Sylter Natur : Heidepflege auf der Sylter Geest

Noch in dieser Woche sollen die Maschinen für die Plaggmaßnahmen in der Morsumer Heide eintreffen.
Noch in dieser Woche sollen die Maschinen für die Plaggmaßnahmen in der Morsumer Heide eintreffen.

Naturschutzgemeinschaft setzt auf Brennen, Plaggen, eine Schafherde und den Heidetriathlon.

shz.de von
22. August 2018, 16:06 Uhr

Die Geestheiden sind ein selten gewordener Lebensraum für eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt. Der größte Teil der schleswig-holsteinischen Heide liegt auf Sylt. Rund 150 Pflanzenarten – viele davon auf der Roten Liste gefährdeter Tierarten – und etwa 2500 Tierarten sind auf die Heide angewiesen. Damit sie nicht veraltet und verholzt, muss sie regelmäßig gepflegt werden, heißt es in einer Mitteilung der Naturschutzgemeinschaft Sylt.

Auf den Sylter Geestheiden geschah dies seit der Bronzezeit durch die Menschen, die diese Kulturlandschaft maßgeblich prägten. Sie ließen ihr Vieh in den Wäldern äsen, rodeten die ursprüngliche Vegetation des Waldes und hinterließen nährstoffarmen, sandigen Boden, auf dem sich die Heide halten konnte. Durch ihre Nutzung als Brennmaterial, Streu für die Ställe und damit Dung für die Felder wurde sie stets jung gehalten.

Seit 1924 steht das Morsum Kliff und die dazu gehörenden Heideflächen unter Naturschutz, seit 1977 ist die Naturschutzgemeinschaft Sylt betreuender Verein im Auftrag des Kieler Umweltministeriums, ebenso seit 1979 für das 137 Hektar große „Naturschutzgebiet Braderuper Heide“.

Nach dem umstrittenen, aber letztendlich erfolgreichen kontrollierten Brennen einer knapp zwei Hektar großen Heidefläche im Naturschutzgebiet Morsum Kliff Mitte Juli werden noch in dieser Woche die Maschinen für die geplanten Plaggmaßnahmen in den von der Naturschutzgemeinschaft und der Söl’ring Foriining betreuten Flächen erwartet. Die ausführende Firma wird ihre Arbeit in der Morsumer Heide aufnehmen und dort einen rund einen Hektar langen Streifen im Schutzgebiet mähen und plaggen. Zwei weitere Flächen von je 0,5 Hektar befinden sich im Naturschutzgebiet Braderuper Heide, eine Fläche liegt südlich von Kampen. Insgesamt werden bis Ende September 2,5 Hektar geplaggt werden.

Während die Menschen über Jahrhunderte hinweg mühselig mit einer Hacke von Hand die oberste Humusschicht mitsamt Heidepflanzen abtrugen, wird diese Maßnahme jetzt maschinell durchgeführt. Mit einer speziell konstruierten Heideplaggmaschine werden seit 1986 Heideflächen effektiv bearbeitet. Gut ein Jahr liegen die letzten Plaggmaßnahmen zurück, die sowohl in der Braderuper Heide und südlich der Kupferkanne sehr erfolgreich durchgeführt wurden. In beiden Fällen, beim Plaggen von Hand oder mit der Maschine, bleibt die Heidelandschaft erhalten, weil dem Boden in regelmäßigen Abständen die Nährstoffe, vor allem Stickstoff, entrissen werden. Eine Vergrasung und Verbuschung, was Heidelandschaften schwächt, wird damit vermieden. Zurück bleibt eine offene, vegetationsfreie Fläche, in der ruhende, keimfähige Heidesaat durch Licht und Feuchtigkeit wieder wachsen kann. Bis ein flächendeckender Heideteppich im Spätsommer violett erblüht, können gut zehn Jahre vergehen.

Ein weiteres wichtiges Standbein der Heidepflege ist die vom Land und den Sylter Gemeinden finanzierte Wanderschafherde aus über 520 Tieren der norwegischen Rasse Spälsau. Von Anfang April bis Ende Oktober kann sie in den Geestheideflächen bewundert werden.

Außerdem lädt die Naturschutzgemeinschaft Sylt Ende September zu einer Pflegemaßnahme im Naturschutzgebiet Morsum Kliff ein. Unter dem Titel „Kopf – Muskel – Bauch“ startet der vierte Heidetriathlon, wobei Büsche und kleine Bäume entfernt werden, damit die Flächen offenbleiben.

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