Abriss : Hamburg plant die neue Köhlbrandbrücke

'Wir werden in Kürze mit den Planungen für einen Ersatzbau beginnen', sagt Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz. Foto: shz
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"Wir werden in Kürze mit den Planungen für einen Ersatzbau beginnen", sagt Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz. Foto: shz

Ein Wahrzeichen muss weichen: Gutachter bewerten den Zustand der fast 40 Jahren alten Hamburger Köhlbrandbrücke als kritisch - und verordnen den Abriss.

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12. Juni 2012, 07:01 Uhr

Hamburg | Hamburg reißt eines seiner Wahrzeichen ab. Die Köhlbrandbrücke im Hamburger Freihafen muss in rund 20 Jahren einem Neubau weichen. "Wir werden in Kürze mit den Planungen für einen Ersatzbau beginnen", hat Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) jetzt öffentlich angekündigt.
Mit ihren 135 Meter hohen Pylonen dominiert die Schrägseilbrücke das Hafenpanorama seit ihrer Einweihung 1974. Auf einer Gesamtlänge von 3,6 Kilometern überspannt sie den Köhlbrand, einen Teil der Süderelbe und ist Hauptschlagader für den Verkehrsfluss von und zu den Containerterminals.
"Eine akute Gefahr besteht nicht"
Trotz anerkannter Eleganz und dem Stellenwert als moderne Hamburgensie läuft die Zeit der Brücke unweigerlich ab. Den Anfang vom Ende des markanten Bauwerks hatte die Hafenbehörde HPA bereits vor fünf Jahren angedeutet, als erste Gedankenspiele um einen Abriss laut wurden.
Den Hafenplanern war seinerzeit klargeworden, dass die Brücke den Anforderungen eines modernen Welthafens nicht mehr lange gewachsen sein wird. Und das vor allem aus zwei Gründen: Bei einer Durchfahrthöhe von 54 Metern wird die in den 60er Jahren geplante Konstruktion für kommende Generationen von Containerriesen auf dem Weg zum Terminal Altenwerder zu niedrig sein. Und: Der technische Zustand des fast 40 Jahre alten Baus ist kritisch. Mehr als 5000 Schadensstellen hatte eine Untersuchung im Jahr 2009 ergeben. Die Brücke zeige ein "mittleres bis hohes Schadensbild", urteilten die Gutachter. Eine akute Gefahr bestehe aber nicht.
Neubau wird über eine halbe Milliarde Euro kosten
Neuralgische Punkte sind vor allem die beiden Rampen. An den aus Spannbeton gefertigten Auffahrten haben Frost und Rost besonders gnadenlos genagt. Hinzu kommen Korrosionsprobleme an Stahlelementen, darunter den Seilen. Immer wieder muss Hamburg Millionenbeträge investieren, um die Köhlbrand-Überfahrung instandzuhalten. Vor vier Monaten sah sich die Hafenbehörde HPA dann genötigt, ein Überholverbot für Lkw zu erlassen, um die Lebensdauer der Brücke zu verlängern.
Bestenfalls 20 Jahre, so die Einschätzung der HPA-Fachleute, lässt sich die wichtigste Ost-West-Querung im Hafen noch wirtschaftlich betreiben, sprich: lohnen sich die teuren Reparaturen noch. Spätestens dann muss an derselben Stelle eine neue Brücke stehen. Nach ersten Schätzungen würden Abriss und Neubau wohl mehr als eine halbe Milliarde Euro kosten. Senat und HPA rechnen für das Großprojekt mit einer Vorlaufzeit von mindestens zehn Jahren. Deshalb sollen die konkreten Planungen schon demnächst anlaufen.

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