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Worst-Case-Szenario auf Sylt : „Hörnum könnte überflutet werden“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Bei einem Jahrhunderthochwasser könnte Wasser über die Ostseite nach Hörnum einlaufen – ein Worst-Case-Szenario.

shz.de von
erstellt am 02.Dez.2015 | 18:26 Uhr

Hörnum | Die Bilder der Präsentation sind erschreckend: Der Ortskern von Hörnum überflutet, Parkplätze, Keller und Häusern stehen unter Wasser – teilweise mit 50 Zentimetern Tiefe – und nur durch Sandsäcke kann das Wasser vor dem Weiterfließen Richtung Hörnum Nord gehindert werden.

Besucher der Sitzung des Katastrophenausschusses in Hörnum konnten es zu Beginn der Sitzung schon mit der Angst zu tun bekommen. Doch das, was Arfst Hinrichsen vom Landesbetrieb für Küstenschutz (LKN) da präsentierte, war ein Worst-Case-Szenario, also der schlimmste anzunehmende Fall, der eintreffen kann. Trotzdem, so betonte er, wäre auch dieses Szenario theoretisch möglich.

Grund für die Analyse der „Hochwassergefahr in Hörnum auf Sylt“, so der Titel der Präsentation, war ein Antrag der Hörnumer CDU über einen temporären Hochwasserschutz am Ostdeich und Hörnumer Hafen. In diesem Bereich hätten hohe Wasserstände in der Vergangenheit gezeigt, „dass hier dringend Maßnahmen zur Sicherung der Ortslage ergriffen werden müssen“, heißt es in der Antrags-Begründung.

Zuletzt hatten Stürme der Hörnum-Odde stark zugesetzt:

Nach der ersten Sturmflut der Saison Mitte November 2015 sind an der Hörnumer Odde massive Landverluste zu verzeichnen.

„Wir haben uns im Auftrag der Gemeinde ein Bild davon gemacht, welche Wasserstände im schlimmsten Fall kommen könnten“, erklärt Hinrichsen, „in den Berechnungen steckt viel Statistik, zahlreiche Daten über Hörnums Pegel seit 1936, dem ersten Jahr der Aufzeichnung, und natürlich der Anstieg des Meeresspiegels.“ Mit diesen gesammelten Daten kann Hinrichsen den Wasserstand in Hörnum auf 100 und 200 Jahre hochrechnen. „Wir haben so herausgefunden, dass ein Wasserstand von 4,35 über dem mittleren Meeresspiegel in den kommenden 100 Jahren möglich ist, das kann morgen passieren, in 50 Jahren oder in 99 Jahren.“ In dem nächsten 200 Jahren sei sogar ein Wasserstand von 4,45 Meter möglich, so Hinrichsen.

Die Experten richten sich in ihren Berechnungen unter anderem am höchsten Wasserstand, der in dem südlichen Inselort während eines Sturms jemals gemessen wurde: Bei der Novemberflut 1981 verzeichneten die Geräte 4,05 Meter über dem mittleren Meeresspiegel. „Bei Hochwasser steht das Wasser auf Sylt im Normalfall einen Meter über dem mittleren Meeresspiegel, bei Niedrigwasser einen Meter darunter“, sagt Hinrichsen, „da sind 4,35 Meter schon eine ganze Menge mehr.“

Aber was passiert, wenn dieses Worst-Case-Szenaio eintrifft und dieser Wasserstand tatsächlich erreicht wird? Diese Frage kann Arfst Hinrichsen mit Hilfe der Statistik ebenfalls beantworten: „In diesem Fall rechnen wir mit einem Wassereinlauf über die Ostseite von 35.000 Kubikmetern in den Ortskern und Hörnum könnte überflutet werden.“ Aufgrund ihrer Lage würden manche Häuser mehr von dem Wassereinbruch betroffen sein: Gebäude in der Strandstraße, der Rantumer Straße, Mittelweg und rund um den Edeka-Parkplatz hätten unter anderem mit einem hohen Wasserstand zu rechnen, so Hinrichsen: „Für einen Schutz sollte jeder vorsorgen und zum Beispiel seinen Keller abdichten.“

Dass dieses Szenario unmittelbar bevorsteht, davon geht Wilfried Liebing, Vorsitzender des Katastrophenausschusses, nicht aus. „Bei dem Orkan Xaver hatten wir immer noch 80 Zentimeter Luft unter der Oberkante der Ostpromenade“, sagt er, „daher glauben der Bürgermeister und ich nicht, dass die Gefahr zur Zeit besonders hoch ist.“ Um dennoch langfristig einen Hochwasserschutz umzusetzen, soll in den kommenden drei bis fünf Jahren die Straße am Hafen um 30 Zentimeter erhöht werden. „Dieser zusätzliche Schutz und der Einsatz von Sandsäcken sollte erst einmal ausreichen.“

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