Heinz Maurus: Mit Gelassenheit auf dem Weg nach Europa

Kiel - Berlin - Brüssel: Heinz Maurus soll Schleswig-Holstein nach außen besser verkaufen. Foto: Christiansen
Kiel - Berlin - Brüssel: Heinz Maurus soll Schleswig-Holstein nach außen besser verkaufen. Foto: Christiansen

Nach vier Jahren als Chef der Kieler Staatskanzlei warten auf den Sylter Politiker Heinz Maurus (57) künftig viele Dienstreisen. Er wird neuer Beauftragter des Landes in Berlin und Brüssel.

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31. Oktober 2009, 04:59 Uhr

Kiel/Tinnum | Sichtlich entspannt sitzt Heinz Maurus an einem Fensterplatz im sonst menschenleeren Restaurant des Kieler Yacht-Clubs und genießt trotz des tristen Herbstwetters den Blick auf Yachthafen und Förde. Wenige hundert Meter weiter richtet sich Arne Wulff gerade in Maurus bisherigem Büro als neuer Chef der Staatskanzlei ein, nehmen die neue Minister und Staatssekretäre der Landesregierung ihre Arbeit auf. Maurus hat noch kein neues Büro und noch 90 Minuten Zeit, bis ihn sein Fahrer nach Berlin bringt.

Obwohl er seinen bisherigen Stuhl nach vier Jahren geräumt hat, wird der 57-jährige Sylter CDU-Politiker auch in der neuen schwarz-gelben Regierung wieder eine Führungsrolle spielen. Offenbar eine, in der ihn die Termine nicht mehr im Halbstundentakt durch den Tag jagen, wie der entspannte Gesprächstermin im Yachtclub vermuten lässt. Statt als rechte Hand des "Häuptlings", wie er Ministerpräsident Peter Harry Carstensen bisweilen nennt, die Arbeit der Regierung zu koordinieren, ist Maurus jetzt Staatssekretär für Bundes- und Europaangelegenheiten - eine Aufgabe, die bisher zwischen Staatskanzlei (Bund) und Justizministerium (Europa) aufgeteilt war.

"Mein Job wird es sein, Schleswig-Holstein in Berlin und Brüssel besser zu verkaufen, schließlich wollen wir das wirtschaftsfreundlichste Bundesland werden", formuliert Maurus das Ziel der neuen Koalition. Dafür wird er künftig zwischen Kiel, Berlin, Brüssel und seinem Wohnsitz Sylt pendeln müssen, um das Land im "Wettbewerb der Regionen" zu vertreten. Neben der 30-köpfigen Europaabteilung, die mit Maurus zusammen künftig im 5. Stock des Landeshauses residieren wird, stehen ihm dabei die Landesvertretung in der Hauptstadt sowie das gemeinsam mit Hamburg betriebene Hanse-Office in Brüssel zur Seite. Beides so etwas wie Kontaktbörsen für Leute, die ein Interesse an Schleswig-Holstein haben - ob wirtschaftlich, politisch oder kulturell.

Eine Tätigkeit, auf die sich der ehemalige Marine-Soldat zu freuen scheint - obwohl oder gerade weil er sich nicht mehr täglich im Zentrum der Regierungsarbeit befindet. Erst im April wäre er fast den eigenen Parteifreunden zum Opfer gefallen, die ihm das ihrer Ansicht nach mangelnde politische Profil des Ministerpräsidenten ankreideten. "Trotzdem habe ich es gerne gemacht, auch wenn es wirklich keine einfache Koalition mit teilweise schwierigen Charakteren war." Am meisten vermissen wird der leidenschaftliche Segler jedoch den Blick aus seinem Büro auf die Kieler Förde, wo er zweimal täglich die riesigen Colourline-Fähren an sich vorbeiziehen sah.

Statt "den Laden zusammenzuhalten", soll er nun also dafür sorgen, das Profil des Landes als attraktiver Wirtschaftsstandort europaweit zu schärfen und Schleswig-Holstein mehr Gewicht in der Bundespolitik zu verleihen. Bereits nächste Woche wird er dazu in Brüssel seinen Antrittsbesuch machen - und hoffen, dass ihn dort auch außerhalb des Hanse-Office alle gut verstehen. "Eines meiner ersten Ziele ist es, mein Englisch zu verbessern. Für Konversation reicht es zwar, aber als verhandlungssicher würde ich es nicht gerade bezeichnen."

Zeit zum Lernen wird er nicht nur in Auto und Flugzeug finden: Hatte er das Handy in den letzten Jahren Tag und Nacht in Reichweite, so freut er sich nun auf etwas entspanntere Freizeit. "Wenn in Brüssel politisch was passiert, kann ich mir das in Ruhe angucken und muss nicht sofort handeln." Und seine Wochenenden auf Sylt werden wohl auch länger werden, weil er nicht mehr am Sonntagnachmittag die Kabinettssitzungen vorbereiten, sondern erst am Montag am Kabinettstisch Platz nehmen muss und von Berlin oder Brüssel dank des Sylter Flughafens noch schneller daheim ist als von Kiel aus.

JÖRG CHRISTIANSEN

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