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Angelstopp am Außenriff : Hochseeangeln vor Sylt soll verboten werden

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Das Sylter Außenriff soll zum Naturschutzgebiet erklärt werden. Unter anderem der Tourismusverband ist dagegen.

Westerland | Schlechte Nachrichten für Hochsee-Angler: Das Bundesministerium für Umwelt plant am Sylter Außenriff ein Naturschutzgebiet einzurichten. Das Angeln soll in dem rund 60 Kilometer westlich von Sylt gelegenen Meeresgebiet künftig verboten werden. Dagegen will jedoch eine Lobbyorganisation für den Schleswig-Holstein-Tourismus, der Tourismusverband Schleswig-Holstein (TVSH), jetzt vorgehen. Auch das Umweltministerium in Schleswig-Holstein spricht sich gegen ein komplettes Verbot aus.

Das geplante Angelverbot ist nicht der einzige Konflikt, der derzeit für Diskussionen zwischen Naturschützern und Touristikern sorgt. Auch das geplante Kitesurfverbot erhitzt die Gemüter: Die Sportler wehren sich dagegen, manche befürchten Nachteile für den Tourismus.

„In vielen Küstenorten Schleswig-Holsteins spielt das Thema Hochseeangeln eine bedeutende wirtschaftliche Rolle und trägt zur Imagebildung der Orte bei“, schreibt der TVSH. Als ganzjähriges Angebot sei das Angeln ein „wesentlicher Baustein des touristischen Gesamtkonzeptes“ und verlängere die Saison. In einer Stellungnahme zu den Verordnungsentwürfen des Bundesumweltministeriums fordert der Verein, auf das Verbot der Freizeitfischerei zu verzichten. Die Sperre sei „unverhältnismäßig gegenüber dem Gesamtverkehrsaufkommen“, außerdem habe das Angeln eine wichtige Bedeutung für die Tourismuswirtschaft im Land.

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck (Grüne) begrüßt die Pläne grundsätzlich. „Aber beim Angelverbot schießt der Bund über das Ziel hinaus“, sagt eine Sprecherin des Umweltministeriums Schleswig-Holstein, Nicola Kabel. Speziell im Sylter Außenriff spiele die Fischerei keine große Rolle. „Wir halten es nicht für gerechtfertigt, das Angeln dort komplett zu verbieten“, sagt sie. Das Freizeitangeln habe demnach keine größeren Auswirkungen auf die Fischbestände, denn die Fanggeräte der Angelfischer würden den Meeresboden kaum berühren. Habecks Ministerium habe die Kritik an den Plänen in einer Stellungnahme deutlich gemacht und hoffe nun, dass der Bunde diese zur Kenntnis nimmt.

Dass Freizeitfischer am Sylter Außenriff ihrem Hobby erfolgreich nachgehen können, bestätigt ein Hochseeangler, der seinen Namen hier nicht lesen möchte: „Da kann man richtig was fangen, zum Beispiel große Dorsche und auch Hundshaie“, sagt er. Das rund 5000 Quadratkilometer große und von Steinfeldern durchzogene Gebiet liege so weit draußen, dass dort nicht viele Berufsfischer und Angler unterwegs seien.

Das bestätigt auch Claus-Dieter Nielsen vom Anglerverein Sylt: „Wir als Angler würden niemals den Fischbeständen schaden.“ Ganz im Gegenteil „hegen und pflegen“ die Vereinsmitglieder die Fische in der Nordsee. Eine naturschutzfachlich plausible Begründung für die Einschränkung sieht der Gewässerwart nicht. Als Angler würde er verantwortungsbewusst mit den Tieren und ihrem Lebensraum umgehen: „Ich fange nur, was ich brauche – wenn ich zum Beispiel 20 Makrelen hab, fahr ich nach Hause, selbst wenn ich mehr kriegen könnte“, sagt er. Ein positiver Nutzen für die Fische durch ein Fangverbot sei nicht belegt. „Angeln ist eine Tradition, die kann man dort nicht einfach abschaffen“, sagt Nielsen. Er rät den Anglern auf der Insel, ruhig zu bleiben: „In der Sache ist noch nichts entschieden.“

Der Naturschutzbund (Nabu) Schleswig-Holstein hingegen hält die fischereifreien Zonen für sinnvoll. „Die Unterschutzstellung hätte aber eigentlich schon viel früher vom Bundesministerium in Angriff genommen werden müssen“, sagt Sprecher Ingo Ludwichowski.

Natürliche Riffe – wie das Sylter Außenriff, das aus Sandbänken und Steinriffen besteht – sind einmalig in den küstenfernen Gebieten der deutschen Nordsee. Das Areal gehört zum EU-Schutzgebietsnetz Natura 2000. Die Fischerei sowie der Abbau von Sand und Kies sind dennoch erlaubt.

Die Pläne des Bundes für ein Angelverbot in neuen Naturschutzgebieten sollen demnach acht gemeldete Flora-Fauna-Habitate in Nord-und Ostsee betreffen. Neben dem Sylter Außenriff sind darunter unter anderen die Gebiete Kadetrinne und Pommersche Bucht in Mecklenburg-Vorpommern sowie der Fehmarnbelt in der westlichen Ostsee, die Doggerbank und der Borkumer Riffgrund. Anfang der Woche wollen die Beteiligten in Hamburg zu einer „Verbändeanhörung“zusammenkommen und über das Vorhaben beraten.

 

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erstellt am 22.Feb.2016 | 06:00 Uhr

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