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Radfahren auf Sylt : Gute Lösung oder gefährliches Chaos?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Die geplante Freigabe der Fußgängerzonen für Radfahrer sorgt für gegensätzliche Reaktionen in der Sylter Bevölkerung

Die Ankündigung von Bürgermeister Nikolas Häckel, baldmöglich alle Westerländer Fußgängerzonen in der Zeit von 21 Uhr abends bis 11 Uhr am darauffolgenden Vormittag für den Radverkehr freizugeben, spaltet die Bevölkerung. Der eine Teil freut sich über die neuen Regelungen, der andere befürchtet ein gefährliches Chaos. Das zeigt beispielsweise ein Blick in die zahlreichen Kommentare zu dem brisanten Thema auf der Facebook-Seite der Sylter Rundschau:

„Gestern von einem Radfahrer in der Friedrichstraße fast umgefahren worden, jetzt will man das auch noch erlauben. Unglaublich – Fußgängerzone ist Fußgängerzone“, schreibt Frank Paul Hirthe. „Fahrradfahrer haben überhaupt nichts in den Fußgängerzonen zu suchen. Auch nicht zu gewissen Zeiten.“ Positiv beurteilt dagegen Petra Hipunkt die geplante Freigabe: „Ich denke, dass es hauptsächlich dafür gemacht wird, dass unter anderem die Beschäftigten der Geschäfte in den Fußgängerzonen vom Bahnhof zu ihren Arbeitsplätzen kommen können, Boten und auch Kunden. Ich finde es sehr gut und wichtig. Denkt mal darüber nach.“ Markus Friederici jedoch findet: „Was ein Schwachsinn. Wenn ich bedenke, wie oft es Zusammenstöße gab ... Bereits mit Verbot haben sich wenige drangehalten.“ Gelassener sieht es Diana Wiedehopf: „Mir würde das Radfahren zwischen den vielen Fußgängern nichts geben und ich würde lieber freiwillig schieben.“

Kay Abeling (CDU) äußerte sich „eiskalt überrascht“ über die Ankündigung zur Freigabe der Fußgängerzonen für den Radverkehr. „Wir wurden in diese Pläne nicht eingebunden, auch nicht zuvor informiert“, sagte der Vorsitzende des Ortsbeirats Westerland, „und haben uns deshalb auch keine Meinung bilden können.“ Die Auswirkungen der Neuregelungen für Radfahrer auf den Westerländer Straßen möchte Abeling derzeit nicht abschließend beurteilen, er gehe aber davon aus, dass sich alles im Rahmen bestehender Gesetze und Verordnungen bewege.

Nikolas Häckel betonte auf Anfrage der Sylter Rundschau, das Ordnungsamt der Gemeinde wäre zuständig für den ruhenden Verkehr, für den „Fließenden“ die Verkehrsbehörde. Unter anderem sei jedoch der Ortsbeiratsvorsitzende zeitnah über die Ergebnisse der Verkehrsschau informiert worden. Die gemeindliche Ankündigung beträfe die künftige Freigabe der Fußgängerzone während der von der Gemeindevertretung beschlossenen Lieferzeiten. „Da in der künftig neuen Lieferzeit Fahrzeuge die Fußgängerzone weiterhin befahren dürfen, ist es den Radlern weder durch Ordnungsamt noch Polizei im Außendiensteinsatz erklärbar, warum diese dann dort nicht fahren dürfen“, sagte der Bürgermeister, „vor allem, wenn gerade ein Lkw zulässigerweise durch die Fußgängerzone fährt.“ Der Aspekt einer Freigabe des Radverkehrs in der Fußgängerzone als West-Ost-/Ost-West-Verbindung sei auch in der vergangenen Sitzung des Fachausschusses angesprochen worden. „Das Fahrverbot von Radlern und Lieferverkehr soll insoweit synchronisiert werden“, so Häckel. „Während der Hauptnutzungszeit der Fußgängerzone ist das Befahren zum Schutze der Fußgänger selbstverständlich verboten.“ Die anordnende Beschilderung wäre derzeit in der Beschaffung. In der Verkehrsschau habe Einigkeit bestanden, die Erfahrungen dann nach 2017 auszuwerten und die Fortsetzung der Anordnung auch im kommenden Jahr zu besprechen.

„Ich halte das für eine übereilte erste Maßnahme. Solche Schnellschüsse können ja nicht im Sinne des Erfinders sein“, erklärte Moritz Luft zur überraschenden Freigabe der Fußgängerzonen für Radfahrer. Zwar sei es dringend überfällig, dass das wichtige Thema „Radverkehr auf Sylt“ endlich angegangen und nach Lösungen gesucht wird, schließlich würde seit mehr als fünf Jahren über ein insulares Radwegekonzept diskutiert. Aber dabei sollten alle Interessengruppen und relevanten Akteure einbezogen werden, fordert der Geschäftsführer der Sylt Marketing GmbH (SMG). Radfahren sei für viele Insulaner, aber vor allem auch touristisch von immer größerer Bedeutung. Das zeige beispielsweise die hohe Anzahl von mittlerweile 30 Fahrradverleihern auf Sylt. Dem stehe aber das schlechte Abschneiden der Insel beim Fahrradklima-Test des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) gegenüber. „Westerland liegt in Schleswig-Holstein an viertletzter Stelle“, so Luft, „und kommt bundesweit nur auf Platz 303 von 363 Städten. Das muss sich dringend ändern.“



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erstellt am 14.Jul.2017 | 00:17 Uhr

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