zur Navigation springen

Verwaltungsreform auf Sylt : Häckels umstrittene Reform steht vor der Entscheidung

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Bürgermeister Nikolas Häckel hat Einzelheiten der Neuordnung seiner Verwaltung vorgestellt: Mit vier Ämtern soll alles schlanker und effizienter werden.

von
erstellt am 09.Dez.2015 | 18:22 Uhr

Seit Juni wurde vor und besonders hinter den Kulissen intensiv darüber diskutiert, spekuliert und auch gestritten, wie die von Nikolas Häckel angekündigte große Verwaltungsstruktur der Gemeinde Sylt aussehen wird: Welche Ämter zusammengelegt, welche ausgegliedert und welche eventuell sogar ganz zerschlagen werden – wir berichteten. Am Dienstagabend hat der neue Bürgermeister im Hauptausschuss jetzt erstmalig seine Pläne öffentlich vorgelegt und erläutert. Künftig soll die Verwaltung auf vier neuen Amtssäulen stehen:

●Inneres und Bildung

●Finanzen und Liegenschaften

●Ordnung und Soziales

●Umwelt und Bauen.

Vom Tisch ist damit Häckels ursprünglicher Vorschlag, lediglich drei „Superämter“ – für Inneres, Technik und Bürgerservice – zu schaffen. Es habe in den vergangenen Monaten ausführliche und offene Gespräche mit allen Beteiligten, mit dem Personalrat und auch mit externen Beratern gegeben. „Das Ergebnis ist zwar nicht mein Wunsch. Ich hätte das Drei-Ämter-Modell bevorzugt“, sagte der Bürgermeister. „Aber wir haben jetzt eine Struktur, die schlank, effizient und leistungsfähig ist.“ Dadurch würde eine „moderne Verwaltung aus einer Hand“ geschaffen, die noch besser in Projekten arbeiten, Wissen bündeln und eine gute innere Abstimmung gewährleisten könne.

grafik syr verwaltungsgliederung 12-2015 rz

 

„Ein Großteil der Beschäftigten steht hinter den Plänen“, betonte Häckel mit Nachdruck. „Die neue Struktur ist gut für unsere Größe und langfristig tragfähig. Sie soll bald umgesetzt werden, damit wieder Ruhe in die Verwaltung kommt.“ Kritikern seiner Reformpläne hielt er entgegen: „Kein Amt schluckt ein anderes, sondern es wird neu organisiert.“

So sollen die vier neuen Ämter im Detail strukturiert werden: Aus dem bisherigen Hauptamt wird das Amt für Inneres und Bildung. Obwohl Personalfragen auf der Sitzung ausdrücklich kein Thema waren, ist davon auszugehen, dass die bisherige Hauptamts-Chefin Monika Kuhn das neue Amt leiten wird. Ihr unterstehen dann die Abteilungen Zentrale Dienste, Personal und Organisation, das Standesamt sowie die Abteilung Schule, Jugend, Kultur und Sport, zu der künftig auch die Sylt-Bibliothek und das Sylter Archiv gehören. Das Amt für Finanzen und Liegenschaften gliedert sich wie bisher und wird mit großer Sicherheit auch weiterhin von Harro Johannsen geführt. Allerdings soll das Amt langfristig mit dem Amt für Inneres verschmelzen. „Dann wird es doch nur drei Ämter geben“, sagte Nikolas Häckel, „aber das ist ein Prozess in einigen Jahren.“

Wichtige Veränderungen gibt es im neuen Amt für Ordnung und Soziales: Außer der Abteilung Ordnungsrecht und dem Bürgerservice soll dort als Abteilung Soziale Hilfen das Sozialzentrum Sylt eingegliedert werden. Auch, um die Aufgaben bei der Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen effektiver koordinieren zu können, so die Begründung des Bürgermeisters. Personell gilt Ordnungsamtsleiterin Gabriele Gotthardt als „gesetzt“ für den neuen Führungsposten.

Der größte Umbau findet im Amt für Umwelt und Bauen statt: Nikolas Häckel will das Umweltamt und das Bauamt künftig zusammenlegen, weil „alle Bauthemen auch mit dem Umweltschutz zusammenhängen.“ Zu dem neuen Amt gehören die Abteilung Umwelt, Landschaft und Küste, die allgemeine Bauverwaltung, das Tiefbau-Ressort sowie der Bauhof. Die Abteilung Stadtplanung jedoch soll ausgegliedert und mit der neuen Bezeichnung Ortsentwicklung unmittelbar dem Bürgermeister unterstellt werden. Dies sei als „temporärer Prozess“ zu verstehen, sagte Häckel, „wegen der Aktualität der vor uns liegenden Aufgaben.“

Diese Aufspaltung des ehemaligen Bauamtes sorgte für Zündstoff in der anschließenden Diskussion. „Bauen, Wohnen, Verkehr und deren Planung – all das gehört zusammen“, sagte Gemeindevertreter Gerd Nielsen. „Und der Bürgermeister darf auf keinen Fall der erste Stadtentwickler werden.“ Die Stadtplanung sei das „Kernstück“ des Amtes – wie GRIPS oder das Wohnraumentwicklungskonzept. „Dass sich Häckel das jetzt einverleibt, das geht nicht gut“, befürchtet der SPD-Politiker. Auch Maria Andresen forderte, die Ortsentwicklung dürfe nicht beim Bürgermeister angesiedelt werden, sondern müsse im Bauamt bleiben. Als Grünen-Politikerin habe sie außerdem die große Befürchtung, das Umweltamt würde im neuen Bauamt untergehen. „Wir können das neue Konzept so wie jetzt vorgelegt nicht unterstützen.“

Weil die Gewichtungen im neuen Amt für Umwelt und Bauen noch unklar sind – Gerd Nielsen schlug vor, die Bezeichnung besser umzudrehen –, könnte sich auch die Frage nach der Amtsleitung neu stellen: Bisher galt Umweltamts-Chefin Ruth Weirup als dritte sichere Kandidatin aus der Riege der „starken Frauen“ von Bürgermeister Nikolas Häckel. Ungeteilte Zustimmung finden die Umstrukturierungspläne dagegen bei der SWG. Mario Pennino verwies darauf, dass der Bürgermeister jetzt das umsetze, was er im Wahlkampf angekündigt habe. „Nikolas Häckel muss die Verwaltung durch alle Turbulenzen der Zukunft führen“, so Pennino. „Wir als SWG werden dem folgen.“ Für die CDU kündigte Wolfgang Jensen eine Stellungnahme erst zur Abstimmung in der Gemeindevertretersitzung an. Und SSW-Fraktionschef Klaus Jensen meinte zähneknirschend: „Wahrscheinlich müssen wir ja sagen, sonst passiert gar nichts.“ Angesichts der Diskussionen im Hauptausschuss appellierte der Vorsitzende Carsten Kerkamm zu Ruhe und Vernunft auf allen Seiten: „Mit Brachialgewalt gegen Mitarbeiter einerseits und gegen Politik andererseits geht es nicht und wird es nicht gehen“, so der CDU-Politiker.

Bereits am kommenden Donnerstag wird über die Verwaltungsreform in der Vollversammlung aller Gemeindevertreter entschieden . Abgelehnt werden können die Vorschläge von Nikolas Häckel allerdings nur mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit – mindestens 24 der 36 Mitglieder müssten dagegen stimmen. Angesichts der unklaren Mehrheiten könnte es noch spannend werden ...

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen