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Produktnamen : „Hauptsächlich sind originale Produkte auf dem Markt“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Moritz Luft spricht im Interview über kluge Verbraucher und den Sinn oder Unsinn eines „Sylt-Siegels“.

shz.de von
erstellt am 02.Apr.2015 | 05:38 Uhr

Sylter Salz, Sylter Austern, Sylter Salatfrische: Woher weiß der Verbraucher eigentlich, ob es sich wirklich um ein Sylter Produkt handelt? Ein Gespräch mit Moritz Luft, dem Geschäftsführer der Sylt Marketing GmbH, über Sylter Wasser, Salz, und Meer.

 

Herr Luft, ist der Name Sylt geschützt?
Nein. Ein geographischer Bereich kann nicht geschützt werden. Eine Wort-Bild Marke schon, so wie wir es mit unserem kalligrafischen Sylt-Schriftzug getan haben. Diesen Schriftzug darf niemand vermarkten. Aber im Prinzip darf jeder ein Produkt herstellen, in dem der Name Sylt vorkommt. In Nordrhein Westfalen gibt es Sylter Eiscafés, in Hamburg die Sylter Milchbar, es existieren Dutzende Produkte mit dem Beinamen Sylt.

Gibt es so etwas wie ein Siegel oder Zertifikat für die „Echtheit“ eines Sylter Produkts?
In der Vergangenheit gab es auf der Insel diverse Initiativen, um den Begriff „Sylt“ für ein Produkt zu schützen. Das ist aber nicht so einfach. Wo fängt man an, wo hört man auf? Wie viel vom Produkt muss von der Insel stammen, zu wie viel Prozent muss es auf der Insel hergestellt worden sein? Was ist mit den Produkten, die aufgrund der großen Nachfrage nicht mehr hier produziert werden können? Es ist sehr schwer, ein durchgängiges Konzept zu erstellen, was sich letztendlich als Sylter Produkt bezeichnen darf. Daran sind die Versuche einer Klassifizierung gescheitert. Wer auf Nummer sicher gehen will, hält sich an die Empfehlungen unserer zweimal im Jahr erscheinenden Zeitschrift „Natürlich Sylt“. Die darin kommunizierten Produkte stammen garantiert von der Insel.


Was ist mit Produkten, die ursprünglich von hier stammen sollen, aber auf dem Festland fertig produziert werden?
Sie sprechen jetzt das Salz an, oder? Zum Thema Sylter Salz möchte ich folgendes sagen: Ich weiß nur, dass der Hersteller Alexandro Pape in List mit dem „Sylter Meersalz“ ein zu 100 Prozent transparentes Produkt herstellt. Hier handelt es sich um ein authentisches Sylter Vorzeigeprodukt. Das „Sylter Speisesalz“ hingegen soll aus einem tiefen Brunnen im Inselsüden stammen und wird in Halle an der Saale aufbereitet. Wenn man ein schönes Produkt auf der Insel gewinnt, warum zeigt man den Herkunftsort dann nicht der Öffentlichkeit? Das gleiche mit dem Wasser der „Sylt Quelle“: So etwas könnte doch ein wahrer Magnet für Gäste sein, die Ur-Quelle zu sehen, aus der DAS Sylter Wasser kommt.

Wie stehen Sie zu Produkten, die eigentlich nichts mit Sylt zu tun haben, aber den Namen Sylt in sich tragen?
Das Verhältnis ist ambivalent: Auf der einen Seite kann es einen sehr positiven Effekt haben, wenn das Produkt von guter Qualität ist. Die Konsumenten stellen dann eine positive Verbindung zur Insel her. Bei minderwertigen Produkten hingegen kann sich dieser Effekt umkehren. Grundsätzlich gilt aber: Je öfter der Name der Insel genannt wird, desto mehr ist Sylt in den Köpfen der Menschen präsent.

Kann man etwas gegen Trittbrettfahrer unternehmen, die den Namen missbrauchen?
Es muss noch einmal hervorgehoben werden, dass hauptsächlich schöne, originale Sylter Produkte am Markt sind: Sylter Austern, Sylter Seifen, Sylter Schokolade, Sylter Strandkörbe, Sylter Fleisch und vieles mehr. Natürlich wollen einige Lebensmittelhersteller auf den Sylt-Zug aufspringen. Aber der Konsument ist am Ende nicht so leicht zu täuschen. Wenn er in Voigt's Alter Backstube in List eine Salatsoße kauft oder handgemachte Zimtsterne von Bäcker Abeling in Westerland, dann weiß er genau, dass er ein regionales Produkt erworben hat, das mit Liebe auf der Insel hergestellt worden ist. Kauft er im Supermarkt in Hamburg ein Produkt „Sylter Art“ weiß er auch, dass ihn da keine handgemachte Sylter Spezialität erwartet.


Was raten Sie Herstellern, die Sylt als Beinamen in ihrem Produkt verwenden?
Der Konsument bezahlt am Ende ja nicht nur das Produkt, sondern auch eine Emotion, die damit verbunden ist. Transparenz sorgt für Vertrauen und spricht sich herum. Deshalb mein Rat an alle Produzenten, im eigenen Interesse so gläsern wie möglich zu arbeiten. Je offener ich arbeite und meine Herstellungsmethoden zeige, desto mehr Erfolg werde ich mit meinem Ergebnis haben – gerade bei Produkten mit regionalem Bezug.


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