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Insel-Flughafen : Hier muss der Fluggast noch laufen

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Sylter Airport bietet Passagieren ein „durchaus sparsames“ Erscheinungsbild. Hohe Ausgaben für Flugsicherung und Zoll.

Tinnum | 14.20 Uhr – mit fünf Minuten Verspätung landet der Airbus A320-200 aus Düsseldorf auf dem Sylter Flugfeld. Die Maschine der Air Berlin ist gut gefüllt, über die Hälfte der 180 Sitzplätze ist belegt. Gestartet sind die Passagiere in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt bei Nieselregen, auf der Nordseeinsel steigen sie bei Nieselregen und deutlich stärkerem Westwind wieder aus. Doch ungemütlich ist es nur draußen – in der gut beheizten Ankunftshalle wartet schon gut gelauntes Personal auf die Fluggäste, und Minuten später sind auch schon die Koffer auf dem Rollband.

Zweckmäßig: Wartezone mit Polsterstühlen im Sicherheitsbereich vom Sylter Terminal 1.

Zweckmäßig: Wartezone mit Polsterstühlen im Sicherheitsbereich vom Sylter Terminal 1.

Foto: Henningsen
 

Eine Ankunftshalle mit viel Glas und Marmor darf man auf Sylt nicht erwarten – hier geht es wesentlich bescheidener zu. Auf dem Weg zwischen zwei Gepäckbändern und der Ausgangstür gibt es zwar auch hier die typischen Leuchtkästen mit Werbung für Luxusuhren und Juwelen, doch sonst ist der kurze Gang zum Taxi-Vorplatz eher schmucklos. Wenn einen der Zoll nicht aus der Reihe fischt, steht man nach einer Minute wieder unter freiem Himmel.

Bescheiden ist auch das Ambiente im Abflugbereich. Nach der Sicherheitskontrolle mit dem modernen Ganzkörperscanner steht man im Wartebereich und kann sich auf den vielen Polsterstühlen niederlassen. Auf dem Tinnumer Airport können gleichzeitig drei Flugzeuge mit insgesamt bis zu 500 Passagieren abgefertigt werden. So viel Andrang herrscht hier zur Hochsaison tatsächlich an einigen Tagen. Wer etwas exklusiver auf den Abflug warten möchte, muss seine Vielfliegerkarte von Lufthansa oder Air Berlin zücken oder zehn Euro zahlen – dann öffnet sich die Tür zur Sylt Lounge. In dem holzgetäfelten, klimatisierten 120-Quadratmeter-Wartebereich stehen 70 Clubsessel sowie kleine Snacks, Kaffee oder ein Glas Sekt bereit.

Sylt Lounge: Auf 70 Clubsesseln können Vielflieger und zahlende Fluggäste Platz nehmen und sich am Büffet bedienen.

Sylt Lounge: Auf 70 Clubsesseln können Vielflieger und zahlende Fluggäste Platz nehmen und sich am Büffet bedienen.

Foto: Henningsen
 

Mondän ist der Sylter Flughafen nicht – das weiß auch Geschäftsführer Peter Douven. „Das Erscheinungsbild ist durchaus sparsam“, gesteht er ein. Der Terminal 1, erzählt Flughafen-Mitarbeiterin Heidi Schreiber-Taylor, sei 1989 entstanden – mitsamt Kontrollturm, neuem Instrumentenanflugsystem, Anflugbefeuerung sowie Rettungs- und Fahrzeughalle.

„Allerdings haben wir in den zurückliegenden zehn Jahren sukzessive und immer in Abhängigkeit vom Verkehrsaufkommen erweitert“, ergänzt Douven. „So haben wir zum Beispiel die Abflughalle in drei Bauabschnitten erweitert, die Ankunftshalle stückweise vergrößert und stets auf günstigste Baumaterialen zurückgegriffen.“ Die letzte Renovierung fand gerade im Winter in der Halle statt. Dort wurde das Glasdach neu abgedichtet und der gesamte Turm von innen gestrichen, berichtet Peter Douven.

Lohn der Sparsamkeit: Im Vergleich mit den Regionalflughäfen von Nürnberg, Dortmund, Bremen, Paderborn, Rostock und Erfurt war der Sylter der einzige, der schwarze Zahlen schrieb: Das Wirtschaftsjahr 2014 ergab einen Gewinn von 450  000 Euro. Mit 170  000 lag die Passagierzahl zwar gleichauf mit dem Flughafen Rostock-Laage, doch dort wurde ein Unterschuss von 3,4 Millionen Euro erwirtschaftet. 108 Mitarbeitern in Rostock stehen 60 Mitarbeiter auf Sylt gegenüber. In 2016 verzeichnete der Sylter Flughafen mit 143  145 Passagieren rund sieben Prozent weniger als im Vorjahr.

Ankunftshalle mit Reetdach: Verkehrsleiterin Susann Johannsohn und Ramp Agent Yannick Ünsal begrüßen die Gäste.

Ankunftshalle mit Reetdach: Verkehrsleiterin Susann Johannsohn und Ramp Agent Yannick Ünsal begrüßen die Gäste.

Foto: Henningsen
 

Für 2015 weist der Wirtschaftsplan der Flughafen GmbH einen Unterschuss vor Gesellschafterzahlungen von 420  000 Euro aus, die Jahresrechnung für 2016 steht noch aus. Darin enthalten sind die sogenannten hoheitlichen Aufwendungen mit 1,2 Millionen Euro – Ausgaben zum Beispiel für Flugsicherung, Zoll und Luftsicherheit. „Ohne hoheitliche Aufwendungen würde unser kleiner Flughafen profitabel arbeiten“, sagt Douven. Und weist auf eine Ungerechtigkeit hin: Große Flughäfen hätten diese Kosten nicht zu tragen – für die Deutsche Flugsicherung, den Zoll und die Bundespolizei sorge der Bund.

Die sparsame Ausstattung des Sylter Flughafens ist aber auch der kurzen Aufenthaltszeit der Passagiere geschuldet – hier verweilt niemand im Duty-Free-Bereich oder muss durch endlose Gänge laufen. Einen Wunsch hat der Flughafen-Chef jedoch: „Wenn es Sponsoren gäbe, wäre eine Außenüberdachung für Wartende und Abholer wünschenswert, um vor dem Wetter geschützt zu sein.“ Falls es mal wieder nieselt auf Sylt.


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