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Neue Mitte auf Sylt : Hitzige Diskussion um Bauprojekt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Mitglieder des Ortsbeirats lehnen den Finanzplan des Tiefbauamts für die Neue Mitte ab. Inselbauverwaltung und Bauträger sind enttäuscht.

shz.de von
erstellt am 25.Apr.2015 | 05:48 Uhr

„Ich appelliere heute an Sie, eine positive Entscheidung zu treffen, damit wir das Projekt angehen können“, sagte Bauamtsleiter Martin Seemann mit Nachdruck zu den anwesenden Bürgervertretern. Zuvor hatten er und sein Kollege vom Tiefbauamt, Dirk Russkamp, in der Westerländer Ortsbeiratssitzung am vergangenen Donnerstag die Pläne für die Gestaltung der Neuen Mitte vorgestellt. Auf dem zirka 1  300 Quadratmeter großen Areal soll ein Platz entstehen, der zum Verweilen und Flanieren einlädt, aber auch als neuer Standort für Veranstaltungen wie Floh- oder Weihnachtsmärkte genutzt werden kann (wir berichteten).

Die Mitglieder des Ortsbeirats zeigten sich von den Plänen allerdings wenig begeistert und Bauamtsleiter Seemann musste sich im Anschluss an seine Präsentation dem starken Gegenwind einiger Anwesender stellen. Grund für die hitzige Diskussion war vor allem die Auflistung der Ausgaben für den Platz, die die Gemeinde Sylt zu tragen hat. Denn die Kostenaufstellung sieht den Punkt „Ersatzneubau WC-Anlage“ über 52  500 Euro als Sache der Gemeinde – die Bürgervertreter gingen bisher jedoch davon aus, dass diese Kosten von DC Commercial übernommen werden, dem Bauträger des neuen Geschäfts- und Wohngebäudes auf dem Platz der Neuen Mitte.

Dieser hatte sich dafür eingesetzt, dass das bestehende Toilettenhäuschen auf dem Platz abgerissen wird und angeboten, im Erdgeschoss seines neuen Gebäudes Räume für öffentliche Toiletten zur Verfügung zu stellen. Um den Platz vor dem Gebäude attraktiver zu machen, hatte DC Commercial außerdem angekündigt, die Neugestaltung mit 500  000 Euro zu bezuschussen. Wie die Kommunalpolitiker auf ihrer Sitzung sichtlich überrascht feststellten, wird nach der Kostenaufstellung des Tiefbauamts von diesen 500  000 Euro der Anliegerbeitrag von DC Commercial abgezogen, wodurch sich die bezuschusste Summe auf 403    000 Euro reduziert.

Die Westerländer Bürgervertreter waren sich in ihrer Sitzung einig: DC Commercial habe sowohl die Kosten für den Neubau der Toiletten übernehmen wollen, als auch die 500  000 Euro ohne Abzüge angeboten. „Bei unserer Sitzung im November wurde uns gesagt, dass das WC bereits in den Neubau integriert. Damals war von Kosten oder Abzügen überhaupt nicht die Rede“, sagte Birgitt Kirsch (Grüne) und Holger Flessau machte seinem Ärger über Lothar Schubert, den geschäftsführenden Gesellschafter von DC Commercial, Luft: „Im Jahr 2010 hat uns Herr Schubert versichert, dass der Platz mit 500  000 Euro subventioniert wird“, sagte der CDU-Politiker. „Heute Abend muss ich feststellen, dass er sein Wort gebrochen hat. Es ist für mich eine bodenlose Unverschämtheit, dass der Anliegerbeitrag von den 500  000 Euro abgezogen wird und auch, dass wir die Kosten für die Toilette in Rechnung gestellt bekommen.“

Inselbaumeister Seemann war von dem starken Gegenwind sichtlich überrascht. Er betonte mehrfach in der Sitzung, dass die Kosten für die Toiletten immer transparent kommuniziert wurden. Wie es passieren konnte, dass so ein Missverständnis aufkommt, kann er sich nicht erklären. „Vielleicht gab es bereits mit meinem Vorgänger Probleme in der Kommunikation, vielleicht wurde es auch nie so deutlich hinterfragt“, sagte der Bauamtsleiter. Auch dass die 500    000 Euro von Seiten DC Commercials nicht netto, sondern brutto zur Verfügung stehen würden, sei immer offen dargelegt gewesen, so Seemann.

„Wir möchten, dass die finanzielle Situation so ist, wie sie uns verbal kommuniziert worden ist“, entgegnete Ortsbeiratsvorsitzender Kay Abeling. „Bevor das nicht in Ordnung gebracht ist, können wir unsere Zustimmung zu der finanziellen Planung nicht geben.“ In den nächsten Wochen möchte der Vorsitzende nun eine außerordentliche Sitzung einberufen, denn die Zeit drängt: Noch bis zum 31. Juli wird DC Commercial das Angebot über die 500  000 Euro aufrecht erhalten. Wenn es bis dahin keine Lösung gibt, wird es nach jetzigem Stand zurückgezogen. Einigen sich Politiker und DC Commercial nicht, wird der Platz nach der Fertigstellung des neuen Gebäudes von dem Bauträger wieder auf den Stand gebracht, wie er vor den Baumaßnahmen aussah.

„Uns geht es natürlich auch um die Stadtentwicklung Westerlands“, sagt Lothar Schubert von DC Commercial zu der Situation, „und mit den 500  000 Euro hat die Stadt einfach eine riesige Chance, den Platz schöner zu machen.“ Der Geschäftsführer betont, dass von den 500  000 Euro mit Sicherheit alle profitieren würden – sowohl die Anwohner als auch die Geschäfte, die Touristen und damit auch die Insel.

Er hofft, dass es noch zu einer Einigung kommen wird und plane fest ein, zu der außerplanmäßigen Sitzung auf die Insel zu kommen: „Ich stehe natürlich zur Verfügung und werde versuchen, auf alle Kritikpunkte und Fragen einzugehen, sowie Missverständisse aus dem Weg zu räumen, damit schließlich ein schöner Platz in der Neuen Mitte entstehen kann.“

Nach der außerplanmäßigen Sitzung wird der Ortsbeirat seine Empfehlung in der Angelegenheit der Gemeindevertretung übermitteln, die dann die endgültige Entscheidung zu fällen hat.

 

 

 

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