zur Navigation springen

Jugend debattiert : Hochkonzentrierte Streitkultur

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Beim Regionalwettbewerb von „Jugend debattiert“ gewann der Sylter Schüler David Saß in Niebüll.

Sollen die Zeiten, an denen öffentliche Schwimmbäder nur Frauen offen stehen, ausgeweitet werden? Soll das Betteln in Innenstädten verboten werden? Sollen in Stadt- und Gemeinderäten Jugendquoten eingeführt werden? Im Sylter Gymnasium gibt es Schüler, denen es so richtig Spaß macht, solche Fragen auszudiskutieren. Dazu gehören Ben Böttche (14), David Saß (16), Tim Kröger (14) und Fynn Weyrich (14) – siehe Foto links. Drei der vier Jungs sind sogar im schuleigenen Debattierclub, der sich jeden Freitagnachmittag trifft, um Streitgespräche zu führen, die im Unterschied zur Diskussion ganz bestimmten formalen Regeln folgen.

Die drei oben genannten Fragen waren Teil des Regionalwettbewerbs von „Jugend debattiert“, der vergangene Woche in Niebüll stattfand und den der 16-jährige Sylter Schüler David Saß gegen seine Konkurrenten aus Nordfriesland und Schleswig-Flensburg gewinnen konnte. Bereits Ende Januar fand am Sylter Gymnasium der Schulentscheid statt, bei dem neben David auch der 14-jährige Fynn Weyrich überzeugen konnte und in seinem Jahrgang die meisten Punkte bekam.

In einer Debatte bei „Jugend debattiert“ äußern sich jeweils vier Jugendliche zu aktuellen schulischen und politischen Streitfragen. Zehn Tage haben sie im Vorfeld Zeit, sich darauf vorzubereiten. Im Wettbewerb dauert eine Debatte 24 Minuten. Jeder erhält zunächst zwei Minuten ungestörte Redezeit, in der er seine Position – Pro oder Contra – darlegt. Es folgen zwölf Minuten freie Aussprache. Für ein Schlusswort steht jedem Teilnehmer eine Minute zur Verfügung. Eine Jury bewertet die Debattanten öffentlich nach Sachkenntnis, Ausdrucksvermögen, Gesprächsfähigkeit und Überzeugungskraft.

Für die Schüler sei das Debattieren ein absoluter Gewinn, sagt ihre Lehrerin Mona Halfpap. „Sie müssen Argumente finden, abwägen und sich manchmal auch auf die andere Seite begeben. Also für eine Position sein, die man im echten Leben vielleicht nicht einnehmen würde.“ Außerdem müsse man den anderen Rednern zuhören, sie aussprechen lassen und schließlich an deren Argumente anknüpfen. „Man muss hochkonzentriert bei der Sache sein – und das 24 Minuten“, so Halfpap.

Auch die Schüler wissen, dass ihr Hobby sie weiterbringen kann: „Wenn man nur mit Totschlagargumenten diskutiert, führt das meist nicht zu einem richtigen Kompromiss. Durchs Debattieren kann man sich aber einfach besser in die andere Seite hineinversetzen und das wird uns bestimmt mal weiterhelfen“, sagt Ben. Und Fynn ergänzt: „Ich glaube vor allem, dass die analytischen Fähigkeiten, die man durch das Suchen von Argumenten bekommt, sehr wichtig sind.“

Über seinen Sieg bei dem regionalen Wettbewerb ist David sichtlich stolz: „Alle Finalisten mussten sich zu den drei Fragen sowohl auf die Pro- als auch auf die Contra-Argumentation vorbereiten“, erzählt der Schüler. „Kurz vor der Debatte wurde dann entschieden, wer welche Position vertreten soll.“ Da sei ganz viel Glück mit im Spiel, so David, „denn jeder hat natürlich seine Lieblingsposition“.

Mit seinem Sieg konnte sich David für den Landesentscheid in Kiel qualifizieren. Dafür wäre es aber Pflicht gewesen, an einem dreitägigen Regionalsieger-Seminar teilzunehmen. „Ich habe mich im Vorfeld bewusst dagegen entschieden, damit ich nicht zu viel Schulstoff nachholen muss“, sagt David. „Damit überlasse ich Anton Schmidt den Vortritt, der beim Regionalwettbewerb Dritter geworden ist. Er wird unsere Sylter Schule ganz sicher würdig beim Landeswettbewerb vertreten.“

Allein die Teilnahme in Niebüll sei für den Schüler schon eine große Ehre gewesen. „Es hat großen Spaß gemacht, dort zu debattieren, weil es qualitativ sehr hochwertig und strukturiert aufgebaut war. Dort waren genau die richtigen im Finale“, sagt er. Einen recht naheliegenden Berufswunsch hat der 16-Jährige auch schon: „Ich möchte gerne Jura studieren“, sagt er – und bei den Voraussetzungen steht dem sicherlich nichts im Wege.

zur Startseite

von
erstellt am 16.Feb.2017 | 05:15 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen