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Insel ohne Schwangerenbetreuung : Hebammen im Urlaub: Sorge bei Sylter Schwangeren

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

„Schwangere werden gebeten, keine Probleme zu haben“, heißt es polemisch in einem Facebook-Post. In den nächsten Wochen ist keine Hebamme auf der Insel verfügbar.

Sylt | Die Sylter sind in Sorge: In den vergangenen Tagen wurde in den sozialen Netzwerken auf Sylt darauf hingewiesen, dass zwischen dem 8. und 18. August keine Hebamme auf der Insel sein wird. „Schwangere und Mütter im Wochenbett werden gebeten, in dieser Zeit keine Probleme zu haben“, schreiben die Initiatoren, der Verein Mother Hood, in ihrer Facebook-Nachricht polemisch. Sie wird von Insulanern fleißig kommentiert und geteilt.

+++EILMELDUNG+++Soeben erreichte uns die Bestätigung für eine Meldung auf NDR Info heute Abend.Vom 8. bis zum 18....

Posted by Rettet unsere Hebammen on  Freitag, 31. Juli 2015

Tatsächlich ist es so, dass die beiden Sylter Hebammen Anke Bertram und Cornelia Baecker zwischen dem 8. und 18. August im Urlaub sind. Eigentlich hatte die dritte insulare Hebamme sie vertreten wollen. Sie ist allerdings schwer erkrankt.

Gut eineinhalb Jahre ist es her, dass die Asklepios Nordseeklinik in Westerland ihre Geburtenstation geschlossen hat. Schwangere Insulanerinnen sollen nun zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin aufs Festland reisen, um dort sicher gebären zu können. Da sich an diese Empfehlung aber nicht alle Insulanerinnen halten oder halten können – und Babys bekanntermaßen auch mal deutlich vor dem Stichtag kommen – ist die Unsicherheit unter den schwangeren Sylterinnen nach wie vor groß.

Dieser psychische Stress soll eigentlich durch einen Bereitschaftsdienst der drei Sylter Hebammen gelindert werden – allerdings ist dies bisher unter anderem an der Versicherungsfrage gescheitert. Momentan finden Verhandlungen zwischen dem Kreis Nordfriesland, den Krankenkassen und den Hebammen statt, ob sich ein Bereitschaftsdienst doch realisieren lasse. Ein weiteres Problem auf Sylt: Das Verhältnis der drei Hebammen untereinander ist nicht das beste. Die zehn Hebammen-freien Tagen Mitte August bewerten sie demnach auch recht unterschiedlich: „Ich finde das schon dramatisch“, sagt Hebamme Anke Bertram, „ich habe sechs Frauen, die während meiner Urlaubszeit entbinden werden.“

Ihre Kollegin, die erkrankte Heidrun Hepper, sieht das nicht so und kritisiert auch das Motto der Aktion: „Das wird Tote geben.“ Dieser Behauptung widerspricht sie vehement: „Diese Formulierung ist wirklich dramatisierend.“ Im Notfall würden die Frauen von ihrem Gynäkologen, dem Rettungsdienst oder in der Nordseeklinik versorgt werden. Allerdings: Ab der 35. Woche rate sie Urlauberinnen aufgrund der nicht idealen Versorgungslage generell davon ab, nach Sylt zu kommen.

„Wir wollen doch die Schwangeren nicht von der Insel verbannen“, sagt dagegen Arne Dekarz, Leiter des Deutschen Roten Kreuzes auf Sylt. Er ärgert sich über die „Panikmache“ im Zusammenhang mit den zehn Hebammen-freien Tagen sehr: „Seit der Schließung der Geburtenstation haben wir ohnehin keinen festen Bereitschaftsdienst der Hebammen – und trotzdem sind alle Einsätze, bei denen wir zu Schwangeren gerufen worden sind, für Mutter und Kind gut ausgegangen.“ Zwölf Mal wurde das DRK im vergangenen Jahr auf Sylt von Frauen in den Wehen alarmiert.

Auf den Nachbarinseln Amrum und Föhr funktioniere die Betreuung der Schwangeren recht gut, ist die Föhrer Hebamme Kirsten Rickmers überzeugt. Sie ist eine von insgesamt drei Frauen, die als Beleghebammen für die Insel-Klinik Föhr-Amrum arbeitet. Ist ihre Amrumer Kollegin, die „ihre“ Frauen per Fähre oder Seenotkreuzer in die Klinik nach Föhr begleitet, mal nicht da, würde sie und ihre Föhrer Kollegin die Betreuung der Amrumerinnen übernehmen. Bisher funktioniere dieses System recht gut. Von dramatischen Aufrufen auf Facebook in Sachen Hebammen hält sie dagegen gar nichts: „Ich habe immer das Gefühl, so etwas macht meinen Frauen Angst.“

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erstellt am 04.Aug.2015 | 14:41 Uhr

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