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Flüchtlingsunterbringung : Hickhack um Hörnums Heime

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Antrag, im Hörnumer Fünf-Städte-Heim Flüchtlinge unterzubringen, wirft auf der Insel viele Fragen auf.

von
erstellt am 26.Jan.2016 | 05:48 Uhr

Der Vorstoß der CDU-Fraktion der Gemeinde Sylt, das Hörnumer Fünf-Städte-Heim für die Unterbringung von Flüchtlingen zu nutzen, schlägt auf der Insel weiter Wellen. Dabei geht es auch um die Fragen: Steht das Fünf-Städte-Heim überhaupt zum Verkauf? Wer soll es kaufen? Und was hat Familie Ebert, Betreiber des Hörnumer Hotels Budersand, mit der ganzen Geschichte zu tun? Die Sylter Rundschau hat bei den Beteiligten nachgefragt und die Antworten zusammengefasst. Hörnums Bürgermeister Rolf Speth war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Das ist Stand der Dinge: Die Gemeindevertretung Sylt hat in ihrer jüngsten Sitzung mehrheitlich beschlossen, dass die Verwaltung prüfen soll, ob das Fünf-Städte-Heim für die Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden kann. Dieser Beschluss ging auf einen Antrag der CDU-Fraktion zurück. Wenn eine Unterbringung im Fünf-Städte-Heim möglich ist, möchte die Politik der Gemeinde Sylt nun lieber dort Flüchtlinge unterbringen als im benachbarten ehemaligen Jugendaufbauwerk (JAW-Heim). Zuvor hatten die Politiker immer wieder ihren Beschluss bekräftigt, vorrangig das JAW-Heim als Wohnraum für Flüchtlinge nutzen zu wollen. Die ersten vorbereitenden Arbeiten werden in der Landesliegenschaft derzeit ausgeführt, in zwei bis drei Monaten sollen dort die ersten Flüchtlinge einziehen – so zumindest die bisherige Planung. Zwischenzeitlich war zudem im Gespräch, das ebenfalls in Hörnum-Nord gelegene Haus Budersand als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen. Dieses Gebäude ist seit kurzem im Besitz von Familie Ebert und soll demnächst abgerissen werden (wir berichteten).

Das sagt die Vorsitzende des Fünf-Städte-Heims, die Uetersener Bürgermeisterin Andrea Hansen: „Das Fünf-Städte-Heim steht nicht zum Verkauf.“ Familie Ebert sei im vergangenen Herbst an die Betreiber des Fünf-Städte-Heims herangetreten, es sei ein Vorgespräch geführt worden. Danach habe man aber nicht mehr voneinander gehört. Das Fünf-Städte-Heim sei für dieses Jahr und in Teilen auch schon für 2017 gut gebucht.

Das sagt Claudia Ebert: Familie Ebert bestätigt, dass es ein Gespräch mit den Betreibern des Fünf-Städte-Heims gegeben hat. Danach aber habe festgestanden: „Die Familie Ebert hat kein Interesse, das Fünf-Städte-Heim zu kaufen.“

Das sagt der Fraktionsvorsitzende der CDU-Fraktion der Gemeinde Sylt, Wolfgang Jensen: Ein Bürger der Gemeinde Hörnum sei an die CDU-Fraktion herangetreten, diese habe sich daraufhin dazu entschieden, den Antrag für die Gemeindevertretersitzung zu formulieren. Auf Nachfrage der Sylter Rundschau bestätigt Jensen, dass es sich bei dem „Hörnumer Bürger“ um Bernd Diehle handelt, der als Projektentwickler für die Familie Ebert tätig ist. Jensen betont, dass Familie Ebert nach seinem Kenntnisstand aber nichts mit dem CDU–Antrag zu tun habe. „Der Antrag ist nur so zu verstehen, dass Bürgermeister Häckel Gespräche mit dem Hörnumer Bürgermeister und den Trägern des Fünf-Städte-Heims aufnehmen soll.“ Durch die Unterbringung im Fünf-Städte-Heim könnte die Insel aus Sicht der CDU eventuell Geld sparen.

Das sagt Nikolas Häckel, Bürgermeister der Gemeinde Sylt: Aus Sicht des Bürgermeisters macht die Diskussion, Flüchtlinge im Fünf-Städte-Heim unterzubringen, aus mehreren Gründen wenig Sinn: „Da das Fünf-Städte-Heim nach meinem Kenntnisstand bei einer Nutzungsänderung zurückgebaut werden müsste, würden die Gemeinden für viel Geld ein Gebäude kaufen, dass man dann abreißen müsste.“ Er habe gehört, der Kaufpreis für das Gelände des Fünf-Städte-Heims belaufe sich auf rund 2,5 Millionen Euro. Dagegen würde sich die gute Million, die bei einer Unterbringung im JAW-Heim investiert werden müssten, innerhalb von fünf Jahren durch Geld, das die Insel für die Flüchtlingsunterbringung erhält, refinanzieren. Zudem habe der Hörnumer Bürgermeister deutlich gemacht, dass in seiner Gemeinde maximal 80 Flüchtlinge untergebracht werden sollen. Demnach sei ein Gebäude von der Größe des Fünf-Städte-Heims für die Flüchtlingsunterbringung gar nicht nötig. Zudem stehe das JAW–Heim, anders als das Fünf-Städte-Heim, demnächst zur Verfügung.

Er halte Diskussionen wie diese für „vollkommen kontraproduktiv“, so Häckel weiter. Es sei dagegen sinnvoll, das beschlossene Konzept, das unter anderem die Unterbringung im JAW–Heim beinhaltet, weiter zu entwickeln.

Das schreibt der Projektentwickler Bernd Diehle in einem Statement: „Wenn es kurzfristig auf der Insel nicht ausreichend Unterbringungsmöglichkeiten gibt und man auf die Nutzung von verfügbaren Gebäuden zurückgreifen muss, ist es mir zu einfach gedacht, in ein zufällig verfügbares, aber baufälliges Gebäude eine Million Steuergelder zu investieren. Damit wird gleichzeitig die Entwicklung von Dauerwohnraum in Hörnum auf Jahre hin blockiert.

Aus diesem Grund habe ich das Augenmerk der Sylter Politik auf das Fünf-Städte-Heim gelenkt und CDU und SWG der Gemeinde Sylt angesprochen. Mit dem Kauf des Heimes oder dem Abschluss einer Nutzungsvereinbarung mit dem Fünf-Städte-Verein könnte die Gemeinde Hörnum gleichzeitig über 20  000 Quadratmeter bebaubare Flächen verfügen, die für die Errichtung von Dauerwohnraum genutzt werden kann. Der große Vorteil wäre, dass man Steuergelder für eine dringend erforderliche Wohnraumentwicklung im Inselsüden nutzt und nicht in den Hörnumer Sand setzt.“

Das schreibt der Landrat des Kreises Pinneberg, Oliver Stolz: Stolz spielt in einer Stellungnahme auf das Bemühen des Kreises Pinneberg an, selbst Flüchtlinge im Fünf-Städte-Heim unterzubringen. Das hatte Protest des Kreises Nordfriesland Ende vergangenen Jahres verhindert. „Ich nehme interessiert zur Kenntnis, dass man nun auch auf Sylt die Notwendigkeit des Handelns zur Schaffung einer Gemeinschaftsunterkunft erkannt hat. Der Kreis Pinneberg hätte dafür ja auch ein gutes Konzept dafür in der Schublade“, so der Landrat heute.

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