A-20-Debatte : Grüne schlagen östliche Elbquerung vor

Die Grünen in Schleswig-Holstein erwägen statt des geplanten A-20-Elbtunnels im Westen von Hamburg eine Elbquerung im Osten der Hansestadt zu bauen.

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30. Oktober 2012, 10:22 Uhr

Kiel | "Darüber lohnt sich nachzudenken", sagte ihr verkehrspolitischer Sprecher Andreas Tietze gestern zu einem entsprechenden Vorschlag des niedersächsischen Grünen-Verkehrsexperten Enno Hagenah.
Hagenah sagte gegenüber sh:z, dass er wie seine Parteifreunde in Kiel den A-20-Tunnel bei Glückstadt für überflüssig und unbezahlbar halte. Allerdings sei "langfristig für den überregionalen Verkehr und die Schiene eine weitere Elbquerung nötig". Die solle dann aber im Osten von Hamburg entstehen. "Dort gibt es noch Bedarf", erklärte er. Zudem sei der Bau dort viel billiger: Weil die Elbe nicht so breit ist und keine großen Schiffe mehr fahren, könnte man günstig eine Brücke errichten. Der Kieler Tietze schätzt die Kosten auf 200 Millionen Euro. Dagegen werden für den Tunnel bei Glückstadt 1,3 Milliarden Euro fällig. "Das wird der Verkehrsetat nie hergeben", meinte Tietze. Die Grünen wollen die A 20 daher an der A7 enden lassen.
Finanzprobleme beim A-20-Elbtunnel
Auch die Handelskammer Hamburg hatte kürzlich angeregt, wegen der Finanzprobleme beim A-20-Elbtunnel zunächst eine östliche Querung im Zuge einer verlängerten A21 bei Geesthacht zu bauen. Für eine östliche Querung spricht nicht zuletzt der Bau des Fehmarnbelttunnels, der viel Zusatzverkehr auf die A1 ziehen wird. Über eine neue A-21-Elbbrücke könnte der zum Teil vor dem Nadelöhr Hamburg nach Süden gelenkt werden.
Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) erteilte dem Vorstoß des grünen Koalitionspartners allerdings eine Absage. Die A 20 samt Elbtunnel sei wegen ihrer "hohen strukturpolitischen Bedeutung" unverzichtbar für das Land, erklärte Meyer: "Allein für eine bessere Anbindung der Westküste mit dem Industriestandort Brunsbüttel brauchen wir die A20 dringend."
"Planung müsste von vorn beginnen"
Die CDU im Norden lehnte eine östliche statt der westlichen Elbquerung ebenfalls ab. "Die Planung müsste von vorn beginnen - dann würde 15 Jahre lang kein Stück Autobahn im Land gebaut", mahnte CDU-Verkehrsexperte Hans-Jörn Arp. Für die Fortführung der A20 werde der Bund dagegen trotz knapper Mittel Geld bereitstellen, sobald Baurecht vorliege, prophezeite Arp. Er forderte daher von Meyer "Planung mit Volldampf".
Auch die Unternehmensverbände (UV) Nord verlangten eine "zeitnahe Realisierung" der A 20. Jede Verzögerung werde "zu Lasten von Investitionen und Arbeitsplätzen im Norden gehen", warnte UV-Nord-Präsident Uli Wachholtz.

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