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Sylt : Hörnumer Strand: Odde-Wrack segelte früher als Handelsschiff auf der Nordsee

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Experten haben das Geheimnis gelüftet. Das Schiffswrack war von Spaziergängern entdeckt worden.

Sylt | Bei dem vor rund zwei Monaten am Hörnumer Strand gefundenen Schiffswrack handelt es sich vermutlich um ein Handelsschiff, das in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts auf der Nordsee gesegelt ist. Das Wrack war am Montag, den 3. Oktober, von Spaziergängern entdeckt worden. Experten vom Archäologischen Landesamt in Schleswig haben es in den vergangenen Wochen untersucht und jetzt ihre Ergebnisse präsentiert. Neben einer Untersuchung am Sylter Strand hatte das Team außerdem Fotos gemacht, um die Entwicklung der alten, morschen Holzbalken, die bei tiefstem Wasserstand aus dem Sand ragen, zu dokumentieren. Außerdem wurden Holzstücke im Labor untersucht, um herauszufinden, wann genau das Holz für das Boot geschlagen wurde.

„Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass das Holz des Schiffs um 1690 geschlagen wurde“, teilte die Sprecherin des Amtes, Birte Anspach, gestern mit. Dementsprechend sei das Schiff etwa einige „Jahre bis Jahrzehnte“ nach 1700, gestrandet.

Um das Alter bestimmen zu können, wurde eine Jahresringdatierung, eine so genannte Dendochronologie, vorgenommen. „Auffällig waren die sehr breiten Jahresringe im Eichenholz“, sagt Dr. Stefanie Klooß, Dezernentin für das Gebiet Nordfriesland und den Unterwasserbereich beim Archäologischen Landesamt. Das Schiff wurde ursprünglich vermutlich aus Eichenholz und Nadelholz gebaut.

Dass es sich bei dem Schiff um ein „mittelgroßes Handelsschiff mit einem flachen Boden, der das Trockenfallen im Watt ermöglichte“, handelt, sehen die Experten an der Form der übrig gebliebenen Bordwand. „Anhand der äußeren Umrisse können wir die Schiffsgröße rekonstruieren“, sagt Stefanie Klooß. Die charakteristische, aus dem niederländischen Raum stammende Bauweise sei im Bereich der Nordsee sehr verbreitet. Die Schiffe wären aber auch bis in die Ostsee gefahren.

Grabungsassistent Heiner Menzel liest mit einem differenzierten GPS-Gerät die genauen Koordinaten des Wracks ein.
Grabungsassistent Heiner Menzel liest mit einem differenzierten GPS-Gerät die genauen Koordinaten des Wracks ein.
 

Unmittelbar nach seiner Strandung sei das Schiff teilweise von Menschen auseinandergebaut worden: Das Holz – ein knappes Gut auf einer Insel – haben sie vermutlich zum Heizen benutzt, sagt Klooß. „Außerdem sind alle wertvollen Dinge sowie die Ladung entfernt worden.“ Unklar bleibt, ob das Schiff dort gestrandet ist, wo es jetzt gefunden wurde. Die Antworten darauf wird die Nordsee stets als ihr Geheimnis bewahren. Das Boot wurde nicht angespült, sondern durch den Sandverlust an der Odde, nach vielen Jahren unter dem Sand, freigelegt. Aus den Resten können die Experten nur schließen, dass die Holzteile vermutlich durch Wellengang verlagert worden sind.

Selten sind Funde dieser Art aus archäologischer Sicht an der Nordseeküste nicht: „Solche Schiffe befuhren zu Tausenden die Nordsee und mehrere Hundert gingen sicher auch unter“, heißt es von den Archäologen. Alltäglich seien Funde dieser Art trotz allem nicht. Das Wrack unterliegt – wie alle archäologischen Funde – dem Denkmalschutzgesetz. Es sei Zeugnis der technischen Errungenschaften sowie der sozialen Lebenswirklichkeit und dokumentiere die Handelsbeziehungen in der Region, schreibt das Landesamt.

Das Schiffswrack ist nur bei sehr tiefem Wasserstand zu sehen. Bei Flut verschwindet es wieder komplett in der Nordsee.
Das Schiffswrack ist nur bei sehr tiefem Wasserstand zu sehen. Bei Flut verschwindet es wieder komplett in der Nordsee. Foto: Nieß (5)
 

Wer das Odde-Wrack selbst anschauen möchte, sollte sich sputen: „Ich gehe davon aus, dass es nicht mehr lange dort liegen wird“, sagt Klooß. Die starke Strömung am Südzipfel würde dafür sorgen, dass Teile abgetrieben werden. Die erhaltenen Reste zu bergen und zu konservieren lohne sich aber nicht, da sind sich die Experten einig.

Zum einen sind nur kleine Stücke erhalten, zum anderen fehlen Beifunde wie Ladung und menschliche Hinterlassenschaften, die bei der Verortung helfen könnten. Aussagen über die Nutzung, Besatzung, Ziel der Fahrt, oder den Heimathafen können daher nicht oder nur beschränkt beantwortet werden. Ein gut erhaltenes und beinahe vollständiges Schiff dieser Art können Interessierte im Schiffahrtsmuseum in Husum bewundern.
 

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erstellt am 09.Dez.2016 | 04:29 Uhr

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