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Flüchtlinge auf Sylt : Haus Quickborn: Politiker wollen keinen Deal

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In der Frage, wie Flüchtlinge künftig auf der Insel untergebracht werden, sprechen sich Kommunalpolitiker weiter für dezentrale Unterbringung aus.

Am kommenden Mittwoch soll sich der Finanzausschuss der Gemeinde Sylt damit beschäftigen, wie Flüchtlinge künftig auf Sylt untergebracht werden. Die Verwaltung schlägt vor, dass alle Asylsuchenden zunächst in einer großen Unterkunft, wie beispielsweise dem Westerländer Haus Quickborn, in Containern oder dem ehemaligen JAW-Heim in Hörnum leben, um dann später in kleinere Wohneinheiten umziehen zu können (wir berichteten). Die Sylter Rundschau hat bei den Fraktionsvorsitzenden nachgefragt, was sie von diesem Vorschlag halten.

In einem ist sich die Politik fraktionsübergreifend einig: Das leer stehende Haus Quickborn wollen sie nicht für Flüchtlinge nutzen. Zumindest nicht unter den gegebenen Umständen. Zum Hintergrund: Nachdem die DAK die Kinderkureinrichtung nicht mehr betreibt, möchte nun ein Hamburger Immobilienkaufmann in dem Gebäude seniorengerechtes Wohnen anbieten. Dafür müsste sich aber die Gemeinde dazu entscheiden, den B-Plan zu ändern. Laut Bürgermeister Nikolas Häckel gibt es nun die Möglichkeit, einen Deal zu schließen: Die Gemeinde signalisiert, dass sie das seniorengerechte Wohnen ermöglicht und darf dafür für fünf Jahre rund 200 Flüchtlinge im Haus Quickborn für 600  000 Euro Miete im Jahr unterbringen. Das kann man positiv bewerten: Denn 600  000 erhält die Gemeinde auch von Bund und Land für die Unterbringung von 200 Flüchtlingen - sie könnte das Haus Quickborn so gesehen also ohne Mietkosten für die Gemeinde nutzen. So rechnen die Kommunalpolitiker allerdings nicht: „Diese 600  000 Euro würden dann vom Steuerzahler aufgebracht werden, damit ein Investor nach ein paar Jahren den Kaufpreis für sein Gebäude wieder rein bekommt“, sagt beispielsweise Wolfgang Jensen (CDU). Er verweist auf den geltenden Beschluss der Gemeindevertretung, mit den Investoren in Sachen Haus Quickborn nicht mehr zu verhandeln. „Das werden wir als SWG nicht mittragen“, betont auch Erik Kennel. „Indiskutabel!“, findet Maria Andresen (Grüne). Und auch SSW und SPD verweisen auf den bestehenden Beschluss, keine Verhandlungen zu führen: „Herr Häckel hat doch einen klaren Auftrag von uns. Den hat er zu erfüllen“, erinnert Gerd Nielsen (SPD). Die Politiker sind sich einig: Das Haus Quickborn sei lediglich eine Option, wenn die Gemeinde es selbst erwerben könnte.

Doch wie soll aus Sicht der Gemeindevertreter mit der steigenden Zahl von Flüchtlingen umgegangen werden? Dass eine dezentrale Unterbringung, also in kleineren Wohneinheiten, irgendwann schwierig werden kann, darin stimmt Wolfgang Jensen der Verwaltung zu. Er sieht derzeit vor allem die Möglichkeit, die Menschen gegebenenfalls im ehemaligen JAW-Heim und/oder in Containern unterzubringen.

Erik Kennel würde sich auch für das JAW–Heim aussprechen - allerdings nur dann, wenn es keine andere Möglichkeit gibt und die Gemeinde Hörnum zustimmt. Generell aber halte er es schon für erstrebenswert, möglichst lange an der Idee der dezentralen Unterbringung festzuhalten. Kennel weist in diesem Zusammenhang auch darauf hin, dass beispielsweise die vom Kommunalen Liegenschaftsmanagement (KLM) zur Verfügung gestellten Wohnungen in der Wohnsiedlung Süd sicher nicht alle belegt sind. „Wir haben durch die KLM-Wohnungen momentan noch Spielraum“, ist auch Gerd Nielsen überzeugt. Dass sich die Insel ein größeres Objekt wie das JAW-Heim sichert, um dort im Notfall Menschen unterzubringen, sei sicher keine schlechte Idee. Generell halte er aber nichts von der Idee der Verwaltung, die Menschen prinzipiell erst in einer Gemeinschaftsunterkunft leben zu lassen.

Noch deutlicher spricht sich Maria Andresen dafür aus, die Flüchtlinge weiterhin in kleinen Wohneinheiten leben zu lassen: „Wir sehen natürlich auch, dass das für die Verwaltung schon jetzt sehr belastend ist, weil es arbeitsaufwendiger ist, die Flüchtlinge dezentral zu betreuen, als wenn sie in einer großen Gemeinschaftsunterkunft leben“, so die Grünen-Politikerin. „Aber dann müssen wir halt gegebenenfalls mehr Personal einstellen.“

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erstellt am 21.Okt.2015 | 05:09 Uhr

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