Schule auf Sylt : Gut gerüstet in die Zukunft

In einer Klasse am Schulzentrum Sylt wird bereits mit iPads unterrichtet, eine zweite wird nach den Ferien folgen.
1 von 2
In einer Klasse am Schulzentrum Sylt wird bereits mit iPads unterrichtet, eine zweite wird nach den Ferien folgen.

Schulzentrum Sylt wurde von Bildungsministerin Karin Prien als Modellschule für digitales Lernen ausgezeichnet

shz.de von
07. Juli 2018, 05:05 Uhr

Die Zeit der Overhead-Projektoren am Sylter Schulzentrum ist vorbei, die Digitalisierung hält weiter Einzug: Bildungsministerin Karin Prien zeichnete in der vergangenen Woche das Schulzentrum als Modellschule aus, die sich an dem Projekt „Lernen mit digitalen Medien“ beteiligt (siehe Infokasten). Nicht nur die Auszeichnung ist für die Schule etwas besonderes, im Paket enthalten sind auch 19 000 Euro, die für die weitere Digitalisierung der Bildungseinrichtung eingesetzt werden dürfen.

Aber der Reihe nach: Im November 2017 schaffte das Sylter Gymnasium auf Initiative des Sylter Unternehmers Öger Akgün und mit Hilfe von Spenden – unter anderem von den Sylter Rotariern, der Stiftung Sylter Bank und der Energieversorgung Sylt – 30 nigelnagelneue iPads für die Schüler des Einführungsjahrgangs der Oberstufe an (wir berichteten).

Damit war die erste Sylter „iPad-Klasse“ geboren. Für Schüler und Lehrer bedeutete das eine grundlegend neue Art von Unterricht: Durch Vernetzung, Bluetooth und Synchronisierung der Einzelgeräte mit dem zentralen Steuersystem kann die ganze Klasse auf einem „interaktiven Board”, das die Tafel ersetzt, sehen, was jeder einzelne auf seinem iPad erarbeitet hat.

Anna Raspé und Julian Schulze, die beiden Leiter des iPad-Projekts, bereiteten sich rund einem Jahr auf den Einsatz des digitalen Tools vor. Heute kann sich Geschichts- und Wipo-Lehrerin Anna Raspé ein Arbeiten ohne iPad gar nicht mehr vorstellen: „Mein Unterricht hat sich total verändert und gefällt mir viel besser.“ Sie sei nicht nur flexibler in den Themen, sondern könne auch besser individuell auf einzelne Schüler eingehen, schwärmt sie.

Anna Raspé weiß: Die Auszeichnung der Bildungsministerin ist ein wichtiger Schritt, um die Schule und vor allem die Schüler für die Zukunft zu rüsten. „Am Handy daddeln können sie alle, aber nur erstaunlich wenige beherrschen Anwendungen wie Powerpoint, Word oder Air Drop.“ Doch auch diese Programme müssten die Schüler lernen. „Nicht nur, weil wir Lehrer es für richtig halten, sondern weil es eine Vorgabe der Kultusministerkonferenz ist“, so die Lehrerin. „Auf dem Arbeitsmarkt, in den die Schüler einmal eintreten werden, sind so gut wie alle Bereiche digitalisiert“, sagt sie. Es sei daher keine Frage „ob“ die Digitalisierung in der Schule vorangebracht werden soll, es sei nur noch eine Frage des „wie“.

Der Einsatz der Geräte soll dabei aber genau überdacht werden: „Wir schauen, wo der Einsatz Sinn macht und wo er einen Mehrwert beim Lernen ermöglicht“, sagt Anna Raspé. Und damit geht das Sylter Schulzentrum mit der Zeit: Viel zu lange hätten Bildungseinrichtungen sich aus der Digitalisierung herausgehalten, glaubt sie. „Ich verstehe ja auch die Bedenken, weil die Kinder heute viel Zeit vor ihren Bildschirmen verbringen. Aber das, was wir hier machen, ist nicht der bedenkliche Aspekt“, versichert sie. Mit dem digitalen Unterricht würden die Schüler vielmehr lernen, wie sie die Geräte sinnvoll nutzen können.

Und das soll weiter fortgeführt werden: Mit den 19 000 Euro wird im kommenden Schuljahr eine zweite Klasse zur „iPad-Klasse“. Außerdem brauche die Schule neue Beamer und weitere Access Points für funktionsfähiges und schnelles Internet. Außerdem müssten die Lehrer fortgebildet werden.

„Wenn man weiß, was das alles kostet, sind 19 000 gar nicht mehr so viel“, sagt Raspé und fügt hinzu, dass sich die Schule über weitere Unterstützer freuen würde. Denn fest steht, dass das Schulzentrum diesen Weg auch in Zukunft weitergeht, um den Schülern den professionellen Umgang mit technischen Geräten beizubringen, so die Lehrerin. „Denn wer soll es denn sonst machen, wenn nicht wir als Schule?“


zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen