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Serie “Sylter Köpfe“ : Großes Glück mit kleinen Tieren

vom
Aus der Redaktion der Sylter Rundschau

Der Sylter Rolf-Dieter Haupt ist seit vielen Jahren Kleintierzüchter auf der Insel und erhielt bereits zahlreiche Auszeichnungen für sein Ehrenamt

shz.de von
erstellt am 18.Mär.2016 | 05:30 Uhr

Wenn er über seine Tiere spricht, fängt Rolf-Dieter Haupt an zu strahlen, sodass die Lachfalten um seine Augen noch ein bisschen tiefer werden. Seine Kaninchen, Tauben und Hühner sind nicht nur sein Hobby, sie sind seine Passion. Der geborene Sylter gehört zu den erfahrendsten Kleintierzüchtern Schleswig-Holsteins und die Tiere nehmen den Großteil seiner Zeit in Anspruch: Zweimal täglich – immer morgens und abends – fährt der 69-Jährige mit dem Fahrrad zu den Ställen in der Nähe von Westerland. Den Ort möchte er nicht in der Zeitung preisgeben: „Ich bin hier so schön abseits von allem, hier kommt fast nie jemand vorbei. Das ist gut so und das soll auch so bleiben.“

Seitdem Haupt zwölf Jahre alt ist, ist er begeisterter Züchter von Kleintieren. Sein Hauptaugenmerk liegt auf der Züchtung von Tauben, Hasenkaninchen und Zwerghühnern. Seine 40 Schmucktauben sind dabei sein ganzer Stolz, aber auch die Schafe, Enten und anderen Tiere, die auf dem Gelände bei Westerland leben, liegen ihm am Herzen. „Alles ist begründet in der Liebe zu den Tieren“, sagt Haupt, „aber auch in der Verantwortung, die man tragen muss.“

Haupt kam 1946 in der Westerländer Nordseeklinik zur Welt. Seinen leiblichen Vater lernte er nie kennen. „Ich bin ein Produkt des Kriegsendes“, erzählt er, „mein Vater war Koch auf dem Sylter Flugplatz, meine Mutter war dort Sportlehrerin. Sie hatten wohl ein, wie man das damals nannte, Bratkartoffelverhältnis“, so der Rentner. Mit Zwölf schenkte der Großvater dem jungen Rolf-Dieter zwei Kaninchen, damit er Verantwortung lernt. Weil der Junge so begeistert war und der Verantwortung gerecht wurde, erlaubte ihm der Großvater später auch ein paar Tauben.

Ein Klassenkamerad von Haupt hatte Zwerghühner, beide lernten sich besser kennen und über die Tiere entstand eine Freundschaft. Ähnlich war es auch, als er seine Frau kennenlernte: Sie trafen sich 1975 in Hörnum, weil beide einen Hund hatten. „Die Liebe zum Tier war bei uns beiden vorhanden“, erzählt der Witwer, „das hat uns verbunden und auch zusammengebracht.“ Seine Frau konnte Haupt für die Kleintierzucht schnell begeistern und sie begann, Enten zu züchten.

Der gelernte Zimmermann lebte immer auf der Insel und verlässt sie nur ungern, auch wegen der Tiere. „Wenn ich bei meiner Tochter in der Steiermark bin, will ich meistens schon nach ein paar Tagen wieder nach Hause“, sagt er lächelnd. Das sei eben die Liebe zur Heimat, so Haupt. Und wenn er das sagt klingt es, als sei diese so selbstverständlich wie Hunger oder Durst. Haupt erhielt im Laufe seines Lebens zahlreiche Auszeichnungen für seine Tiere, aber auch für sein ehrenamtliches Engagement im Kleintierzuchtverein. Eine dieser Auszeichnungen liegt ihm besonders am Herzen: Die Ehrennadel des Landes Schleswig-Holstein für Ehrenamtliche Tätigkeit, die ihm vom Ministerpräsidenten Peter Harry Carstensen überreicht wurde. „Da durfte ich 2007 gemeinsam mit Bürgermeisterin Petra Reiber in einem großen Gemeindewagen nach Schleswig fahren“, erzählt er stolz, „die meisten, die dort mit mir geehrt wurden, waren Professoren – und halt ich“, sagt er, und es scheint, als könne er immer noch nicht richtig glauben, diese Auszeichnung erhalten zu haben.

Am kommenden Sonntag feiert Haupt seinen 70. Geburtstag. Er habe nichts besonderes geplant, sagt er, außer natürlich zu den Tieren zu radeln. Das schönste Geburtstagsgeschenk für den Rentner, der eigentlich „wunschlos glücklich“ ist, wäre es, wenn sich mehr junge Menschen für die Kleintierzucht interessieren würden: Wie viele andere Vereine hat auch der Verein der Kleintierzüchter Nachwuchssorgen. Woran das liegt, erklärt sich Haupt unter anderem mit dem wachsenden Wohlstand. „Früher hatte jeder noch Hühner auf dem Hof um Eier zu haben, heute muss man nur in den Supermarkt. Außerdem gehen viele junge Leute nach der Schule nicht mal mehr vor die Tür, haben kein Interesse mehr an den Tieren“, sagt er.

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