Bahnstrecke nach Sylt : Gutes Signal oder Augenwischerei?

Statt bisher geplanter 90 Millionen Euro sollen die nächsten vier Jahre 158 Millionen Euro in die Instandsetzung und Modernisierung der Marschbahn gesteckt werden
Statt bisher geplanter 90 Millionen Euro sollen die nächsten vier Jahre 158 Millionen Euro in die Instandsetzung und Modernisierung der Marschbahn gesteckt werden

Unterschiedliches Echo auf Sanierungspläne für Marschbahn / Sylter Bürgermeister fordert erneut Mitsprache

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14. Juli 2018, 05:47 Uhr

160 Millionen Euro für die Marschbahn in den nächsten vier Jahren – ist nun Besserung in Sicht für Pendler, Sylter und Urlaubsgäste? Achim Bonnichsen von der Pendlerinitiative ist skeptisch. „Jetzt freuen sich alle auf neue Schienen. Langfristig ist das sicher eine gute Lösung, aber kurzfristig?“

Verkehrsminister Bernd Buchholz und der Produktionsvorstand der DB Netz AG, Volker Hentschel, hatten die Sanierungspläne am Donnerstag in Kiel vorgestellt (wir berichteten). Statt bisher geplanter 90 Millionen Euro sollen 158 Millionen Euro in die Instandsetzung und Modernisierung der Marschbahn gesteckt werden. Als Maßnahme gegen den Investitionsstau werden bis 2022 knapp 200 Kilometer Gleise und über 30 Weichen erneuert. Für weitere Ausbaustufen des elektronischen Stellwerks in Westerland sind 41 Millionen Euro eingeplant.

Die Baumaßnahmen werden in drei Abschnitte unterteilt: Als erstes ist die Strecke zwischen Westerland und Husum dran, dann Husum-Itzehoe und schließlich Itzehoe- Elmshorn. Im kommenden Jahr soll an 100 Tagen gebaut werden, 2020 an 200 Tagen. DB-Pressesprecher Egbert Meyer-Lovis nannte keine weiteren Details, nur soviel: „Die genauen Daten und Bauabschnitte werden jetzt dezidiert erarbeitet.“

Die Investitionssumme ist zwar beeindruckend, doch Pendlersprecher Achim Bonnichsen bezweifelt schon jetzt, dass das Geld für die Renovierung der 198 Kilometer langen Strecke reichen wird. Und Nikolas Häckel nennt die versprochene Investitionsoffensive sogar „Augenwischerei“: „Die Züge sind schlecht, die Gleise sind schlecht, der Unterbau ist schlecht.“ Am schlimmsten aber sei die Kommunikation der Bahn, kritisierte der Sylter Bürgermeister. „Unsere Bahnverbindung ist einfach desaströs.“ Details der Sanierungspläne zwischen Niebüll und Westerland seien ihm nicht bekannt. Dass der zweigleisige Ausbau weiterhin nicht berücksichtigt sei, habe er den Zeitungen entnommen, sagte Häckel der Sylter Rundschau. „Mit uns wurde nicht gesprochen – das ist schlecht, ganz schlecht, und fördert nicht das Vertrauen auf eine Zusammenarbeit.“

Sylt-Marketing-Chef Moritz Luft bezeichnete die Pläne als „notwendig und durchaus positiv – ein gutes Signal.“ Allerdings ändere das Sanierungspaket nichts an zukünftigen Herausforderungen für die Bahn. Die Kapazitätsgrenzen seien bereits überschritten. Der nächste Schritt könne nur der zweigleisige Ausbau sein. Eine Entscheidung darüber werde auf der Grundlage der Kosten-/Nutzen-Analyse der Gutachter im dritten Quartal dieses Jahres im Verkehrsministerium fallen. Was die bevorstehenden Baumaßnahmen angeht, hofft SMG-Chef Luft auf das Verständnis der Fahrgäste, genauso wie bei Autobahn-Baustellen. Er gehe davon aus, dass die Bahn eine umfassende Kommunikationsoffensive vorbereitet. „Wir stehen Gewehr bei Fuß, um über unsere Kanäle Gäste und Vermieter zu informieren.“

„Wir müssen jetzt alle an einem Strang ziehen“, fordert Achim Bonnichsen, auch mit Blick auf die geplanten Maßnahmen. Die kommenden Jahre könnten baubedingte Einschnitte bedeuten, „aber für die nächsten 50, 60 Jahre müssen wir Opfer bringen.“ Dabei werde es auch nicht zu vermeiden sein, dass die Autozüge für mehrere Tage ausfallen und den Pendlerzügen das Feld überlassen, was bisher von Tourismusexperten immer abgelehnt worden sei.

Die Bahn dürfe aber nicht die kurzfristigen Belastungen aus den Augen verlieren. So komme es fast täglich beim 17.22-Uhr-Zug aus Westerland zu Problemen mit Elektronik, mit Türen oder dem Personal. Spannend dürfte auch der Einsatz der Doppelstockwagen Baujahr 1993 werden – ohne Klimaanlagen. Bonnichsens Vorschlag: Statt der für den 1. August angekündigten Preiserhöhung sollte die Bahn dann auch nur den Fahrpreis von 1993 kassieren.

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