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Sylter Sensationsfund : Hörnum Odde gibt Geheimnis frei

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Das am Sylter Strand gefundene Odde-Wrack wurde gestern vom Archäologischen Landesamt untersucht. Es stammt aus dem 17. oder 18. Jahrhundert.

shz.de von
erstellt am 07.Okt.2016 | 04:14 Uhr

Donnerstag, 11.03 Uhr: Als die Ebbe an diesem Tag ihren tiefsten Wasserstand erreicht, gibt der Strand an der Hörnum Odde die dunklen Balken des Schiffswracks frei, das am Montag von einer Spaziergängerin zufällig entdeckt wurde (wir berichteten). Und die Zeit drängt: Fünf Mitarbeiter vom Archäologischen Landesamt in Schleswig haben sich schon früh am Morgen auf den Weg nach Sylt gemacht, um genau diesen Moment abzupassen und das Wrack in kürzester Zeit genau zu untersuchen – denn die Flut kommt und lässt den Experten für alle wichtigen Bestandsaufnahmen etwa drei Stunden Zeit. Dann verschwindet das Wrack wieder in der Nordsee, bis zur nächsten Ebbe.

Schwer bepackt mit wasserdichter Kleidung, Schaufeln, einem differenzierten GPS-Gerät und Motorsäge geht es für die Mitarbeiter an den Strand. „Das ist auch für uns ein hoher personeller Aufwand“, sagt Dr. Stefanie Klooß, Dezernentin für das Gebiet Nordfriesland und den Unterwasserbereich beim Archäologischen Landesamt, „aber ein Schiffswrack ist auch für uns immer etwas Besonderes.“

Am Fundort angekommen gilt erstmal für alle: Das Wrack bitte nicht betreten! Denn zunächst müssen Fotos gemacht werden, die später in einem speziellen Programm zu einem 3-D-Modell des Wracks zusammengefügt werden. Danach folgt die Bestandsaufnahme. Einer der Schleswiger Experten vor Ort ist Grabungstechniker Jan Fischer, der vor allem zu Rate gezogen wird, wenn es um Unterwasserfunde geht. „Das Aufregendste für mich in meinem Beruf sind immer die Schiffswracks“, sagt er begeistert, „hier werden wir jetzt erstmal versuchen, über Konstruktionsdetails und Baumerkmale eine Idee davon zu bekommen, was für ein Fahrzeug das überhaupt ist. Denn wenn wir den Schiffstyp kennen, können wir uns auch auf eine grobe zeitliche Einordnung einlassen“.

Um eine genaue Datierung vornehmen zu können, soll an Holzproben im Labor eine Jahresringdatierung, auch Dendochronologie genannt, vorgenommen werden. „So können wir das Baujahr des Schiffes ganz gut zu fassen bekommen, weil wir dann wissen, wann das betreffende Holz gefällt wurde. Der Untergang ist dann aber natürlich immer noch offen“, erklärt Fischer.

In der Zwischenzeit haben sich immer mehr Schaulustige neben den Mitarbeitern des Landesamtes eingefunden. Auf Fischer und seine Kollegen prasseln zahlreiche Fragen ein, die sie geduldig beantworten, obwohl ihre Zeit drängt. „Das geht schon in Ordnung, das gehört zu unserem Beruf irgendwie dazu“, sagt Fischer gelassen.

Nach drei Stunden genauer Untersuchung kann der Grabungstechniker erste Ergebnisse präsentieren. Eine kleine Überraschung: Es handelt sich nicht, wie zunächst angenommen, um ein Wrack, das in der Gegend bereits vor dreißig Jahren entdeckt und registriert worden ist, sondern um einen Neufund: „Bei diesem Wrack handelte es sich um ein für die Wattenmeerregion typisches Plattbodenschiff.“ Ein genaues Datum kann Fischer zwar nicht nennen, er geht jedoch davon aus, dass das Schiff aus der Zeit zwischen 1650 und 1800 erbaut wurde, „das ist aber eine ganz vorsichtige Einschätzung, die dendochronologische Untersuchung wird uns mehr Aufschluss geben.“ Was jedoch bereits sicher ist: Das Boot wurde nicht angespült, sondern durch den Sandverlust an der Odde jetzt, nach vielen Jahren unter dem Sand, freigelegt. Außerdem handelt es sich um zwei verschiedene Holzarten, die verbaut wurden – sowohl Eichenholz als auch Nadelholz. „Die Holzqualität ist nicht besonders hochwertig“, erklärt Stefanie Klooß, „außerdem wurde das Wrack unmittelbar nach der Strandung teilweise abgewrackt.“ Damit das nach dem aktuellen Fund nicht noch weitere Ausmaße annimmt, bittet Klooß alle Spaziergänger, das Wrack auch in Zukunft unbeschädigt zu lassen und betont: „Es handelt sich hier um ein Kulturgut, das unbedingt geschützt werden sollte.“

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