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Hans Jessel: „Urbane Landschaften“ – III

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

shz.de von
erstellt am 10.Okt.2013 | 00:33 Uhr

Landschaften werden vom Betrachter gerne mit Projektionen überlagert – urbanen Projektionen meist, die der Idylle und dem durch die Werbung suggerierten Ideal- beziehungsweise Leitbild entsprechen. So wird das Bild vom windzerzausten Strandhafer und einer stürmisch daherkommenden Nordsee zum Leitmotiv der Herbst-/Winterwerbung eines insularen Ferienziels.

Nur mit Zögern und widerwillig wird der Konsument eines derartigen Fotos die Realität akzeptieren, dass nämlich diese „Naturlandschaft“ längst nicht mehr so natürlich ist wie angenommen: Sind es Maßnahmen des Küstenschutzes, die hier von schwerem Gerät erledigt werden sollen? Gibt es vielleicht Probleme mit der Ortsentwässerung, die schnellstens behoben werden müssen – oder ist vielleicht nur etwas Größeres angeschwemmt, das abtransportiert werden soll? Egal – fest steht nur, dass auch im Falle des Sylter Strandes nicht mehr von einer Naturlandschaft gesprochen werden kann. Diese ist als „vom Menschen unbeeinflusst“ definiert – und findet sich in Deutschland (mit Augenzudrücken) nur noch im alpinen Hochgebirge.

Werbung und Realität klaffen derweil erschreckend weit auseinander – beim Durchblättern insularer Gastgeberverzeichnisse und sonstiger werbender Druckerzeugnisse fühle ich mich gelegentlich an die Gummibärchen-Reklame erinnert, die uns (fast) glauben machte, diese würden an Bäumen wachsen… und nicht einem industriellen Chemiecocktail entspringen. Ach – und wir hätten es doch sooo gerne geglaubt…

Foto: Text/Fotos: Jessel

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