichteten).

Ob tatsächlich einmal Insulaner in bezahlbare Dauerwohnungen mit bester Aussicht aufs Wattenmeer einziehen werden, scheint fraglich. Denn noch immer ist die Wunschliste einer künftigen Nutzung des Keitumer „Sahnegrundstücks“ lang – und reicht von der kompletten Renaturierung über die Errichtung eines Freizeitparks bis zum Bau eines Sylter Kunstmuseums.

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