zur Navigation springen

Abrissverfügung in Hörnum auf Sylt : Gutachter: Abriss stand schon 2011 fest

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Diskussion um Haus am Hörnumer Ortseingang: Bei der Zwangsversteigerung war dem Bieter klar, dass das Haus abgerissen werden muss.

Der Kreis Nordfriesland stellt eine Abrissverfügung für ein Haus am Hörnumer Ortseingang aus und Einwohner, Bürgermeister und der Besitzer reagieren empört (wir berichteten). Er könne nicht nachvollziehen, dass ein Gebäude auf Sylt abgerissen werden sollte, herrsche auf der Insel doch Wohnraummangel, sagte Lothar Ende gegenüber der Sylter Rundschau.

Der Hamburger Anwalt hatte das prominente Backsteinhaus 2011 für mehr als 250 000 Euro ersteigert – und wusste damals schon, dass das Gebäude abgerissen werden muss. So sieht es zumindest der Gutachter, der das Haus anlässlich der Zwangsversteigerung beurteilte: „Es war beim Versteigerungstermin ganz klar, dass es eine Abrissverfügung geben würde“, sagt Diplom-Ingenieur Frank Boeckenholt. Da das Gebäude aus den 30er Jahren als ehemaliges Militärgebäude nie genehmigt worden sei und mitten im Naturschutzgebiet liege, sehe er keine Chance, das Gebäude genehmigt zu bekommen: „Auch Bestandsschutz greift hier nicht.“ Er habe damals ermittelt, dass das Gebäude keinen Verkehrswert habe: „In meinem Gutachten stand, dass die Abrisskosten höher sind als der Wert des Landes.“ Dass Lothar Ende es trotzdem ersteigert habe, könne er nicht nachvollziehen: „Ich hätte das Objekt nicht mit der Kneifzange angefasst.“ Andererseits seien Objekte wie das in Hörnum „für Spekulanten von besonderem Interesse.“

Der Eigentümer sieht das anders: „Natürlich kannte ich das Gutachten, bevor ich das Gebäude ersteigert habe“, betont Ende. Der Gutachter sei allerdings kein Jurist, so der Anwalt: „Ich habe nicht wild spekuliert, sondern vorher juristisch prüfen lassen, ob es Sinn macht, sich an der Versteigerung zu beteiligen.“ Er wolle dem Kreis keinen Vorwurf machen – doch die Entscheidung zur Abrissverfügung sei aus seiner Sicht falsch. Unter anderem deshalb, weil das Haus nie militärisch, sondern immer als Wohnraum genutzt worden sei. Ende plant, juristisch gegen die Abrissverfügung vorzugehen.

Zu dieser Debatte will sich Hörnums Bürgermeister Rolf Speth nicht äußern, die Gemeinde sei in eine Zwangsversteigerung ja nicht eingebunden. Gegen die Abrissverfügung ist er trotzdem: „Für mich hat das Gebäude eine Existenzberechtigung.“

zur Startseite

von
erstellt am 15.Jan.2014 | 00:31 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen