Podiumsdiskussion der Sylter Unternehmer : Heiße Gleise – unsichere Perspektiven

Der neugewählte Gesamtvorstand des Vereins Sylter Unternehmer mit seinem Vorsitzenden Karl Max Hellner (6.v.r.) nach der Jahreshauptversammlung im Kursaal³.
Foto:
Der neugewählte Gesamtvorstand des Vereins Sylter Unternehmer mit seinem Vorsitzenden Karl Max Hellner (6.v.r.) nach der Jahreshauptversammlung im Kursaal³.

Erfolgreiches Vereinsjahr und Jubiläumsfreude: Das waren gute Nachrichten, aber die Sylter Unternehmer diskutierten auch über das „Desaster“ Bahnverkehr

von
02. Juli 2015, 05:56 Uhr

Der Verein Sylter Unternehmer (SU) blickt auf ein erfolgreiches Geschäftsjahr 2014/15 zurück und ist gut aufgestellt für die Zukunft. So lautete übereinstimmend die Einschätzung aller Berichterstatter sowie der Mitglieder auf der Jahreshauptversammlung am Dienstagabend im Kursaal³ im Haus am Kliff. Das Jahresergebnis fiel positiv aus, es konnte sogar ein Überschuss in der Rücklage erwirtschaftet werden, sagte Geschäftsstellenleiter Ronald Glauth. Der Vorstand wurde einstimmig entlastet und der Gesamtvorstand in unveränderter Besetzung mit Karl Max Hellner an der Spitze für den Zeitraum 2015 bis 2017 wiedergewählt. Das geschehe zu einem historischen Moment, sagte der Ehrenvorsitzende Peter Matthiessen, denn nächstes Jahr feiere der SU sein 50-jähriges Bestehen, unter anderem mit einem großen Empfang und einem Jubiläumsball. „Unser Verein hat die Insel entscheidend mitgeprägt und ist von Sylt nicht mehr wegzudenken.“


„Das Gleis ist heiß“ – Podiumsdiskussion zum Bahnverkehr
 

Große Sorge bereitet den Sylter Unternehmern das Thema „Verkehrsanbindung der Insel“. Viele ungeklärte Fragen, nicht nur zu den künftigen Betreibern des Autozugs, und immer neue, oft widersprüchliche Meldungen führten zu großer Verunsicherung von Insulanern, Berufspendlern und Urlaubsgästen. SU-Chef Karl Max Hellner äußerte sich empört: „Es ist unglaublich, was mit uns Syltern gemacht wird“ – und leitete damit über zu einer Podiumsdiskussion unter dem Motto „Das Gleis ist heiß – Wie geht’s weiter mit der Bahn?“, die er gemeinsam mit Claas-Erik Johannsen vom Dehoga Sylt moderierte. Zu Beginn unterstrich Sylt Marketing-Chef Moritz Luft in einem Vortrag die hohe Bedeutung komfortabler und zuverlässiger Verkehrsanbindungen, ob mit dem Flugzeug, dem Auto oder der Bahn. „Der Reiseanlass wird immer wichtiger als das Reiseziel“, sagte Luft mit Verweis auf die stetig steigende Zahl von Kurzurlaubern. „Ziele, die eine schnelle An- und Abreisezeit haben, werden bevorzugt gewählt.“

Sylt müsse sich insbesondere dem Wettbewerb mit Tourismus-Unternehmen von der Ostsee stellen, die über das Argument schneller Erreichbarkeit versuchen, gegenüber der Westküste zu punkten. Vor allem Sylt mit seinem Anteil von 50 Prozent der Gesamtwertschöpfung der Westküste und immerhin einem Sechstel in ganz Schleswig-Holstein stehe zunehmend im Fokus eines aggressiven Marketings der Konkurrenz im Reise- und Übernachtungsgewerbe.

Wie schwierig, ja unvereinbar, nur die Planungen und Perspektiven um die Vergabe des Autozugs sowie des Erhalts oder Ausbaus stabiler Nah- und Fernverkehrsverbindungen ist, zeigte sich in der anschließenden Diskussionsrunde. Peter Douven, Geschäftsführer des Insel Sylt Tourismus Service, forderte endlich die komplette Zweigleisigkeit an der Westküste, sonst drohe eine „infrastrukturelle Verkarstung, die in die Vergangenheit führt.“ Manuela Herbort, DB-Konzernbevollmächtigte für Hamburg und Schleswig-Holstein, hielt dagegen: Dafür sei der Bund zuständig, es gebe deutschlandweit eine Prioritätenliste, die abgearbeitet werde. Sie verwahre sich aber gegen Vorwürfe, die Bahn tue nichts für die Strecke: „Allein in den letzten zehn Jahren haben wir 100 Millionen Euro investiert.“

Mit Blick auf das laufende Ausschreibungsverfahren der Marschbahn sprach Martina Sandow von einer „sehr anspruchsvollen Strecke, die jedoch viel Spaß macht.“ Ihr Unternehmen hoffe nach wie vor auf einen Zuschlag für die Verlängerung des Betriebs, so die NOB-Geschäftsführerin. Burkhard Schulze, Leiter Verkehrswirtschaft der für die Koordination zuständigen nah.sh, wollte sich nicht dazu äußern, wer künftig den Personennahverkehr auf der Marschbahn betreibt. Aber unabhängig, ob NOB oder Deutsche Bahn: Es werde auf jeden Fall Sprinterzüge am Wochenende, passgenaue Bettenwechslerzüge in der Saison sowie bereits ab Dezember umweltfreundliche und vor allem leisere Loks geben.

Zum Themenkomplex Autozug gab es wenig Neues: Alfred Onken, der Leiter des DB-Syltshuttle, und Hinrich Krey von Mitbewerber RDC beklagten zwar unisono Probleme bei Reservierung und Aufstellflächen, fanden sonst aber kaum zueinander. Während Onken erst die endgültige Entscheidung der DB Netz abwarten will, plädierte Krey für Absprachen unter den Konkurrenten: „Sonst endet alles in einem Desaster.“

Allein Peter Schnittgard brach die Lanze für Sylt und verlangte erneut einen „Masterplan Schiene“. Gemeinsam mit allen Bürgermeistern und Kurdirektoren der Insel, ISTS, SMG, Dehoga und Sylter Unternehmern unterzeichnete der Bürgervorsteher eine Resolution an Land, Bund und Deutsche Bahn mit Forderungen zur Schaffung moderner, zuverlässiger und schneller Bahnverbindungen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen