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Sylter Rundschau

17. Oktober 2017 | 21:22 Uhr

Hochleistungssportler am Klavier

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Zugunsten eines japanischen Kinderheims in der Nähe von Fukushima gaben sieben Musikschüler ein Konzert in der Galerie Sprotte

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2013 | 18:03 Uhr

Maria Hallensleben reagiert wie ein alter Hase, als sie ihre Geige in die Hand nimmt. „Ich habe es geahnt – sie ist etwas kälter geworden. Da muss ich jetzt erst einmal nachstimmen.“ Obwohl das Mädchen mit japanischen Wurzeln erst acht Jahre alt ist, hat es das Publikum fest im Griff, als es sich mit seinem Instrument neben dem Flügel aufbaut und zu spielen beginnt. Für dieses Konzert in der Galerie Sprotte ist sie extra mit ihren Eltern aus Nürnberg angereist. „Schließlich spielt ihr ja für mein Land“, hatte sie ihrer Musiklehrerin Nannette-Christine Goletzko erklärt.

Und genau darum geht es: Goletzko will mit dem Konzert in Kampen Geld sammeln, um ein neues Paket mit Lebensmitteln in ein japanisches Kinderheim, nur wenige Kilometer nördlich von Fukushima zu schicken (wir berichteten). Dafür konnte sie außer Maria noch sechs ihrer Klavierschüler zwischen neun und 23 Jahren gewinnen.

Die meisten von ihnen wurden schon mit zahlreichen Musikpreisen ausgezeichnet, darunter einige Male auch mit dem Bundespreis des Wettbewerbs Jugend musiziert. Und so fiel es besonders den „Hochleistungsmusikern“, wie es Goletzko ausdrückte, leicht, die Zuhörer mit ihrer Musik zu begeistern. „Es gehört viel Fleiß und Liebe dazu, um so über die Tasten fetzen zu können“, kündigte die Klavierlehrerin ihre besten Schüler an. Und so flogen die Hände von Alexandrea Zamosteanou, Lukas Phan, Markus Schirmer, Nadine Strotzelberger und Alexander Laska bei den Werken von Chopin, Liszt und Rachmaninoff nur so über die Tasten und zogen ihre Zuhörer in einen Rausch aus Klängen und Melodien.

Mehrmals mussten sich die Pianisten anschließend vor ihrem Publikum verbeugen, bis sie gehen durften. Die beste Belohnung war für sie aber wohl das Strahlen ihrer Klavierlehrerin, die für jeden lobende Worte hatte. „Für ausführende Künstler ist jeder Auftritt eine Herausforderung“, hat sie am Anfang gesagt. „Für meine Schüler war es selbstverständlich, den weiten Weg auf sich zu nehmen, um mein Projekt zu unterstützen.“

Einziger Wermutstropfen an diesem Abend: Mit rund 40 Gästen blieben einige Plätze frei. Umso mehr freute sich Nannette-Christine Goletzko am Ende über das Ergebnis der Spendensammlung: 800 Euro fanden sich in den Spendenkörben, nachdem die Zuhörer die Galerie verlassen hatten. Das ist genau die Summe, die Goletzko benötigt, um die nächste Lebensmittellieferung nach Japan zu schicken.

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