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Geburtshilfe Sylt : „Gut, dass die Frauen den Mumm hatten“

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Auf der Insel gibt es viel Verständnis für die Entscheidung der Inselhebammen, den Sylter Kreißsaal nicht mittragen zu wollen.

von
erstellt am 28.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Nachdem die Sylter Hebammen sich zu Beginn der Woche gegen das Konzept des Sylter Kreißsaals entschieden haben, ist das Projekt der insularen Geburtshilfe vorerst gescheitert. Weder die Vermittlung von Sozialministerin Kristin Alheit (SPD), noch der Protest der Sylter Schwangeren und ihren Angehörigen vor dem Westerländer Rathaus, haben das Blatt zugunsten der angehenden Mütter wenden können. Ab dem 1. Januar müssen alle Frauen auf dem Festland entbinden.

Trotz der unangenehmen Konsequenzen, stößt die Entscheidung der Hebammen unter den schwangeren Sylterinnen auf Verständnis: „Ich finde die Entscheidung der Hebammen richtig. Man braucht keine externe Beratungsfirma, um sich auszurechnen, dass sich dieses Modell für die Hebammen nicht rechnet“, sagt Christine Lunk. Auch die 35-Jährige, deren Stichtag auf dem 22. Januar liegt, wird die Insel, um Mutter werden zu können, verlassen müssen. Für die Sylterin kommt das Aus für den Sylter Kreißsaal nicht überraschend: „Das Konzept verlagert die Verantwortung auf das schwächste Glied in der Kette – die Hebammen. Das war von vornherein falsch. Gut, dass die Frauen den Mumm hatten, sich dem zu verweigern “

Auch aus der Sylter Kommunalpolitik gibt es deutliche Worte für das Konzept, das von Sozialministerium, Asklepios sowie Hebammen- und Gemeindevertretern präsentiert worden war: „Dass eine so undurchdachte Idee wie die der Sylter Kreißsaal GmbH nicht realisierbar ist, wundert mich nicht“, findet etwa Christian Thiessen, der für die Piratenpartei in der Gemeindevertretung sitzt. Das Land habe sich wie ein Esel vor den Karren des Asklepios-Konzerns spannen lassen und den Hebammen die Schuld in die Schuhe zu schieben versucht. „Ich erkläre an diese Stelle ganz eindeutig meine Solidarität mit den Hebammen und meine Hochachtung vor ihrer Entscheidung, nicht in ein Konzept miteinzusteigen, das für sie zum Damoklesschwert hätte werden können“, so Thiessen.

Neben Lob für die Hebammen, gab es auch Kritik an Sozialministerin Alheit, die das Thema der Sylter Geburtshilfe zuletzt zur Chefsache erklärt hatte. Die CDU-Landtagsabgeordnete Astrid Damerow zeigte sich mehr als erstaunt über die Ankündigung der Sozialministerin, nun rechtlich zu prüfen, ob und gegebenenfalls welche weiteren Möglichkeiten es gegenüber Asklepios hinsichtlich der Versorgung und der Erfüllung des Versorgungsauftrags gäbe. „Das alles hätte doch lange vor dem Beginn der Verhandlungen über das Sylter Modell geprüft werden müssen. Mit welcher Strategie ist denn Alheit in die Verhandlungen gegangen, wenn sie noch nicht einmal die Rechtslage geklärt hatte“, fragte Damerow in einer Stellungnahme kurz nach Absage der Hebammen. Und auch Pirat Thiessen sparte nicht mit harten Worten: „Das Sozialministerium scheint geistig bereits seit einem Monat in den Weihnachtsferien zu sein. In Sachen Geburtshilfe jedenfalls hat es seine Arbeit schlichtweg nicht getan.“ Als mögliche Lösung des Problems schlug Thiessen den Kauf der Nordseeklinik durch das Land vor, die zukünftig unter dem Dach des Klinikums Nordfriesland geführt werden solle. „Das Geld, das für den Ankauf der Klinik nötig ist, könne das Land ja als Lehrgeld verbuchen, und sich beim nächsten Mal gleich um seine Angelegenheiten kümmern.“

Während man auf der Insel die Scherben des Konzeptes des Sylter Kreißsaals zusammenfegte, äußerte sich auch der Asklepios-Konzern zu dem Scheitern des Modells. Patientensicherheit und Qualität der medizinischen Versorgung sei in der Belegabteilung Geburtshilfe auf der Insel Sylt mit 80 bis 100 Geburten pro Jahr nicht mehr zu gewährleisten. Aus diesem Grunde könne es kein „Weiter so“ geben, sagte Konzernsprecher Rudi Schmidt. Für Sylt gelte damit das gleiche wie für andere deutsche Inseln und andere schwer erreichbare Städte unter 20 000 Einwohner auch: „Es gibt keine Geburtshilfe mehr“. Da eine hauptamtliche Abteilung Geburtshilfe aus Personalmangel nicht mehr umgesetzt werden könne, bleibe das von Hebammen getragene Modell des Sylter Kreißsaals weiterhin die „einzige realistische Lösung“, so Schmidt.


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