Seenotretter auf Sylt : Hörnumer Seenotretter-Station mit neuem Vormann

Neuer Vormann für die Seenotretter in Hörnum: Vorgestern hat Michael Petersen (links) das Amt von seinem Vorgänger Michael Heinzius übernommen.
Neuer Vormann für die Seenotretter in Hörnum: Vorgestern hat Michael Petersen (links) das Amt von seinem Vorgänger Michael Heinzius übernommen.

Raus in die Fluten: Seit vorgestern hat die Hörnumer Station einen neuen Vormann. Nachwuchs wird noch dringend gesucht.

shz.de von
17. Juli 2015, 05:45 Uhr

Immer, wenn mitten in der Nacht das Telefon klingelte, musste Michael Heinzius mit dem Schiff raus aufs Meer, um Menschen zu retten. Rund 24 Jahre unterstützte der 68-Jährige die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) als ehrenamtlicher Seenotretter in Hörnum. Jetzt hat der ehemalige Vormann – „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“ – sein Amt an einen jüngeren Kollegen abgegeben. Seit zwei Tagen ist Michael Petersen (48) offiziell verantwortlich für die Crew im Süden der Insel. Als langjähriger Segler ist der Insulaner, der seit 2005 bei der DGzRS ist, mit den Strömungen und Tücken rund um die Insel bestens vertraut.

„Vor der neuen Aufgabe habe ich doch Respekt, aber mein Vorgänger wird mich am Anfang noch unterstützen“, sagt der neue Vormann, der auch schon eine Leiche bergen musste. Große Veränderungen soll es mit dem Führungswechsel in Hörnum nicht geben. „Wir sind eine eingeschworene Gemeinschaft, wir können uns blind aufeinander verlassen.“ Das müssen die Männer auch, denn bei den Einsätzen auf offener See muss jeder Handgriff sitzen, um Schiffbrüchigen oder Ertrinkenden schnell zu helfen.

Die Sylter Südspitze gehört zu den eher dünn besiedelten Gebieten des Einsatzgebietes der Seenotretter. Entsprechend klein ist hier die Mannschaft. Anders als in List arbeiten die acht freiwilligen Retter der Hörnumer Station ehrenamtlich. Sie helfen jedem, der auf dem Wasser in Not gerät, ob in der Berufsschiffahrt, mit dem Sportboot oder als Schwimmer.

Von der Einsatzzentrale in Bremen werden die Notrufe an die Seenotretter auf der Insel geleitet. Mit einem einfachen Tastendruck auf dem Handy können sie innerhalb von Sekunden mitteilen, wie schnell sie am Schiff und ob sie überhaupt einsatzbereit sind. Wird die Eins gedrückt, bedeutet das „Ich komme in drei Minuten“, die Null heißt „Ich komme gar nicht“. Mindestens zwei Leute müssen an Bord sein, bevor das Schiff auslaufen darf. Falls notwendig, unterstützen Einsatzkräfte der Nachbarinsel Amrum mit ihrem neuen 28-Meter großen Seenotrettungskreuzer „Ernst Meier-Hedde“ das Hörnumer Team, deren Boot „Horst Heiner Kneten“ rund zehn Meter misst. Damit sei gewährleistet, dass die gesamte Küste abgedeckt ist, sagen die Rettungsexperten.

Ein 17-Jähriger bildet derzeit den einzigen Nachwuchs im Hörnumer Team – junge Mitglieder werden deshalb dringend gesucht, gerne auch Frauen. Warum sich so wenig Jüngere melden, können die Hörnumer Retter nur vermuten. „Vielleicht, weil sich bei uns alles draußen auf dem Wasser abspielt, ohne neugierige Zuschauer, wie beispielsweise bei der Feuerwehr“, sagt der Vormann. Besonderes Vorkenntnisse muss man nicht mitbringen: „Das Wichtigste ist die Liebe zur See. Wir suchen keine Leute, die schon alles können“, sagt Michael Heinzius. Wer sich für eine ehrenamtliche Arbeit bei den Seenotrettern entscheidet, bekommt Bootsführer- und Funkschein von der DGzRS. Außerdem werden ein Erste Hilfe-Kurs besucht sowie Maschinentechnik, Feuerschutz und Navigation erlernt. „Das ist doch toll, da werden den jungen Menschen Boote mit dem neuesten Stand der Technik zur Verfügung gestellt, mit denen sie umgehen und alles lernen können“, sagt der ehemalige Vormann. Dazu komme das Gefühl, etwas Gutes zu tun für andere Menschen. Im Vergleich zu anderen Ehrenämtern halte sich der Zeitaufwand in Grenzen: Ein Mal pro Woche ist Ausbildung, dazu kommen dann die Einsätze. Rund 15 Mal rückten die Männer im vergangenen Jahr aus.

„Wir sind wie eine große Familie bei den Seenotrettern“, sind sich der neue und alte Vormann einig. Rund 850 Freiwillige und 180 Festangestellte arbeiten deutschlandweit als Seenotretter für die DGzRS, die sich ausschließlich aus Spenden finanziert.

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