Wohnraum auf Sylt : Handwerkszeug für mehr Wohnungen

Wo kann auf Sylt noch Wohnraum geschaffen werden? Auch darum geht es im Wohraumentwicklungskonzept.
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Wo kann auf Sylt noch Wohnraum geschaffen werden? Auch darum geht es im Wohraumentwicklungskonzept.

„Es gibt keine Sylter mehr, die in eine Kellerwohnung ziehen würden“: Vier Jahre wurde am Wohnraumentwicklungskonzept gearbeitet. Nun soll es sicherstellen, dass Dauerwohnraum auf Sylt gesichert werden kann.

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20. Mai 2015, 05:23 Uhr

Einst sorgte es mit den errechneten 2  850 fehlenden Wohnungen auf Sylt für Schlagzeilen – dann wurde es länger still um das insulare Wohnraumentwicklungskonzept. Doch die zuständigen Fachleute haben weiter daran gearbeitet, einen Weg zu finden, wie Dauerwohnraum auf der Insel gebaut und gesichert werden kann. 2011 entschieden Politiker aller Inselgemeinden, dazu das aufwändige Konzept in Auftrag zu geben.

Zunächst wurde die Situation auf der Insel analysiert und berechnet, wie viele Dauerwohnungen bis 2025 gebaut werden müssen, damit die Zahl der Inselbewohner nicht noch weiter schrumpft (siehe Infokasten). „Ich denke, dass diese Zahlen auch heute noch recht realistisch sind“, sagte Inselbaumeister Martin Seemann. In einem zweiten Schritt wurden mögliche Bebauungsflächen auf der Insel gesucht, kategorisiert und bewertet. In der jüngsten Sitzung des Bauausschusses der Gemeinde Sylt wurde nun der letzte Bestandteil des Konzeptes abgesegnet: Ein juristischer Leitfaden, nach dessen Vorgaben kommunale Dauerwohnprojekte abgesichert werden können. Am einfachsten ist dies immer noch, wenn die Gemeinde selbst Grundstückseigentümer und Bauträger ist.

Doch allein auf diesem Weg wird es wohl nicht möglich sein, das Wohnraumproblem auf der Insel zu lösen. Angesichts der wenigen Flächen, die auf Sylt noch in kommunaler Hand sind, hält Seemann einen weiteren Teil des Konzepts für wichtig: Der Leitfaden soll auch dabei helfen, „wie wir Private an die Hand nehmen können, die mit uns Dauerwohnraum realisieren wollen“.

An diesem Leitfaden haben Juristen, Mitarbeiter des Inselbauamts und des Innenministeriums gearbeitet. „Dieser Leitfaden wird nicht nur in der Gemeinde Sylt, sondern inselweit angewendet.“ So soll damit beispielsweise abgesichert werden, dass auch bei Bauprojekten in Kooperation mit Privatleuten oder Investoren möglichst sichergestellt werden kann, dass die geplanten Wohnungen wirklich als Dauerwohnraum verwendet werden.

Gerd Nielsen (SPD) dankte dem Inselbauamt für den Einsatz: „Das Wohnraumentwicklungskonzept ist eine Zäsur – und von größter Bedeutung für die Insel. Das Bauen von Dauerwohnraum wird so in geregelte Bahnen gelenkt.“

Ganz so positiv sah das Christian Thiessen von den Piraten nicht: „Damit werden wir keinen Blumentopf gewinnen.“ Sein Groll richtete sich vor allem gegen die Landesregierung, deren Offensive für bezahlbares Wohnen aus seiner Sicht nicht konsequent genug umgesetzt würde. Ein Gesetzentwurf der Piraten, die Zweckentfremdung von Dauerwohnraum für gewerbliche Zwecke zu verbieten, sei bisher in Kiel auf nicht sonderlich viel Interesse gestoßen.

Holger Flessau (CDU) mochte solch kritische Töne nicht hören: „Dies ist ein historischer Moment. Warum muss der jetzt kaputt geredet werden?“ Auch dadurch, dass neuer Wohnraum auf den Markt komme, würden sich die Mietpreise auf Sylt mittelfristig regulieren. Ohnehin verzeichne er jetzt schon einen positiven Trend: „Es gibt keine Sylter mehr, die für 20 Euro pro Quadratmeter in eine Kellerwohnung mit feuchten Wänden ziehen würden.“

Auch Gerd Nielsen reagierte auf Thiessens Kritik scharf: „Es ist schwer zu ertragen, wenn man sich das hier anhören muss.“ Der Wohnungsbauausschuss werde demnächst daran gehen, Dauerwohn-Möglichkeiten auf dem ehemaligen Gelände der Standortverwaltung (StoV) am Bahnweg zu planen. „Dort könnten – vielleicht wieder als Genossenschaftsmodell – 30 bis 40 Wohnungen entstehen.“ Zudem stünden Planungen für den Hugo-Köcke-Weg und die Morsumer Schule auf der Agenda. „Zudem bauen ja auch die anderen Inselgemeinden, teilweise unterstützt durch günstige Kredite des Landes“, schloss Nielsen.

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