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Schenkung auf Sylt : Heimatmuseum bekommt Modellschiff "Pamir"

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Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die Fielmann Stiftung schenkte dem Keitumer Heimatmuseum ein wertvolles Modellschiff: Den Frachtsegler „Pamir.

„Das Museum kann wirklich sehr stolz sein, dieses Modell in seinen Räumen ausstellen zu können“, sagt Jörg Strempel Senior stolz. Und der Mann weiß, wovon er spricht. Strempel war Stahlschiffbauer, ist begeisterter Modellbauer und langjährige Berater der Sölring Museen in Sachen Seefahrtsgeschichte. Er wusste von dem Modell des legendären Frachtseglers „Pamir“, das im Hause des Erbauers stand, und erkannte dank seiner Fachkenntnis dessen besondere Qualität.

Nach Vermittlung des Experten schenkte die Günther Fielmann Stiftung am vergangenen Donnerstag das Modellschiff dem Sylter Heimatmuseum. Auch Jürgen Ingwersen bedankte sich im Namen der Söl’ring Foriining bei den Überbringern: Das Schiff wurde von der Leiterin der Fielmann-Niederlassung in Westerland, Claudia Borgmann, gemeinsam mit dem verantwortlichen Kunsthistoriker der Stiftung, Jürgen Ostwald, den Sölring Museen überreicht.

Das Modell ist ein aufwändig und mit größter Sorgfalt gebautes Modell im Maßstab 1:150 des verstorbenen Modellbauers Alfred Bernhard aus Flensburg. Er vermachte seiner Witwe das Modellschiff, die sich vor einiger Zeit an Jörg Strempel richtete, mit dem Wunsch, den Segler zu verkaufen. Es war ihr dabei allerdings wichtig, dass das Modell in gute Hände gelangt. „Ich dachte natürlich sofort an unser Heimatmuseum“, so Strempel. Er erzählte Dörte Ahrens, der Museumsleiterin in Keitum, davon und die wiederum hob den Telefonhörer und wählte die Nummer der Fielmann Stiftung.


Ein Schiff mit einer tragischen Geschichte


 

Die Pamir war eine 1905 für die Hamburger Reederei F. Laeisz auf der berühmten Werft Blohm & Voss in Hamburg gebaute Viermastbark. Sie gehörte zu den berühmten Flying-P-Linern der Reederei und wurde in der Salpeterfahrt eingesetzt. Nach einer wechselvollen Geschichte wurde sie von dem jungen Lübecker Reeder Heinz Schliewen vor dem Verschrotten bewahrt und 1951 bei den Kieler Howaldts-Werken zum Schulschiff umgebaut. In den 1950er Jahren wurde sie als frachtfahrendes Segelschulschiff für die deutsche Handelsschifffahrt eingesetzt.

Zur Tragödie der Pamir kam es am 21. September 1957. Das Schiff war gerade mit einer Ladung Gerste auf dem Weg von Buenos Aires nach Hamburg, als es etwa 1  000 Kilometer südwestlich der Azoren in einen Hurrikan geriet, kenterte und sank. 80 der 86 Besatzungsmitglieder, darunter viele jugendliche Kadetten, kamen dabei ums Leben.

Der Untergang und die nachfolgende Rettungsaktion fanden große Beachtung in den internationalen Medien. Jörg Strempel war gerade 17 Jahre alt als das Unglück passierte: „Das war eine nationale Tragödie“, erinnert er sich, „ich habe mir jeden Tag aufgeregt die Zeitung gekauft, um zu erfahren, was mit dem Schiff passiert ist. Heute ist die Geschichte des Schiffes allerdings weitestgehend in Vergessenheit geraten“.

Die Unglücksursache der Pamir ist bis heute umstritten. Man vermutet jedoch, dass die an Bord gelagerte Gerste verrutscht sei. „Gerste verhält sich im Bauch eines Schiffes, wenn sie nicht in Säcken gelagert wird, wie Wasser“, erklärt Strempel, „diese falsche Lagerung und als Folge das Verrutschen im Sturm, davon geht das Seeamt Lübeck jedenfalls aus, soll die Hauptursache an des Untergangs der Pamir sein. “


Auch Sylter sind auf der Pamir mitgefahren


 

Dass das Modellschiff, das über alle Weltmeere fuhr, nun gerade im Sylter Heimatmuseum steht, hat einen besonderen Grund: „Wir können davon ausgehen, dass Sylter auf der Pamir gefahren sind“, sagt Dörte Ahrens, Museumsdirektorin in Keitum. „Wir erhoffen uns ein wenig, dass sich durch die Ausstellung des Seglers einige Sylter erinnern, dass vielleicht ihr Großvater oder andere Verwandte auf der Pamir mitgefahren sind. Die können sich dann gerne bei uns melden.“

Außerdem sei das Schiff natürlich ein eindrucksvolles Exponat. „Da hat das Heimatmuseum wirklich ein wunderschönes Modellschiff bekommen“, erkennt Strempel. „Es stecken so viele Monate Arbeit darin, jedes Detail, das man sieht – seien es die kleinen Rettungsboote oder die aufwändige Takelage – sind detailgetreu und von einem absoluten Fachmann gefertig.“

„Wir möchten Geschichte und Geschichten erzählen“, erklärt Museumdirektorin Dörte Ahrens, „wie viele Sylter wir auch finden, die darauf gefahren sind – es ist immer noch ein wunderbares Objekt, das uns verhilft die Geschichte und Erinnerung an die Frachtensegelei zu erzählen und aufrecht zu erhalten“.

 

 

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erstellt am 19.Sep.2015 | 05:44 Uhr

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