Neuer Tourismus-Direktor im Inselsüden : „Hörnum macht mir keine Angst“

Andreas Wölk übernimmt am 1. Mai die Stelle des Tourismus-Direktors in Hörnum

Andreas Wölk übernimmt am 1. Mai die Stelle des Tourismus-Direktors in Hörnum

Andreas Wölk wird ab Mai der neue Tourismus-Direktor im Inselsüden. Im Interview spricht er über seine künftigen Aufgaben

shz.de von
27. Februar 2018, 05:27 Uhr

Er ist der neue Mann im Inselsüden: Andreas Wölk wird am 1. Mai die Stelle des Tourismus-Direktors in Hörnum übernehmen. Ein einfacher Job ist der Posten offenbar nicht, wenn man sich den regen Wechsel in den letzten Jahren anguckt. Ilka Bauerochse hatte die Position 18 Jahre inne, bis sie 2003 abtreten musste. Für ein halbes Jahr übernahm Franz Uschan 2006 die Position, ihm folgte im November 2006 für sechs Jahre Carsten Holz.

Nach seinem Fortgang im Jahre 2012 kam mit Christin Scholz am 1. Februar 2013 eine 24-jährige Thüringerin nach Hörnum – ihr Vertrag wurde Ende Oktober 2014 einvernehmlich aufgelöst. Am 1. April 2015 trat Finja Fröhlich den Posten an, wurde aber von Bürgermeister Speth zu Ende März 2017 vor die Tür gesetzt.

Nun folgt also Andreas Wölk. Im Interview spricht der 38-jährige Kieler über die angespannte Politik im Inselsüden, darüber wie er seine Frau kennenlernte und warum er in Wenningstedt wohnen will.

Herr Wölk, am 1. Mai werden Sie in Hörnum die Stelle des Tourismus-Direktors antreten. Kennen Sie die lange Historie Ihrer Vorgänger und sind Sie mit dem angespannten politischen Klima im Inselsüden vertraut?
Ich habe mich natürlich gut über den Ort informiert und weiß aus den Berichten der Sylter Rundschau und auch von verschiedenen Insulanern, dass die Situation dort nicht ganz einfach ist. Das macht mir aber keine Angst. Ich habe bereits in einigen Familienbetrieben gearbeitet und dort waren sich die Generationen oft uneinig. Ich kenne also solche Probleme aus Unternehmen und weiß, wie ich damit umgehen muss.

Und – wie wollen Sie damit umgehen?
In meinem Vorstellungsgespräch vor dem Hörnumer Gemeinderat habe ich ganz klar betont, dass die Stelle des Tourismus-Direktors nicht politisch werden darf – und daran werde ich mich halten. Natürlich arbeite ich mit der Politik zusammen, die Gemeinde ist ja mein Arbeitgeber. Ich sage es aber noch mal deutlich: Diese Stelle des Tourismus-Direktors darf nicht politisch instrumentalisiert werden.

Wenn Sie die Historie der Kurdirektoren im Inselsüden kennen, verstehen Sie sicherlich, dass sich die Einwohner Hörnums jemanden wünschen, der länger bleibt.
Das verstehe ich und ich kann versichern, dass ich große Lust auf den Job habe. Ich arbeite unheimlich gerne im Tourismus und habe wirklich Spaß daran. Was Hörnum für mich so besonders macht: In dem Ort steckt so viel Potenzial – er ruft dieses Potenzial aber einfach noch nicht ab.

Welches Potenzial sehen Sie denn in Hörnum?
Ich möchte unter anderem den Campingplatz stärken – zum Beispiel mit einer eigenen Website oder mit einem Online-Buchungs-System. Da kann man so viel mehr herausholen, denn der Campingmarkt entwickelt sich rasend weiter und das schlechte Image, das Camping lange inne hatte, ist längst Geschichte.

Was möchten Sie sonst noch angehen?
Ich habe ganz viele Ideen im Kopf. Zum Beispiel fürs Marketing: Ich möchte eine neue Website für den ganzen Ort und Social Media verstärken. Hier ist Relevanz ein wichtiges Schlagwort. Ich möchte nicht nur einfach ein Foto posten, sondern damit auch Inhalte rüberbringen. Außerdem möchte ich ein Leitbild für Hörnum schaffen.

Wie könnte dieses Leitbild aussehen?
Die Frage ist ja, wofür Hörnum eigentlich steht. Hier möchte ich ansetzen und eine eigene Identität schaffen – weg vom „sonnigen Süden“. Wenningstedt ist zum Beispiel das Familienbad, Keitum das Kapitänsdorf. Da soll auch für Hörnum eine klare Profilierung her.

Erzählen Sie doch mal ein bisschen über sich. Haben Sie Erfahrung in der Tourismus-Branche? Wie ist Ihr Werdegang?
Ich komme eigentlich aus Langenfeld im Rheinland, bin gelernter Bankkaufmann und habe danach ganz klassisch Wirtschaftswissenschaften studiert. Derzeit bin ich noch bei der Regenbogen AG in Kiel, dem deutschen Marktführer für Camping und Ferienanlagen und arbeite direkt mit der Geschäftsleitung zusammen. In dem Unternehmen bin ich für die Geschäftsentwicklung, für die Integration neuer Anlagen und für die Weiterentwicklung bestehender Anlagen zuständig. Aber auch Digitalisierung ist ein großes Thema.

Warum möchten Sie jetzt so gerne nach Sylt?
Das hat verschiedene Gründe: Zum einen habe ich tatsächlich Sylter Blut in mir. Meine Familie väterlicherseits musste im Zweiten Weltkrieg aus Ostpreußen fliehen und ist auf der Insel gelandet. Ein Teil der Familie ist bis heute hier geblieben, meine Großeltern sind dann aber nach Düsseldorf gezogen, wo mein Vater zur Welt kam. Dennoch ist meine Familie der Insel seit vielen Jahren eng verbunden und schon mit 18 habe ich in meine Abi-Zeitung geschrieben, dass ich später einmal mit meiner eigenen Familie auf Sylt leben möchte. Und dieser Traum wird jetzt Realität.

Also gab es immer eine Verbindung zur Insel?
Ja, aber nicht nur durch die Geschichte meines Vaters. Ich habe meine Frau Moiken Ußner ganz kitschig auf Sylt beim Strandspaziergang kennengelernt. Sie kommt aus Wenningstedt und das ist auch der Ort, in den wir ziehen werden. Es war schon immer unser langfristiges Ziel und unser Wunsch, später gemeinsam dort zu leben.

Das heißt, Sie werden gar nicht in Hörnum wohnen?
Nein, wir ziehen nach Wenningstedt. Mein Frau ist Ärztin, arbeitet derzeit noch in Rendsburg und wird erst nach mir auf die Insel kommen. Für sie war immer klar, dass sie zurück nach Wenningstedt möchte. Die ersten Monate werde ich bei meinem Schwiegervater wohnen, meine Frau und ich haben uns aber schon für eine Wohnung im Osterweg beworben.

Sie haben jetzt viel von Wenningstedt geredet. Wären Sie lieber dort gelandet?
Nein, ich habe mich ganz bewusst in Hörnum beworben und mein ganzer Einsatz wird diesem Ort gelten. Außerdem glaube ich, dass ein bisschen Abstand zwischen dem Wohnort und der Arbeitsstelle auch ganz gut sein kann.

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