Hof-Galerie: Sylt-Impressionen und Superstars

Hat die Helden der Kindheit im Gepäck: Der Künstler Rolf Lukaschewski. Foto: Korell
Hat die Helden der Kindheit im Gepäck: Der Künstler Rolf Lukaschewski. Foto: Korell

Unter dem Motto "Zurück zu den Wurzeln" stellt Rolf Lukaschewski seine Werke ab Sonnabend in Morsum aus - vorab erzählt er von seiner besonderen Verbindung zu Sylt

shz.de von
21. April 2011, 07:47 Uhr

Morsum | Ein knallbuntes Osterei der besonderen Art präsentiert die Hof Galerie ab Sonnabend, den 23. April. Nach dem Motto "Zurück zu den Wurzeln" stellt der aus Schleswig stammende zeitgenössische Künstler des Neoexpressionismus und der Pop-Art Rolf Lukaschewski in Morsum Sylt-Impressionen und Superstars aus.

Der seit Jahren in Montreux lebende Maler, dessen "Seele in den Norden gehört", wie der 63-Jährige selbst sagt, wird bei der Vernissage anwesend sein. Das allein sollte alle Kunstliebhaber, -kenner und diejenigen, die es vielleicht noch werden wollen, am Sonnabend in die Hof Galerie ziehen. Denn Lukaschewski hat viel zu erzählen.

Sein Leben und Werk sind denkbar eng miteinander verquickt: "Mein Studium an der Kunstakademie in Köln habe ich mit Taxifahren finanziert, aus dieser Zeit stammen meine Prosti-Bilder", erzählt Lukaschewski ohne Scham. Doch das ist nicht die einzige Phase, in der sein Werk von eigenen Erlebnissen geprägt wurde. "Am Anfang meiner Schaffenszeit, vor über 40 Jahren, habe ich nicht so bunt gemalt wie heute. Damals waren meine Bilder bräunlich." Lukaschewski malte den "Maskenmann", der Adolf Hitlers Gesicht trägt. "In der Zeit des Dritten Reiches hatten die Leute eine Maske auf und passten sich an", so der Maler. Er sei kein Angepasster, zwar dusche und rasiere er sich regelmäßig, aber sonst sei er fern davon, sich uniformieren zu lassen, sagt Lukaschewski, dessen Stil keinen Zweifel an seinen Worten lassen.

"In den 1970er Jahren, als der Maskenmann entstand, habe ich die Kriegserlebnisse meines Vaters und die Ereignisse des Dritten Reiches aufgearbeitet", meint der Künstler. Lukaschewskis Vorfahren waren Seefahrer und Flottenchefs ("Felix Graf von Luchner, der sogenannte Seeteufel gehörte dazu") - auch der Vater war während des 2. Weltkrieges bei der Marine und ausgerechnet auf Sylt stationiert. Daher stammt Lukaschewskis Verbundenheit mit der Insel, die zu malen ihn "glücklich macht".

Dieses Glück springt den Betrachter geradezu an, was durch die Dynamik der Linien, aber vor allem die grelle Farbgebung begünstigt wird. Denn längst malt Lukaschewski nicht mehr in Sepiatönen. Warum? "Der Korken ist irgendwann einfach von der Flasche geflogen", erklärt er. Korken? Ist Lukaschewski ein Lebemann? "Nein, das kann man nicht sagen. Ich stehe jeden Morgen um 6 Uhr auf, arbeite regelmäßig, bin seit vielen Jahren glücklich verheiratet und habe schon ein 16-jähriges Enkelkind."

Die Zeiten, in der Lukaschewski sich malend die Nächte um die Ohren schlug, sind vorbei. Heute zieht es ihn tagsüber in die Natur, wo er auch Motive für seine Arbeiten findet. Auf Sylt war das so. Bereits vor der Vernissage verbrachte Lukaschewski einen Monat in List, wo ein ums andere Aquarell mit typischen Sylt Motiven entstand - die aber äußerst untypisch zu Papier gebracht sind. Lukaschewskis Begründung: "Ich male die Natur nicht ab, ich möchte sichtbar machen." So sind in Morsum Wellenschläge der Nordsee zu sehen, die nicht sofort als solche zu identifizieren sind. Oder Friesenhäuser, deren Farben für die edlen Sylter Verhältnisse unmöglich erscheinen.

Ähnlich wie Nolde setzt sich Lukaschewski in seinem Werk über die Naturgesetze hinweg und sucht wie Sprotte nach dem Urbild. Allerdings: "Ich habe Kunstgeschichte studiert, habe aber inzwischen meinen eigenen Stil entwickelt und bin stilbildend geworden", so Lukaschewski, dessen berühmte Lithographien vom Brandenburger Tor, die 1990 entstanden, unter anderem im Roten Rathaus zu Berlin hängen.

Neben den Sylt-Impressionen zeigt die Ausstellung, die bis zum 30. September geöffnet sein wird, die so genannten Superstars. Die großformatigen Ölgemälde zeigen die Helden Lukaschewskis und unsere Kindheit - was freilich vor allem Betrachter im Alter von 35 Jahren an aufwärts betrifft. Sechs dieser Superhelden sind zu sehen, darunter Spiderman, die Monroe, Mickey Maus (Lukaschewski: "Ich bin bis heute im Mickey-Maus-Club!"). Durch Linien und Flächen sind die Bilder in Pixel eingeteilt. "Das ist die Vibration und Vernetzung des digitalen Zeitalters", erklärt der Maler und kündigt an: "Eines meiner Bilder werde ich in diesem Sommer auf Sylt für einen guten Zweck versteigern." Das Geld soll sozialen Projekten der Insel zu Gute kommen. Die Aktion passt zu Lukaschewskis Kunst, die alte Grenzen durchbricht, um neuen Sichtweisen Raum zu gewähren: "Ich will an dieser Welt konstruktiv mitbauen", sagt der Künstler und beginnt zu lächeln.Ab Ostersonnabend, 23. April, werden die Werke Lukaschewskis bis zum 30. September in der Hof-Galerie ausgestellt. Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 11-13 Uhr und 15-18 Uhr, Sonnabend 11-13 Uhr.

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