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Katastrophenschutz auf Sylt : Halle 28: Parteienmehrheit fordert Abriss

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

In Sachen Pro und Kontra Fliegerhorst äußern sich heute die Befürworter eines Abrisses aller Gebäude.

von
erstellt am 19.Feb.2015 | 05:42 Uhr

Den kompletten Abriss aller Gebäude auf dem Fliegerhorstgelände inklusive der Halle 28 und das so bald wie möglich fordern die Einen – den Erhalt der dortigen Katastrophenschutzhalle und sogar des englischen Kinos verlangen die Anderen. Die Sylter Rundschau stellt in ihren Ausgaben von gestern und heute die kontroversen Positionen zu dem seit vielen Jahren heiß diskutierten Thema gegenüber. Heute äußern sich dazu die Befürworter.

„Die Halle 28 ist abgängig. Ohne jeden Zweifel, ganz eindeutig“, sagt Erik Kennel, der Fraktionsvorsitzender der Sylter Wählergemeinschaft (SWG). „Wir haben jetzt dazu mit anderen Fraktionen einen Antrag vorgelegt, damit es endlich weitergeht, damit das Thema nicht einschläft.“ Gemeinsam mit den Fraktionen von SPD, SSW und Grünen fordert die SWG, die so genannte Null-Lösung für das Fliegerhorstgelände, also den Abriss aller Gebäude, weiterhin zeitnah umzusetzen und verweist darauf, dass dies bereits mehrfach in den gemeindlichen Gremien beschlossen wurde.


Katastrophenschutz nicht zwingend in der 28


 

Allerdings betonen Kennel und auch der SPD-Fraktionsvorsitzende Gerd Nielsen, dass die vier Parteien keineswegs grundsätzlich die Abschaffung einer Katastrophenschutzhalle für Sylt verlangen würden. „Das ist doch blanker Unsinn. Wie wir künftig wo am besten für das Schlimmste gerüstet sind, ist jedoch ein ganz anderes Thema“, sagt der SWG-Fraktionschef. „Wir wehren uns aber ausdrücklich dagegen, die Klärung dieser wichtigen Fragen zwingend oder sogar ausschließlich mit einem Erhalt der Halle 28 zu verbinden“, ergänzt Nielsen.

Vorrangig geht es den Fraktionen in ihrem Antrag darum, im Nachtragshaushalt noch dieses Jahr 500  000 Euro für den Abriss des englischen Kinos und der benachbarten Kfz-Halle 44 zur Verfügung zu stellen und parallel die Renaturierungsmaßnahmen fortzusetzen. Die Verwaltung soll aber ebenso beauftragt werden, in den Folgejahren die notwendigen Mittel in die jeweiligen Haushalte einzuplanen, damit ein vollständiger Abriss sämtlicher Gebäude, also auch der Hallen 25 und 28, sowie der befestigten Außenanlagen bis Ende der Wahlperiode im Frühjahr 2018 erfolgen kann.

„Mit unserem Antrag wollen wir zur Klarstellung beitragen und endgültig immer wieder aufkeimende Begehrlichkeiten jedweder Art beenden“, sagt Erik Kennel. Das Fliegerhorstgelände sei ein einmaliger Naturraum und biete die Chance, als Erholungsraum von Syltern und Gästen genutzt zu werden. „Unsere Wirtschaft ist der Tourismus. Naturliebhaber, Fahrradfahrer und Familien sind die Zielgruppen für einen nachhaltigen Tourismus. Wir bringen also Ökonomie und Ökologie zusammen“ erklären die vier Inselparteien SWG, SPD, SSW und Grüne, die zusammen mit 19 Sitzen die Mehrheit in der Sylter Gemeindevertretung stellen.

Für die CDU dagegen steht nach wie vor ein Erhalt der Halle 28 als zentrale Katastrophenschutzhalle der Insel an erster Stelle, betont Fraktionschef Wolfgang Jensen. „Sollte es jedoch einen mehrheitlichen Beschluss für eine andere Variante geben, werden wir uns dem natürlich unterordnen.“ Allerdings würden die Christdemokraten „ohne Wenn und Aber und in absoluter Geschlossenheit“ alle anderen bisher gemachten Vorschläge als ungeeignet erachten: Ein neue Halle nördlich des Neubaus der Westerländer Feuerwehr sei die falsche und dazu noch dezentrale Lösung, so Jensen. „Das wäre nur angeflickt, außerdem auch viel zu klein.“ Eine Beratung und gegebenenfalls einen Beschluss zu Bereitstellung finanzieller Mitteln für den Abriss aller Fliegerhorst-Objekte hält der CDU-Fraktionschef jedoch grundsätzlich für verfrüht: „Damit sollte sich besser erstmal der zuständige Finanzausschuss befassen.“


Piraten/Insulaner fordern prinzipielle Klärung


 

Die Fraktion Piraten/Insulaner hat zu dem Tagesordnungspunkt am heutigen Abend einen Alternativantrag gestellt und will die Rechtslage prinzipiell prüfen lassen. Bei den Verhandlungen zum Kauf des Fliegerhorstes sei es offensichtlich zu schwerwiegenden Fehlern gekommen, kritisiert die kleinste Fraktion des Inselparlaments. Weder die Frage des Denkmalschutzes und der besonderen historischen Bedeutung des englischen Kinos inklusive Terrasse, der beiden Flugzeughallen und des Rollfeldes, noch die Verantwortlichkeit des Bundes bei der endgültigen Aufgabe von Militäranlagen sei bei den Verhandlungen korrekt und unter Betrachtung gültiger Vorschriften und Urteile gewürdigt worden.

Deshalb gäbe es nur zwei Möglichkeiten: A – die Gebäude sind seit 2007 denkmalgeschützt und müssen erhalten werden. Dann könnten sie von der Gemeinde genutzt werden oder der im Mai 2008 beschlossene Abriss wäre illegal und sogar die Begehung einer rechtswidrigen Straftat. Oder B – es bestehe kein Denkmalschutz. Dann gäbe es für militärische Liegenschaften im Außenbereich auch keinen Bestandsschutz und der Bund wäre für den Abriss zuständig. Die Gemeinde hätte damit eine Liegenschaft erworben, die sie überhaupt nicht nutzen kann und müsste zusätzlich Abrisskosten in Millionenhöhe übernehmen, die eigentlich der Bund bezahlen müsste. „Sollte die Prüfung unsere Einwände und Bedenken bestätigen, würde das die Gemeinde Sylt weit mehr als die jetzt beantragten 500  000 Euro für weitere Abbrucharbeiten ersparen“, erklärten Gemeindevertreter Christian Thiessen von der Piratenpartei.


Häckel verweist auf bindende Beschlüsse


 

Der künftige Bürgermeister Nikolas Häckel machte bereits im Wahlkampf Vorschläge für eine dezentrale Lösung und zur Nutzung des Schulzentrums oder anderer großer Gebäude: Dass die Halle 28 zurückgebaut werden muss, sei ein bindender Beschluss der Gemeindevertretung, den der Bürgermeister zwingend umzusetzen habe. „Spielraum besteht hier nur über den Zeitpunkt. Daher würde ich den bindenden Beschluss erst umsetzen, wenn eine praktikable Nachfolgestruktur aufgebaut ist“, sagte Häckel Ende November. „Eine Lösung, die ich neben einem Neubau – der gerade von der Verwaltung geprüft wird – angedacht habe, ist die der Notstromversorgung des Schulzentrums mit der dort vorhandenen Infrastruktur und den Räumlichkeiten.“

 

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