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Kolumne „Strandgut“ : Harte Prüfung für Sylt

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Vor seinem Wechsel in die Niebüller Lokalredaktion zieht SR-Redakteur Nils Jesumann nochmal Bilanz seiner zwei Insel-Jahre.

Der Sylter hat es nicht leicht: Erst verliert die Insel ihre Geburtshilfe, dann droht ein Rotlichtkönig mit der Eröffnung eines Freudenhauses in Westerland und nun hat auch noch Michael Wendler, der Dschungel-Barde mit ausgeprägter Grammatikschwäche, verraten, gerne „auf“ Westerland zu zelten. Der Insel bleibt offenbar nichts erspart. Glücklicherweise erreichte die Redaktion der Sylter Rundschau jetzt ausnahmsweise mal eine gute Nachricht: Der Silberstreif am Horizont stammt von einer Sylterin, die kürzlich ihre Tochter in China besuchte. Offenbar führt die Dame immer einen mehrere Kilogramm schweren Vorrat an Sylter Lutschbonbons mit sich. Zumindest legt das ein eingesandtes Foto nahe, das eine Bonbon-Dose in Nahaufnahme auf der chinesischen Mauer zeigt. Unterm Strich ist der Liebesbeweis an die Sylter Süßigkeit mehr als ein origineller Gruß. Er ist auch ein Liebesbeweis an die Insel und damit nach all den schlechten Nachrichten auch mal wieder etwas Positives.

In zwei Jahren als Inseljournalist lernt man Sylt in all seinen Facetten kennen und schätzen. Erste Lektion: So schön der Sommer auf des Deutschen liebster Insel auch ist, umso garstiger ist der Spätherbst. Teilweise rüttelte der Seewind so stark an den Fenstern meines Appartements, dass an Schlaf nicht zu denken war. Zweite Lektion: Wer im Spätherbst ohne Mütze über die Insel tapert ist a) selber Schuld und wird b) sofort als Tourist erkannt. Lektion Nummer drei: Im vierten Quartal des Jahres sollte man auf dem Syltshuttle das Autodach schließen. Und last but not least: Die Wahl zum Kampener Künstlerwein ist kein normaler Pressetermin und der Kampener Weinpfad in Wahrheit eine Gratwanderung mit fachkundiger Begleitung. Abgesehen von diesen Erkenntnissen hat die Insel einige unschlagbare Vorzüge, die jeder, der hier einmal gelebt hat, sicher vermissen wird: Das beste an Sylt ist jedoch, dass es sich um eine Insel handelt – ergo kann man sich nicht mit dem Auto verfahren. Statt stundenlang ohne Navigationsgerät durch die Pampa zu kurven, werden meinem Orientierungsvermögen zweiter Klasse hier natürliche Grenzen gesetzt. Niemand geht auf Sylt verloren.

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erstellt am 24.Jan.2014 | 19:08 Uhr

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