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Sylter Rundschau

15. Dezember 2017 | 15:36 Uhr

Sylter Inselkopf : Heimweh nach Afrika

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Andreas Fuhs´ Arbeitsplatz ist der Sylter Tower. Der Weg dorthin war allerdings lang, sehr lang.

Wenn Andreas Fuhs seine Mutter Veronika besuchen möchte, dauert die Anreise 32 Stunden. Sie lebt in Windhoek. Mit ihr unterhält er sich übrigens in deutscher Sprache, mit seinem Schwager und seinen Nichten spricht er Afrikaans, mit Ehefrau Jennie Englisch. "Und mit meinen Geschwistern spreche ich alle drei Sprachen durcheinander", erklärt er lachend.

Andreas Fuhs ist Fluglotse und Leiter der Abteilung Flugsicherung und Safetymanagement am Sylter Flughafen. Seine Ausbildung machte er allerdings ganz woanders.

Doch von vorn: Bis zu seinem sechsten Lebensjahr lebte er mit seinen Eltern in Werl (NRW): „Als wir im Jahre 1972 auswanderten, war meine Schwester Stefanie erst zwei Jahre alt und sieben Jahre später folgte als ‚Überraschungspaket‘ unser Familienafrikaner, mein Bruder Martin“, erklärt Fuhs schmunzelnd. In Namibia besuchte er eine deutschsprachige Grundschule und später das St. Paul´s College Windhoek. 1987 begann er seine dreijährige Ausbildung zum Fluglotsen am Windhoek International Airport (Seit 1998 Hosea Kutako International Airport), vier Jahre später wurde er zum Walvis Bay Airport versetzt, dem nach Passagierzahlen zweitgrößten Flughafen Namibias. Nun arbeitete er in einem Tower mit direktem Blick auf die Wüste: „Die Landebahn war zwar asphaltiert, aber immer gut mit Sand gepudert.“

Der Deutsch-Afrikaner wäre gern für immer in Afrika geblieben, doch leider folgten politisch ungünstige Zeiten: „Deutsch, weiß, männlich- eine unglückliche Kombination als Staatsangestellter“, erklärt er traurig. „Verschiedene Umstände trafen zusammen, und so kehrte ich 2001 schweren Herzens gemeinsam mit meiner Frau Afrika den Rücken.“

Der Neustart in Deutschland erwies sich schwieriger als gedacht: „Meine Ausbildung wurde in Deutschland zunächst nicht anerkannt und Lehrgänge kosten Geld. Diverse Flughäfen lehnten meine Bewerbung ab, einige schickten nicht mal eine Antwort.“
Der Flughafen Sylt zeigte Interesse, dennoch blieb der Weg steinig. Trotz seiner qualifizierten Ausbildung und 14-jähriger Berufserfahrung musste Fuhs in Frankfurt einen 17-wöchigen Flugsicherheitslehrgang zum Regional-Lotsen machen: „Es kam mir so unwirklich vor! Mental habe ich es als Auffrischungslehrgang mit örtlichen Besonderheiten gesehen, sonst hätte ich das gar nicht ausgehalten.“

Im September 2001 zog das Paar nach Klanxbüll, Fuhs musste an weiteren Fortbildungen teilnehmen, um sich die Berechtigung für den neuen Arbeitsplatz zu erwerben. „Das alles ging an die Ersparnisse und vor allem an die Nerven.“ Erst im Oktober 2002 bekam er die Berechtigung, eigenverantwortlich im Sylter Tower zu arbeiten und seit Januar 2013 ist er dort der leitende Fluglotse.

Zu seiner Familie hält er dank Telefon und Internet einen engen Kontakt. „Meine Mutter kommt mit der Technik ganz gut klar“, berichtet er stolz. Zu ihrem 70sten Geburtstag hat er sie das letzte Mal besucht und konnte endlich auch seine Nichten kennen lernen. „Das ging schon ans Herz“, gibt Fuhs zu und schmunzelt: „Als ich wieder zurück in Deutschland war, hab´ ich erstmal eine Runde Heimweh geschoben.“ Aber das legte sich schnell wieder: „Die Arbeit ruft (und macht auch Spaß) und nach fast 15 Jahren haben die Wurzeln tief geschlagen. Trotz des großen Kontrasts fühle ich mich hier mittlerweile ganz zuhause.“





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