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Hörnumer Hafen : Großprojekt mit Zukunftschancen oder Millionengrab?

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Fragen an Ole von Beust, Hamburgs ehemaligen 1. Bürgermeister, zum Fortgang der Planungen, zu Visionen und zu Problemen

Seit Jahren diskutiert die Gemeinde Hörnum die Frage, wie sie mit ihrem Hafen umgehen soll. Noch ist er im Besitz der BImA, der dem Bund gehörenden Immobilien Agentur, die den maroden Hafen gern der Gemeinde verkaufen würde. Dabei sind Kaufsummen in Höhe von rund acht Millionen Euro im Gespräch. Geld, das die Gemeinde nicht hat. Doch die Finanzierung könnte mit Mitteln der öffentlichen Hand und privaten Investoren realisiert werden. Um aber die Gelder einwerben zu können, muss klar sein, wie der Hafen zukünftig genutzt wird und welches Erscheinungsbild er, bedingt durch diese Nutzung, erhalten soll. Die Gemeinde Hörnum hat dazu Gespräche aufgenommen, in denen sich die Politik, jetzige Nutzer des Hafens wie die Muschelfischer und die Reederei Adler-Schiffe sowie potenzielle Investoren zunächst über die Entwicklungschancen und Visionen austauschen sollen. Dieser Prozess wird vom ehemaligen Hamburger 1. Bürgermeister, Ole von Beust, beratend moderiert. Von Beust hat nicht nur politische Erfahrung in der Realisierung von Großprojekten, als Jurist und Consulter gilt er auch als versierter Moderator schwieriger Planungsprozesse. Seine langjährige, von Leidenschaft geprägte Verbindung zu Sylt weisen ihn als Kenner der Insel aus. Im Interview schildert von Beust den Fortgang der Hörnumer Hafengespräche.

Herr von Beust, Hörnum gilt als ein politisch heillos zerstrittener Ort. Wie erleben Sie die Gemeinde bei den Hafengesprächen?

Bislang verhalten sich alle sympathisch und signalisieren, dass man vorankommen möchte und bereit ist, sich an einer vernünftigen Lösung zu beteiligen. Dass es gewisse persönliche Ressentiments gibt habe ich gespürt, aber bei der Diskussion in der Sache hat das keine Rolle gespielt.

Der Hafen in Hörnum ist nicht nur sehr schön und für Tourismus wie für Muschelfischer ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor, er ist auch marode. Über welchen Zeitraum sprechen wir, wenn es um die Frage geht, wann könnte der Hafen mit neuem Gesicht erscheinen?
Wenn das so leicht so beantworten wäre. Der Gesamtprozess ist nicht einfach: Es müssen Planungen vorliegen, denen die Gemeinde grundsätzlich zustimmt. Viele rechtliche Dinge sind zu regeln – zum Beispiel Details des Eigentumsübergang und die Bestimmung der Flächen. Es muss ein wirtschaftliches Nutzungskonzept erarbeitet werden, so dass die Gemeinde nicht unkalkulierbar belastet wird, inklusive der Bereitstellung von Mitteln durch das Land und den Bund. Das geht leider nicht von heute auf Morgen. Ich hoffe, dass wir konzeptionell bis zum Sommer fertig sind und auch die Gemeinde für eine grundsätzliche Zustimmung überzeugen können.

Welche konkreten Ergebnisse, die Planungen des Hafens betreffend, gibt es bereits?
Eine wichtige Rechtsfrage ist geklärt, nämlich die, dass der Bund, vertreten durch die Wasser-und Schifffahrtverwaltung (WSV) direkt an die Gemeinde übereignen kann, mit Zustimmung des Landes aber ohne den Zwischenschritt der Übereignung an das Land. Zum anderen arbeiten drei Architekturbüros im Wettbewerb an einer möglichen inhaltlichen und architektonischen Lösung die Mitte Juni der Arbeitsgemeinschaft präsentiert werden sollen und von denen dann eine Jury einen „Siegerentwurf“ auswählt. Unmittelbar danach erfolgt die Information der Gemeinde. Parallel dazu finden dazu Gespräche zum Beispiel über rechtliche Fragen und Fördermöglichkeiten statt.
Welche Rolle spielt der Bund, welche das Land und welche die Gemeinde bei der Planung? Wollen oder müssen alle mit reden?
Die Gemeinde spielt die zentrale Rolle. Großartig wäre es, wenn der Planungsentwurf so gut ist, dass die Gemeinde überwiegend zustimmt. Das wird sie aber nur tun können, wenn die Fördermöglichkeiten zur „Ertüchtigung“ des Hafens mit dem Land geklärt sind und gegebenenfalls auch der Bund sich daran beteiligt.

Um den Auftrag zur Gestaltung des Hafens bewerben sich einige Architektenbüros. Die ersten Gespräche wurden bereits geführt. Können oder dürfen Sie sagen, welche Grundidee bei den Überlegungen der Architekten vorherrscht? Wird Hörnums Hafen mal so aussehen wie beispielsweise der Lister Hafen?
Der Wettbewerb läuft und darum kann ich jetzt keine Details sagen. Wichtig ist aber, dass der Hafen kein „Disneyworld“ wird und seine bisherigen Nutzungen, von Reederei, der WSV, den Muschelfischern, dem Sylter Yachtclub et cetera ohne zu große Veränderungen möglich bleiben. Der Hafen muss zu Hörnum passen.

Kann eigentlich eine kleine Gemeinde wie Hörnum ein solches Großprojekt, das etliche Millionen Euro an Investitionen und hohe planerische Kompetenz verlangt, alleine schultern oder droht hier ein Millionengrab?
Das darf nicht drohen. Es muss alles so solide geplant und finanziert sein, dass es keine Überraschungen gibt. Aber die Gemeinde ist ja nicht alleine. Die Inselverwaltung unterstützt, das Land ist sehr kooperativ und man kann sich ja externen Sachverstands bedienen. Die Sache ist zwar komplex, aber eher in der Meinungsbildung und dem Zusammenfügen der unterschiedlichen Beteiligten als in der technisch-finanziellen Abwicklung.

Sie haben erst kürzlich ein Leitbild für die gesamte Insel Sylt gefordert. Welche Rolle spielt in einem solchen insularen Leitbild der Hörnumer Hafen?
Ein wichtiger Reiz von Inseln sind nun einmal die Häfen. Ich bin überzeigt, wenn hier etwas Gutes entsteht, dass das ein weiterer Magnet für Sylt sein wird. Und zwar ein zu Sylt passender!

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erstellt am 20.Mai.2017 | 11:13 Uhr

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