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Senioreneinrichtungen : Heimbewohner dringend gesucht

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Ab sofort stehen in zwei ambulanten Wohngemeinschaften der Johanniter 22 Plätze zur Verfügung / Auch Tagespflege soll noch im Sommer öffnen

Mit einer groß angelegten Informationskampagne wollen die Johanniter für ihre neuen ambulanten Wohngruppen und auch für die Tagespflege am Standort Steinmannstraße werben. Ab sofort stehen in zwei Wohngemeinschaften jeweils elf Plätze zur Verfügung. Hier sollen pflegebedürftige Menschen künftig in einem gemeinsamen Hausstand zusammen leben. Jeder Mieter erhält ein Zimmer mit einer Größe von zirka 20 Quadratmetern sowie ein eigenes, barrierefreies Bad. Die Zimmer werden unmöbliert angeboten, künftige Mieter können sich ihr neues Zuhause also individuell einrichten. Eröffnet werden soll die Sylter „Alten-WG“ ab einer Mindestanzahl von fünf bis sechs Bewohnern.

Erklärtes Ziel sei es, dass im August oder September die ersten Mieter dort einziehen. Das sagte der Johanniter-Geschäftsführer Herbert Voedisch am Freitag Vormittag anlässlich eines Pressetermins in dem Westerländer Objekt. Anwesend waren auch Johanna Philipp von der Pflegedienstleitung und Ortwin Merckens, der Einrichtungsleiter des Johanniter-Hauses im Wenningstedter Weg, sowie Marcus Kopplin, der Betriebsleiter des Kommunalen Liegenschafts-Managements (KLM) der Gemeinde Sylt.

Die Tagesabläufe in der Wohngemeinschaft können individuell gestaltet werden. Dabei wird die Gemeinschaft von einer Präsenz- und Hauswirtschaftskraft zum Beispiel bei der der Haushaltsführung unterstützt. Eine offene, großzügig angelegte Wohnküche und ein benachbarter Aufenthaltsbereich je Wohngruppe sowie die Terrasse und der Garten des Gebäudekomplexes können für gemeinschaftliche Aktivitäten genutzt werden. Die Selbstbestimmtheit der Mieter sei das prägende Element der Wohngruppen als private Häuslichkeit, so Voedisch. Die Gemeinschaft könne entscheiden, was sie selbst oder durch Angehörige erledigen will, beispielsweise das Einkaufen oder das Kochen miteinander. In einem Pflegevertrag werden die individuell benötigten Leistungen vereinbart, die auf Wunsch durch den neuen Johanniter-Pflegedienst oder auch durch bestehende Dienste wie Pflegedienst Fitz oder das DRK erbracht werden. Dies umfasst die Unterstützung bei der Körperpflege, aber auch Leistungen der Behandlungspflege wie Verbandswechsel oder Medikamentengaben.

 

Bereits zum 1. April hat der Johanniter-Pflegedienst Westerland seine Arbeit aufgenommen, der mit zunächst drei Mitarbeitern vorrangig die pflegerische Versorgung der WG-Mieter in der Steinmannstraße, aber künftig auch ambulante Betreuungen zuhause übernehmen soll. Die schwierige Suche nach Pflegefachkräften sei einer der Gründe für die zeitliche Verzögerung des Starts des Wohngruppen-Projekts gewesen, die seitens der Politik mehrfach heftig kritisiert wurde. Herbert Voedisch betonte erneut, die Johanniter würden 15 Prozent über Tariflohn zahlen, um überhaupt qualifizierte Mitarbeiter auf die Insel zu bekommen.

Erstmals veröffentlichten die Johanniter detaillierte Angaben zu den Kosten für die ambulanten Wohngemeinschaften: Unabhängig vom Pflegegrad sind monatlich 565 Euro als Miete je Zimmer zu zahlen, für die Alltagsgestaltung – also Betreuung und Hauswirtschaft – 1117 Euro und für den Gemeinschaftsvertrag (zum Beispiel das Haushaltsgeld) 250 Euro, macht insgesamt 1932 Euro. Die Leistungen der Behandlungspflege werden nach ärztlicher Verordnung vollständig mit der Krankenkasse abgerechnet. Je nach Einzelfall seien jedoch Erstattungen bis zu 339 Euro möglich, sodass dann die verbleibende Eigenleistung je Bewohner 1593 Euro betrage, sagte Voedisch. Mit Verweis auf die jüngst im Sozialausschuss geäußerte Kritik, es fänden sich keine Interessenten für die Sylter Einrichtung, weil Angebote auf dem Festland deutlich günstiger seien, kündigte der Johanniter-Geschäftsführer an, in Kürze einen Vergleich der Kosten zu veröffentlichen, um diese Vorwürfe zu entkräften. Auch KLM-Chef Kopplin betonte, es herrsche offensichtlich noch große Unwissenheit über das Projekt: „Wir haben viel investiert, baulich viel gemacht. Das Modell muss sich auf Sylt erstmal etablieren. Diese Chance sollte man den Johannitern geben.“

Außer den ambulant betreuten Wohngemeinschaften soll in der Steinmannstraße eventuell bereits im Juli, spätestens aber im August auch eine Tagespflege mit 15 Plätzen eröffnet werden. Dieses Angebot richtet sich an pflege- und betreuungsbedürftige Menschen, die weiterhin in ihren eigenen vier Wänden leben, aber den Tag nicht alleine verbringen möchten. Die Tagespflege soll montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr geöffnet sein. Die genauen Kosten für Sylt stünden bisher allerdings noch nicht fest, weil der Versorgungsvertrag mit den Pflegekassen noch nicht unter Dach und Fach sei, so Voedisch. Vergleichbare Einrichtungen auf dem Festland kosten laut Angaben der Johanniter 65 bis 92 Euro am Tag, abhängig vom Pflegegrad. Davon wiederum übernehmen die Pflegekassen in den Graden 2 bis 5 zwischen 689 Euro und 1995 Euro der monatlichen Gesamtkosten.

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erstellt am 24.Jun.2017 | 05:42 Uhr

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