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PolitikStreit im Inselsüden : Hörnum kämpft mit seinen Altlasten

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Gemeindevertretung stimmt mit Mehrheit für Wirtschaftsplan 2017 und für neue Planstelle beim Tourismusservice

Die Kurdirektorin gekündigt, ein mit heißer Nadel zusammengestrickter Wirtschaftsplan mit einem Minus von 140  000 Euro, Außenstände von fast 113  000 Euro – beim Tourismusservice Hörnum läuft es überhaupt nicht rund. Am Donnerstag letzter Woche meldeten sich auch noch alle vier Mitarbeiter der Touristinformation auf einen Schlag krank. Etwas muss vorgefallen sein, doch der kommissarische Betriebsleiter Rolf Speth hüllt sich in Schweigen: „Ich kann da nichts zu sagen.“

Der personelle Ausfall in der Hochsaison dürfte den Tourismusservice hart getroffen haben. „Aber wir haben das Problem in hervorragender Art und Weise gelöst,“ berichtete der Bürgermeister und gleichzeitig amtierende Kurdirektor Speth (AWGH) am Donnerstag Abend in der Gemeindevertretersitzung. Dazu seien andere Mitarbeiter „abkommandiert“ worden.

Der Wirtschaftsplan für den Tourismusservice, den Rolf Speth der Gemeindevertretung vorlegte, schließt mit einem Fehlbetrag von rund 140  000 Euro. Die Gemeindevertreter hatten den ersten Entwurf, der noch ein Minus von 215  000 Euro auswies, in ihrer Dezember-Sitzung abgelehnt. Die Zahlen seien weitgehend aus dem ersten Entwurf übernommen, aber in fünf Punkten geändert worden, zum Beispiel bei den Ausgaben für die Instandsetzung des Campingplatzes, für das Personal und für Kraftfahrzeuge. Die CDU-Opposition ließ an der Etatplanung kein gutes Haar, sie sei „dilettantisch mit der Schreibmaschine hingezaubert“, befand die Tourismusausschuss-Vorsitzende Inken Kessenich-Neubauer. „Wir haben schon einige Wirtschaftspläne vorgelegt bekommen, sowohl gute als auch schlechte, aber der hier ist ein Affront gegen unser Gremium,“ ärgerte sich der CDU-Fraktionsvorsitzende Ingo Dehn. Zahlen aus dem Vorbericht seien teilweise nicht identisch mit dem Wirtschaftsplan. „Da stimmt ja fast nichts drin.“

 


Sieben-zu-vier-Mehrheit für den Wirtschaftsplan


Bürgermeister Rolf Speth forderte die Gemeindevertretung auf, nun endlich für einen gültigen Etatentwurf zu sorgen. Das Jahr 2017 sei schon halb rum, und 2016 habe Hörnum überhaupt keinen gültigen Wirtschaftsplan gehabt. „Ich akzeptiere gerne, dass die eine oder andere Zahl nicht stimmig ist, aber das ist nicht entscheidend für den Wirtschaftsplan.“

Die Abstimmung verlief wie so oft in Hörnum – mit sieben Ja-Stimmen aus der AWGH-Fraktion des Bürgermeisters gegen vier Nein-Stimmen der CDU war das Zahlenwerk beschlossene Sache.

Teil des Wirtschaftsplans ist auch die Schaffung einer neuen Planstelle für einen Buchhalter, der das Rechnungs- und Mahnwesen im Tourismusservice auf Vordermann bringen soll. Bisher erledigt ein Pinneberger Steuerberater die laufende Buchführung. Dabei komme es immer wieder zu Unstimmigkeiten und unerklärlichen Problemen, heißt es in der Beschlussvorlage. Im Tourismusausschuss neun Tage zuvor hatte der beratende Wenningstedter Kurdirektor Henning Sieverts eine Halbtagskraft der Gehaltsgruppe 6 empfohlen, in der Gemeindevertretung wurde daraus mit der Zustimmung der AWGH-Mehrheit eine Vollzeitstelle der Gehaltsgruppe 8.

Die CDU-Fraktion vermisste in der Vorlage eine detaillierte Stellenbeschreibung für den neuen Buchhalter. „Was verbirgt sich hinter dieser Stelle?“, wollte Inken Kessenich-Neubauer vom Bürgermeister wissen. „Oder ist die Stelle etwa schon vergeben?“ Frank Lassl (CDU) vermutete, „hier soll eine Planstelle für jemanden geschaffen werden, der hier schon einmal gearbeitet hat.“ Und Inken Kessenich-Neubauer verlangte: „Wenn wir die Probleme ernsthaft in den Griff bekommen wollen, dann brauchen wir jemanden, der es kann, und nicht jemanden, der es auch vorher nicht hingekriegt hat.“

 


Ausbau der Hafenstraße zum Hochwasserschutz

 

Ebenfalls mit der Sieben-zu-vier-Mehrheit der AWGH-Fraktion wurde der Ausbau der schadhaften Hörnumer Hafenstraße zwischen dem Blanken Tälchen und der Promenade beschlossen. Die ursprüngliche Hafenstraße wurde in den 30er Jahren gebaut und vor etwa vierzig Jahren mit einem Gehweg erweitert und asphaltiert. Doch der Unterbau hat sich mittlerweile als mangelhaft erwiesen, ein Frostschutz fehlt, zum Teil auch eine Entwässerung. Die Kosten werden für das etwa 100 Meter lange Teilstück auf 220  000 Euro geschätzt. Zu 75 Prozent müssten sich die Anlieger beteiligen. Betroffen wären damit jedoch nur der Bund und der Zoll, erläuterte Jan Speth (AWGH). Beim Ausbau geht es auch um den Hochwasserschutz – die Straße soll um ca. 25 bis 30 Zentimeter erhöht werden. „Es ist jetzt absolut der falsche Zeitpunkt, das in Angriff zu nehmen“, kritisierte Inken Kessenich-Neubauer, weil parallel über die Entwicklung des Hafens beraten werde. „Verschwendetes Geld“, befand ihr Fraktionskollege Ingo Dehn. Rolf Speth gab zu bedenken, dass der Gemeindeanteil an den Kosten nur 55  000 Euro betrage. „Als Hafeneigentümer müssten wir die Kosten alleine tragen.“ Nach der Zustimmung des Kommunalparlaments sollen die Pläne nun zwischen Herbst 2017 und Frühjahr 2018 umgesetzt werden.

Keine Gegenstimmen gab es, als die Gemeindevertreter über die Aufstellung des alten Unterfeuers berieten. Das Quermarkenfeuer von 1979 – ein Wahrzeichen der Gemeinde – stand bis November 2013 in den Dünen an der Hörnum Odde, musste aber nach schweren Stürmen abgebaut werden. Künftig soll der kleine Leuchtturm am Steintal stehen. Ulrike Kramer-Lund (AWGH) hatte dafür Spendengelder in Höhe von 40  650 Euro gesammelt.

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erstellt am 08.Jul.2017 | 05:38 Uhr

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