Nordseeklinik auf Sylt : Grünes Licht für Asklepios-Pläne

Die Nordseeklinik vereint ein Akutkrankenhaus mit einer Rehabilitationsklinik. Seit 1992 gehört sie zur Asklepios-Gruppe.
Die Nordseeklinik vereint ein Akutkrankenhaus mit einer Rehabilitationsklinik. Seit 1992 gehört sie zur Asklepios-Gruppe.

Nordseeklinik soll für zehn Millionen Euro um ein Strandhaus für Reha-Patienten und ein Stadthaus für Mitarbeiter erweitert werden.

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21. Februar 2018, 06:00 Uhr

Große Baupläne für die Nordseeklinik: Die Asklepios-Gruppe will in Westerland knapp zehn Millionen Euro investieren. Geplant sind ein neues Klinikgebäude mit 71 Betten für die Rehabilitation sowie ein Wohnhaus für Mitarbeiter. So will Asklepios den Standort sichern und neue Mitarbeiter gewinnen. Doch im Bauausschuss wurden auch kritische Stimmen laut.

Der Neubau für die Rehaklinik, das „Strandhaus“ an der Straße Nuurhörn im Norden, soll neben 71 Betten über Veranstaltungs- und Therapieräume verfügen. Dafür wird ein altes Gebäude abgerissen.

Auf der gegenüberliegenden Seite im Südwesten des Areals soll ein „Stadthaus“ entstehen, mit dem Asklepios „hochwertigen und bezahlbaren Wohnraum“ für Mitarbeiter zur Verfügung stellen will. Die geplanten zwölf Wohneinheiten erstrecken sich über zwei Etagen und ein Dachgeschoss und bestehen aus zwei großen Fünf-Zimmer-Wohnungen im Erdgeschoss mit Terrasse sowie zehn kleineren Wohnungen.

Im November hatten Asklepios-Vertreter die Baupläne den Gemeindevertretern vorgestellt, im Dezember wurde weiter über den B-Plan beraten. Daraus wurde ein neuer Entwurf, in dem die Art der Nutzung und das Maß der Bebauung geändert wurden. Im Bebauungsplan wird nun ein Sondergebiet „Klinik“ ausgewiesen, um den Standort für das Akutkrankenhaus zu sichern, aber auch die medizinische Rehabilitation zu ermöglichen.

„Ich kann nur davor warnen, diese Änderung so zu beschließen“, erklärte Christian Thiessen (Insulaner-Fraktion). Das gemeinsame Sondergebiet für Akut- und Reha-Klinik sei „eine Einladung an den Asklepios-Konzern, das Akutkrankenhaus zur Gewinnmaximierung so weit wie möglich runterzufahren und möglichst viel in den Kurbetrieb und in die gewinnbringenden Teile zu stecken.“ Thiessen war überzeugt, dass der private Klinikbetreiber diese Chance nutzen werde. Der Bebauungsplan ignoriere „alle negativen Erfahrungen, die wir mit diesem Konzern gemacht haben.“ Allein die Festschreibung der Bettenzahl im Krankenhausplan des Landes sei keine Verpflichtung für Asklepios, an der Akutklinik in ihrem jetzigen Umfang festzuhalten. „Die Geburtsstation stand auch im Krankenhausplan und wurde trotzdem von Asklepios geschlossen.“ Thiessens Forderung: Die Gemeinde sollte die Nordseeklinik über drei Bebauungspläne absichern – einen für die Akutklinik, einen für den Rehabereich und einen dritten für die Mitarbeiterwohnungen.

Kay Abeling (CDU) widersprach Thiessens Befürchtungen. Das Krankenhaus sei einer der größten Arbeitgeber auf Sylt – „mit zahlreichen sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen, einem Betriebsrat und einer mehr oder weniger tariflichen Bezahlung. So leichtfertig sollten wir ein für unsere Struktur wichtiges Unternehmen nicht diffamieren.“

Joachim Leber (Insulaner) schlug vor, den Bebauungsplan zurückzustellen, um zu einer umfassenden Bewertung der Nordseeklinik und des Asklepios-Konzerns zu gelangen. „Auf diesem riesigen Sahnegrundstück tut mir Asklepios für die Sylter zu wenig.“ Die Nordseeklinik sollte auch kleinere Eingriffe wie Magen- oder Darmspiegelungen anbieten.

Mathias Lauritzen (SPD) wies darauf hin, dass die Rehaklinik wichtig sei, um gute Ärzte für das Akutkrankenhaus zu halten. „Asklepios hat zugesagt, dass gute Ärzte für beide Teile eingesetzt werden.“

Gerd Nielsen (SPD) warnte davor, „sich wegen 50 zusätzlicher Betten für den Rehabereich querzulegen und einem riesigen, qualifizierten Arbeitgeber die Modernisierung zu versagen.“ Seine Einschätzung: „Wenn ihr das Akutkrankenhaus auf Dauer behalten wollt, müsst ihr zulassen, dass im Rehabereich mehr passiert.“ Was das Management im Asklepios-Konzern angehe, habe er auch seine Zweifel. „Die aktuellen Tarifverhandlungen unter Ausschluss der Gewerkschaft zeigen, wie vertrauenswürdig das ganze ist.“

Schließlich gab der Bauausschuss grünes Licht für die Baupläne der Nordseeklinik – bei einer Gegenstimme.

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