Mahnmal für den Küstenschutz : Hörnums Leuchtfeuer wieder aufgebaut

Das alte Wahrzeichen steht jetzt mitten in Hörnum.
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Das alte Wahrzeichen steht jetzt mitten in Hörnum.

Wahrzeichen im Inselsüden hat dank Spenden einen neuen Standort gefunden

shz.de von
15. Januar 2018, 20:38 Uhr

Es war ein buchstäblich einmaliger Job für die Männer der Gemeinden Hörnum und Sylt gestern Vormittag: Sie sollten das Hörnumer Leuchtfeuer vom Bauhof am Campingplatz in die Ortsmitte transportieren. Der kleine Park an der Rantumer Straße, Ecke Steintal ist jetzt das neue Zuhause des gut dreieinhalb Tonnen schweren und rund elf Meter langen, rot-weiß gestreiften Leuchtfeuers. Sechs Mann koordinieren das Verladen des Stahlkolosses. „Eines haben wir alle gemeinsam – so was machen wir zum ersten Mal“, schmunzelte der Tiefbauingenieur der Gemeinde Sylt, Manfred Schmidt.

Im Jahr 2013 stand das Leuchtfeuer noch als markantes Wahrzeichen auf einer Düne an der Odde, 1979 wurde es dort aufgebaut. „2005 machten wir eine Strandbereisung mit dem damaligen Landwirtschaftsminister. Wenn dieser Turm mal runterfallen sollte, wäre das das Ende der Südspitze, habe ich damals gesagt. Das ist ja auch passiert. Diese Düne ist längst weg“, erklärt Hörnums Bürgermeister Rolf Speth. Wegen Abbruchgefahr wurde das Leuchtfeuer damals abgebaut und hinter dem Bauhof gelagert. „Wir wollten es erhalten, auch als Mahnmal für den Küstenschutz. Also hat die Gemeinde es zum Schrottwert von 600 Euro vom Wasserschifffahrtsamt gekauft“, so Speth. Allerdings musste die Gemeinde zunächst das Geld auftreiben, um die mit dem Wiederaufbau verbundenen Kosten tragen zu können. „Wir haben eine Spendenaktion gestartet, an der sich viele Hörnumer und Gäste beteiligt haben“, freut sich Gemeindevertreterin Ulrike Lund (AWGH), die die Aktion ins Leben gerufen hatte. Über 40 000 Euro sind zusammen gekommen, rund 20 000 Euro davon seien bereits ausgegeben, so Lund. „Unter anderem für die Genehmigung, die Statik und das Fundament.“

Kurz vor zehn Uhr haben die Männer das Leuchtfeuer mit einem Kran auf den Transporter gehievt und verlassen den Bauhof. „Kritisch wird es an der Stöbe. Da müssen aufpassen, dass die Plattform nicht hängenbleibt“, erklärt Hörnums Gemeindevertreter Wilfried Liebing. Mit der Stöbe ist die engste Stelle auf dem Weg zum Bauhof gemeint, die dem Schutz vor Hochwasser dient. Doch der Schwertransport gelingt reibungslos: Schon kurz nach zehn Uhr trifft das Leuchtfeuer an seinem neuen Bestimmungsort ein. Als die Männer das Leuchtfeuer im Park aufrichten wollen, gehen jedoch die Probleme los: Die Vorrichtung, an der das Leuchtfeuer hochgezogen werden soll, ist verbogen und eingerissen. „Wir versuchen jetzt, an zwei Halterungen an der unteren Plattform Seile anzubringen und den Turm so hochzuziehen“, erklärt Wilfried Liebing. Dieser Teil der Arbeit erfordert höchste Präzision: Die Unterseite des Turms mit 24 Löchern muss auf ebenso viele Dübel gesetzt werden, die 30 Zentimeter in das Fundament eingegossen wurden. „Da muss man schon mal mit der Brechstange oder dem Vorschlaghammer nacharbeiten“, so Manfred Schmidt.

Alle packen bei eisigem Ostwind und später noch Schneeregen mit an, auch der Bürgermeister. Schließlich ist es geschafft – pünktlich zur Mittagszeit um 13 Uhr steht das Leuchtfeuer an seinem neuen Platz im Park. Wenn es wärmer wird, soll der Turm „hübsch“ gemacht werden. „Tür und Galerie werden restauriert und das Leuchtfeuer bekommt einen neuen Anstrich“, erzählt Ulrike Lund. Auch der Bereich um das Fundament herum wird noch bearbeitet. Außerdem will die Gemeinde eine interaktive Tafel aufstellen, um die Geschichte des rot-weißen Turms lebendig zu halten und an den Küstenschutz zu erinnern. Künftig wird in den Turm zudem ein kleines Licht erstrahlen, das zusammen mit den Straßenlaternen angeht.

34 Jahre lang war das Leuchtfeuer das Wahrzeichen der Hörnum Odde – wie seine Geschichte in der Ortsmitte wohl fortgeschrieben wird? „Das steht da jetzt die nächsten 100 Jahre“, ist Manfred Schmidt überzeugt.







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