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Auswanderer : Historikerin forscht über Sylter Familien

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Elisabeth Westmore hat die Schicksale von Insulanern recherchiert, die vor 200 Jahren in das Hoffnungsland USA ausgewandert sind. Bei einem Vortrag deckte sie aktuelle Parallelen zur heutigen Flüchtlingssituation auf.

Armut, Perspektivlosigkeit und fehlende Arbeit waren vor zweihundert Jahren schon die Gründe für junge Männer, Frauen und ganze Familien ihre Heimat zu verlassen. Auch von Sylt wanderten sie aus, um in der Fremde ein besseres Leben zu finden. Hoffnungsland war für viele Amerika, wo sich im Laufe der Zeit Sylter Kolonien vor allem in Milwaukee, Kalifornien und New York bildeten. Waren die ersten Schwierigkeiten überwunden, holten die Sylter häufig Freunde und Verwandte nach. Rund 600 Insulaner verließen die Insel und ihre Nachfahren sind noch heute weltweit zu finden. Elisabeth Westmore hat diese Schicksale recherchiert und am Dienstagabend auf Einladung des Freundeskreises der Söl’ring Museen im mehr als gut besuchten Heimatmuseum Keitum vorgestellt. „Teilweise waren die Sylter noch Kinder. Knapp nach der Konfirmation, mit gerade einmal vierzehn Jahren, haben viele von ihnen die Auswanderung angetreten“, beschreibt die in Morsum geborene und heute auf der Isle of Wight lebende Historikerin bewegend den mühevollen Weg in ein neues Leben.

Endlose Bürokratie, Warten in Sammelstellen, Angst vor der Ausweisung: Die Sylter Auswanderer erlebten das, was heute das Schicksal zahlreicher Flüchtlinge in Deutschland ist – auch, wenn sie nicht vor dem Krieg flüchten mussten. Viele Insulaner starteten von Hamburg aus in die neue Welt. Die Schiffsreise hatte kaum Annehmlichkeiten zu bieten. Decken, Essen und Kochgeschirr mussten mitgebracht werden, das Leben spielte sich zumeist auf der Enge des Zwischendecks ab. Erschöpft und teilweise krank erreichten die Sylter manchmal erst nach Wochen den Zielhafen. Bevor die Einreise gestattet wurde, hatten sie sich wieder in Sammelstellen wie Ellis Island aufzuhalten, bis die Überprüfung ihrer Gesundheit und Gesinnung abgeschlossen war. Wer die nicht bestand, hatte sofort das Land zu verlassen. So wie Karl August Quaas, der 1895 in Westerland geboren wurde und dessen Auswanderung aufgrund einer Augenerkrankung bereits in Ellis Island endete. Seine Nachkommen saßen am Dienstagabend im Publikum und bestätigten die Forschungsergebnisse von Elisabeth Westmore. Quaas wurde nach seiner Rückkehr politisch verfolgt, im Konzentrationslager inhaftiert und kam kurz vor Kriegsende auf dem Todesmarsch um. Wie die Quaas’ waren viele Sylter ins Heimatmuseum gekommen, um quasi einem jahrhunderte- und generationenübergreifendem Familientreffen beizuwohnen.

Namen wie Knutzen, Bohn, Peters, Weirup oder Jensen sorgten immer wieder für ein erkennendes Kopfnicken bei den Anwesenden. Über 43  000 Datensätze hat Elisabeth Westmore mittlerweile in ihrer Datenbank. Recherchiert in Kirchenbüchern, Passagierlisten und Volkszählungen erstellt sie Stammbäume von Sylter Familien über dreizehn Generationen hinweg. Doch weil die Suche nach neuen Daten und Informationen niemals abgeschlossen sein kann, nutzt Elisabeth Westmore auch ihren jetzigen Inselaufenthalt für die Erforschung der Inselfamilien.

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