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Weihnachten auf der Insel : Heilige Sylter Nacht

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

An Heiligabend besuchen viele Insulaner und Gäste die Sylter Kirchen – mehr als im Rest des Jahres. Die Pastoren freuen sich über die Menschen.

Heiligabend in einer Sylter Kirche einen Platz zu ergattern, gestaltet sich oft als schwierig. Während dort die meisten Tage im Jahr die Platzauswahl groß ist, drängt es die Menschen zu Weihnachten zahlreich in die Gotteshäuser. Allein in den evangelischen Kirchen in Westerland – St. Niels und St. Nicolai – sitzen dann rund 500 Menschen in einem Gottesdienst. An einem gewöhnlichen Sonntag im Winter sind es 80 bis 100 Gläubige. Zu Weihnachten bieten die Gemeinden den Kirchgängern vom Familiengottesdienst über Kindergottesdienste bis zur Christmette viele Möglichkeiten für weihnachtliche Zusammenkünfte. Und die Pastoren freuen sich über die zahlreichen Besucher. „Die Menschen, die an Weihnachten nach Hause auf die Insel kommen – darunter auch viele junge Leute – sowie die Gäste, suchen ein Stück vom Paradies und einen geschützten Raum“, sagt Pastor Christoph Bornemann von der Evangelisch-Lutherischen Kirchengemeinde Westerland. Insgesamt 2000 Gläubige würden am Sonnabend die vier Gottesdienste in den beiden Westerländer Kirchen besuchen, weiß er.

Seine Predigt werde er angesichts der großen Zuhörerschaft allerdings nicht anders schreiben, als sonst auch. Denn an Weihnachten „haben die Menschen das gleiche Bedürfnis: sich mit dem Himmel zu verorten“, sagt er. Allerdings plane er, den Anschlag auf dem Weihnachtsmarkt auf dem Breitscheidplatz in Berlin in seine Ansprache mit einzubinden. Denn in diesem Jahr rechne er damit, dass viele Menschen von den Bildern aus der Hauptstadt geschockt und berührt sind und „mit der Botschaft des Friedens Probleme haben“, sagt Bornemann. Gerade hier sehe er seine Aufgabe als Pastor. Eine Kernaussage seiner Predigt soll daher sein, dass „Weihnachten gerade in der Dunkelheit dieser Welt ein Lichtmeer der Herzen und ein Leuchtfeuer der Liebe schaffen kann“. Er wolle übermitteln, wie man „in diesen Zeiten“ Weihnachten feiern und trotzdem Freude und Hoffnung fühlen kann. „An Weihnachten kommt bei vielen die Sehnsucht nach einem Ort auf, an dem es Heil gibt und wo jeder so sein kann wie er will“, erklärt der Sylter die besondere Frömmigkeit zur Weihnachtszeit. Die Sehnsucht nach Frieden, Heimat und Geborgenheit sei dann besonders groß. Am Heiligabend den Gottesdienst zu besuchen sei „wie nach Hause zu kommen“.

Auch Susanne Zingel, Pastorin der Gemeinde St. Severin in Keitum, fällt auf, dass an Heiligabend besonders viele Insulaner und Gäste in die Kirche kommen. „Ich werde eine weihnachtlich festliche Predigt halten, das mache ich jedes Jahr so“, sagt Zingel, die 2005 von Hamburg auf die Insel kam. Das sei unabhängig davon, wie viele Touristen oder Insulaner auf den Kirchenbänken säßen. Der Grund, aus dem sich die vielen Menschen am 24. Dezember in den Gotteshäusern versammeln, sei ein einfacher: „Sie kommen, weil Weihnachten einfach wunderbar ist“, sagt sie und lacht. „Es geht um das Geheimnis des Lebens, das rührt die Menschen, das macht es zu einem Fest der Familien, es ist dafür da, dass alle zusammenkommen“, sagt die Pastorin. Insgesamt vier Gottesdienste wollen sie sowie ihr Kollege Ingo Pohl am 24. Dezember mit der Gemeinde in Keitum feiern – im Schnitt säßen rund 400 Menschen auf den Bänken.

In St. Martin zu Morsum werden am Sonnabend drei Gottesdienste gefeiert: „Es macht großen Spaß, denn sowohl die kindliche Freude, als auch die Besinnlichkeit und die Festtagsstimmung spiegeln sich in diesem Fest“, sagt Pastor Ekkehard Schulz. Die Motive, aus denen sich die Menschen an Heiligabend so zahlreich in der Kirche einfinden, seien „hochindividuell und haben trotzdem gleichzeitig einen gemeinschaftlichen Sinn“, sagt er. Der Besuch in der Kirche gehöre für viele zum Ablauf des Weihnachtsfestes dazu. „Es ist eine Verknüpfung aus Erinnerung, Wunsch, nach Traditionen sowie dem Ritual als solches“, sagt Schulz. Dieses Gemeinschaftserlebnis sei gerade heute, in Zeiten die viele verunsichern, wichtig. „Eine hoffnungsvolle Stimmung können wir jetzt alle gebrauchen.“

Die Morsumer Kirche sei an Heiligabend teilweise so gut besucht, dass die Gottesdienste schon früher beginnen, weil niemand mehr hinein passe, sagt Schulz und lacht. Allerdings sei seine Kirche das gesamte Jahr über relativ gut besucht.

Ähnlich ist das in St. Christophorus in Westerland – der einzigen römisch-katholischen Kirche auf der Insel: „Die meisten, die auf Sylt in die Weihnachtsmessen kommen, feiern auch an den normalen Sonntagen die Heilige Messe mit“, sagt Pfarrer Wolfgang Härtel aus Düsseldorf, der die Krippenfeier für Familien sowie die Christmette halten wird, weil es auf der Insel keinen ansässigen Gemeindepfarrer mehr gibt. Es seien hier nur wenige, die aus alter Tradition an Weihnachten kommen. „Es ist wohl die Sehnsucht nach Festlichkeit, Erwärmung des Herzens und schönen Liedern“, die dafür sorgen, dass an Heiligabend viele so gerne in die Kirche strömen, sagt Härtel.

Die Kirchen in Schleswig-Holstein melden steigende Besucherzahlen: Insgesamt 408  064 Gottesdienstbesucher seien im vergangenen Jahr an Heiligabend in die Kirchen gekommen, wie der Sprecher der Nordkirche mitteilte. Das sind rund 5580 mehr als noch 2014.

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erstellt am 24.Dez.2016 | 05:56 Uhr

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