Primarhaus Morsum : Heute heißt es Abschied für immer

Heute wird hier noch gespielt, dann schließt das Morsumer Primarhaus für immer.
Heute wird hier noch gespielt, dann schließt das Morsumer Primarhaus für immer.

Am Morsumer Primarhaus ist heute wirklich letzter Schultag: Was aus dem Gebäude der Grundschule wird, steht noch in den Sternen.

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11. Juli 2014, 05:11 Uhr

Wenn sich heute mittag um 13 Uhr die Türen der Grundschule öffnen und 28 Kinder fröhlich in die Ferien stürmen, dann wird es ein Abschied für immer sein. Die zehn Viertklässler wechseln auf weiterführende Schulen, die übrigen 18 Mädchen und Jungen auf die Westerländer Grundschule am Nordkamp. „Kurze Beine, kurze Wege“ – dieses einstige Credo des deutschen Schulwesens hat im östlichsten Inselort nun keine Gültigkeit mehr.

Gekämpft. Gehofft. Gescheitert. Monatelang hatten das Lehrerkollegium, die Elternschaft, Morsumer Institutionen und die Gemeinde um den Erhalt der Grundschule gerungen. Am Ende waren alle Mühen vergebens: Im Februar dieses Jahres verkündete Nordfrieslands Schulrätin Maike Jennert das Aus für die kleine Schule.

Ihre Begründung: Die prognostizierten Schülerzahlen seien nicht mehr ausreichend für eine entsprechende Personalzuweisung und die damit verbundene Qualität des Unterrichts. Vergebens war somit auch der Verweis auf den Modellcharakter dieser Grundschule. Ein Aspekt, der Lehrerin Heike Peters noch heute umtreibt: „Ich glaube, die Schulrätin hat diese Intention bis heute nicht begriffen.“

Dabei war das besondere pädagogische Konzept der Einrichtung, das unter anderem auf klassenübergreifenden Lerngemeinschaften, Selbstverantwortung und praxisnahen Projektarbeiten fußte, in der Vergangenheit immer wieder gewürdigt worden. Die renommierte Robert-Bosch-Stiftung kürte Morsum gleich drei Mal zu einer der 50 besten Schulen Deutschlands. Die Bertelsmann-Stiftung wählte die Einrichtung als eine von nur 20 Schulen bundesweit für die wissenschaftliche Untersuchung „Förderung von Lernkompetenz in der Schule“ aus. Und aus dem landesweiten Wettbewerb „Innovatives Schulmanagement“ ging die Morsumer Grundschule als einziger Preisträger hervor, um nur einige Beispiele zu nennen.

Noch im Sommer 2011 herrschte allgemeine Zuversicht, als das „Morsumer Primarhaus“ eröffnet wurde, das Kinderkrippe, Kindergarten, Grundschule und Nachmittagsbetreuung vereinte. „Ein gutes Beispiel dafür, wie eine Schule vor der Schließung bewahrt werden kann“, hatte Bürgermeisterin Petra Reiber damals noch geglaubt. Doch auch ihre Interventionen, die des Bürgervorstehers Peter Schnittgard und des Morsumer Ortsbeirates fruchteten nicht.

Gestern wurde in der Grundschule zum letzten Mal das traditionelle Sommerfest gefeiert, stellten die Kinder unter anderem ihre Jahresarbeit „Kleine Forscher ganz groß“ in Buchform vor. Doch auch der strahlende Sonnenschein konnte den Wehmut nicht überlagern. „Ich verspüre eine gewisse Wut in mir. Ist das der Weg einer guten Entwicklung im Schulwesen? Da klaffen zwischen Anspruch und Realität doch Welten“, befindet Heike Peters, die seit 1991 in Morsum lehrt.

Ihre Kollegin Sarah Lüders sekundiert: „Das pädagogische Konzept hier ist einzigartig und hat auch mir als Lehrkraft viel gegeben.“

Draußen auf dem Schulhof spielen die Kinder auf dem Pausenhof. „Ich finde das richtig doof, dass die unsere Schule zu machen“, sagt Nadine (10). Und die achtjährige Jule bedauert, „dass ich jetzt nicht mehr mit dem Fahrrad zur Schule fahren kann“.

Drinnen in den Gängen stehen gepackte Kartons, einige Regale in den Klassenräumen sind schon ausgeräumt. Die Kinder werden künftig mit dem Bus von Morsum zur Nordkamp-Schule chauffiert, die auch für Heike Peters und Silke Schütt-Klockenhoff der neue Arbeitsplatz sein wird, während Sarah Lüders nach Enge-Sande wechselt.

Wohnungen für Sylter? Eine Feuerwache? Oder eine Jugendherberge? Was aus dem Gebäudeteil der Grundschule wird, steht noch in den Sternen. Heike Peters, die viel Herzblut investierte, ist dies im Moment auch ziemlich egal. „Wir werden uns heute Mittag hier ohne großes Tamtam verabschieden“, sagt sie bestimmt. Und doch graut ihr schon vor dem Moment, wenn sich um 13 Uhr die Türen der Grundschule schließen.

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