Küstenschutz auf Sylt : Gut gewappnet gegen Klimawandel

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Eine Station der Herbstdeichschau war das Deichsiel am Wattenmeer in Tinnum.
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Eine Station der Herbstdeichschau war das Deichsiel am Wattenmeer in Tinnum.

Am Donnerstag fand die Herbstdeichschau 2018 statt: Teilnehmer zeigten sich überwiegend zufrieden mit Zustand der Schutzanlagen

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12. Oktober 2018, 19:36 Uhr

„Die Deiche der Insel sind wehrhaft“, so lautete das positive Resümee der Sylter Herbstdeichschau am Donnerstag. Pünktlich vor den nächstmöglichen Herbststürmen hatte der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN.SH) zur Begehung von knapp 20 Kilometern Deichlinie auf der Insel eingeladen.

Begutachtet wurden unter anderem der Nössedeich, der von Morsum nach Rantum führt, der Rantumdamm und Rantumer Binnendeich sowie der Inge-Deich in Rantum. Gemeinsam schützen diese Deiche fast 3000 Hektar Land, auf dem sich Sachwerte in Höhe von über 300 Millionen Euro befinden und mehr als 4000 Menschen leben.

Anlass genug also und alljährliche „Tradition“, die Schutzanlagen gründlich aus der Nähe zu begutachten. In den frühen Morgenstunden startete der Konvoi aus vier Fahrzeugen, darin Vertreter des Deich- und Sielverbandes Nösse, des Landschaftszweckverbandes (LZV) und eben des LKN. Letzteres ist verantwortlich für die Pflege und Instandhaltung der insularen Schutzwälle. Die neue Direktorin des Landesbetriebs, Birgit Matelski, ließ es sich darum nicht nehmen, persönlich an der Begehung teilzunehmen.

Die gute Zusammenarbeit von Küsten- und Naturschutz, die auf Sylt besonders wichtig ist, sei ein großes Thema ihrer Arbeit, betonte sie: „Ich möchte den Konsens zwischen dem Nationalpark und dem Küstenschutz fortsetzen und die Umsetzung von geplanten Strategien voranbringen. Dazu gehört vor allem auch die Strategie für das Wattenmeer 2100: Dabei geht es um Maßnahmen zum Erhalt des Wattenmeers angesichts des Klimawandels.“

Akute Sorge um die Zukunft der Insel hat die LKN-Chefin allerdings nicht und äußerte sich zur aktuellen Diskussion über den Klimawandel (siehe auch Sylter Rundschau vom 9. Oktober) wie folgt: „Der Weltklimarat erwartet einen Meeresspiegelanstieg von 80 Zentimetern bis zum Jahr 2100. Wir sind sogar gewappnet für einen Anstieg bis 1,50 Meter.“

Manfred Ueckermann, der Vorsitzende des Landschaftszweckverbandes, lobte bei der Nachbesprechung die Zusammenarbeit mit dem LKN, die er als „eine gute Ehe“ beschrieb: „Wir hatten in der letzten Zeit die eine oder andere Uneinigkeit, aber man muss auch mal streiten dürfen. Dann kann man sich im Anschluss wieder besser vertragen. So kommt man zügig und konstruktiv voran.“

Konkret sprach Manfred Ueckermann die Trockenlegung des Deichfußes in Morsum an: Hier werden aktuell zwei verschiedene Maßnahmen geprüft, um das Wasser möglichst effektiv und umweltverträglich vom Deich abzuleiten. Die Ergebnisse dieser gemeinsamen Arbeit des LKN.SH und des LZV sollen in einem Jahr vorliegen. „Das ist ein Weg, den wir gemeinsam gehen müssen. Nur so können wir alles Nötige für den Küstenschutz erreichen.“

Dass der aktuelle Weg ein zukunftsfähiger ist, zeigten die Ergebnisse der Deichschau, die Tanja Nicolaysen, vom LKN vorstellte: „Die Landesschutzdeiche auf Sylt befinden sich alle in einem guten Zustand. Optimierungsbedarf gibt es lediglich beim Inge-Deich in Rantum: Hier ist der geforderte Schutzstreifen durch Bauten und Bäume nicht gegeben, und es fehlen noch Zufahrten – diese sind aber bereits in Planung.“ Um zu gewährleisten, dass auch im Katastrophenfall für den Schutz der Insel und ihrer Bevölkerung gut gesorgt ist, soll auf Sylt zukünftig außerdem mehr Personal des Landesbetriebs für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz zur Verfügung stehen.

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