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Sylter Rundschau

24. Oktober 2017 | 08:06 Uhr

Heimliche Sehenswürdigkeiten

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

von
erstellt am 12.Okt.2013 | 00:31 Uhr

Quizfrage: woran merkt man, dass (Herbst-)ferien sind? a) akuter Sitzplatzmangel in Cafés und Restaurants, b) Wartezeiten bis zu 10 Minuten vor den Leergutautomaten der Supermärkte oder c) Charly von Gosch–Kneipe kämpft sich allabendlich durch gefühlt 500 Gäste von der einen Ecke des Ladens zur anderen. Die Antwort lautet: a, b und c! So soll’s aber auch sein. Auch wenn es jetzt erstmal vorbei ist mit Sonne und kurze-Hosen-Temperaturen - ich finde, es war eine tolle Saison. Mal ehrlich, das haben wir uns aber auch alle mehr als verdient, Insulaner und Gäste.

Ich habe die Herbstferien schon immer geliebt. Vor allem als Kind. Bei uns ging’s immer nach Altenau in den Harz. Die Mutter der Freundin des Schwagers eines Nachbarn (oder so) hatte dort eine kleine Wohnung, 30 Quadratmeter, selbstverständlich zum nachbarschaftlichen Vorzugspreis. Dort haben wir mit vier Personen gehaust. In Altenau war´s für uns Kinder eigentlich mega langweilig. Wenigstens gab’s dort eine tolle Eislaufhalle. Nach einer Woche hatten meine Eltern allerdings Frostbeulen. Selbst Schuld, denn die Halle war halt die einzige „Sehenswürdigkeit“ im Ort. Wobei eigentlich ist das ja keine typische Sehenswürdigkeit, sondern eher eine „heimliche Sehenswürdigkeit“, eine, die wir dazu gemacht haben. Und damit wären wir wieder zurück auf Sylt, denn so etwas gibt es hier auch. Glauben Sie nicht? Ich werde Ihnen jetzt welche nennen.

Die heimliche Sehenswürdigkeit Nr. 1 befindet sich in Westerland und ist fast täglich mindestens einmal sichtbar, meistens gut zu erkennen an der Menschentraube, die (in sicherer Entfernung) drum herum steht. Es beginnt mit einem Geräusch. Ratter, ratter, ratter. Und siehe da: der Boden schräg vor „Depot“ in der Friedrichstraße öffnet sich und es fährt etwas nach oben. Ich gebe zu, auch ich habe beim ersten Mal gedacht, dass David Copperfield auf der Insel seine neuesten Tricks einübt. Aber nein, es handelt sich nur um einen Lastenaufzug, der wie von Geisterhand aus dem Asphalt in die Höhe fährt. Selbst Leute die das Schauspiel bereits kennen, bleiben immer noch stehen und gucken. Am besten kann man dieses Ereignis übrigens genießen, wenn man gegenüber im Diavolo sitzt - bei einem leckeren Heißgetränk.

An der heimlichen Sehenswürdigkeit Nr. 2 steppt in den Ferien quasi rund um die Uhr der Bär. Fahrräder sowie Autos parken dort schon morgens kreuz und quer. Davor stehen die Fahrer. Meist mit verschränkten Armen oder gar einem Fernglas in der Hand, immer in eine Richtung blickend, und zwar aufs Rollfeld des Flugplatzes, dorthin wo die Privatmaschinen stehen. Fahren Sie auch mal die Straße „Zum Fliegerhorst“ entlang. Dort, wo rechts die zwei Sitzbänke stehen, sind Sie richtig. Um allerdings sitzen oder eventuell sogar picknicken zu können (machen einige wirklich!), brauchen Sie richtig Glück. Das sind nämlich quasi die VIP – Plätze, die immer als erstes belegt sind. Privatflugzeuge haben offenbar eine magische Anziehungskraft. Aber nicht nur die Maschinen selbst. Steigt vielleicht ein Promi aus einer gerade angekommenen Maschine aus? Wie sehen die Menschen aus, die sich so einen Flug (oder im Zweifel sogar das ganze Flugzeug) leisten können? Fragen über Fragen. Auch ich ertappe mich beim vorbeifahren immer wieder dabei, nach links zu starren. Verrückt. Aber eine typische „heimliche Sehenswürdigkeit“.

Ähnlich verhält es sich übrigens mit den Nobelkarossen, die in der Whiskeymeile in Kampen stehen. Achten Sie dort mal auf die Pärchen: Während ER sich noch die Nase an der Windschutzscheibe irgendeines Bentley platt drückt und ruft „Schatz, schau mal, das ist ein Continental GT mit V8 Motor....Schaaatz..“, ist SIE schon vorgegangen und inspiziert die Schaufenster von Louis Vuitton.

Wenn Sie gerade auf Sylt Urlaub machen, achten Sie doch mal drauf: Vielleicht finden Sie ja auch noch die ein oder andere „heimliche Sehenswürdigkeit“.

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