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„Pidder Lüng“ : Großer Auflauf bei Taufe des neuen Sylter Seenotkreuzers

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Der neue Sylter Seenotkreuzer heißt „Pidder Lüng“. Er wurde in List bei einer emotionalen Taufe gefeiert.

shz.de von
erstellt am 14.Dez.2013 | 17:28 Uhr

List | Der neue Seenotkreuzer wird ein Sylter. Diese frohe Botschaft für die Insulaner wurde vor gut einer Woche bekannt. Aber wie das kompakte Spezialschiff der unerschrockenen Retter heißen würde, das hielt die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRs) bis heute 12:07 Uhr geheim. Genau um die Zeit ließ Fernanda de Sousa Dibaba die Sektflasche am Rumpf des SR 34 zerschellen, wenige Sekunden, nachdem sie das gut gehütete Geheimnis um den Namen des Kreuzers bekannt gab.

„Ich taufe dich auf den Namen Pidder Lüng“, hatte da die charmante Ehefrau des NDR Moderators und  ehrenamtlichen DGzRS-„Bootschafters“ Yared Dibaba  mit gerührter Stimme bekannt gegeben. Dann floss der Sekt und hier und da auch eine Träne.

Mit der Seenotrettung sind schließlich auch immer Emotionen verbunden. Die wurden noch mal verstärkt, als Bärbel Dethlefs, Ehefrau des Lister Vormanns Claus Dethlefs, das kleine, extrem schnelle und wendige Beiboot des neuen Kreuzers auf den Namen "Michel" taufte.

Bärbel Dethlefs machte in ihrer kurzen Ansprache noch mal deutlich, was es bedeutet, mit einem Mann verheiratet zu sein, dessen Einsätze fast immer gefährlich, aber auch immer notwendig und oft lebensrettend sind. Für die Familien der Seenotretter eine nicht immer leichte Situation.

Rund 1000 Menschen verfolgten im Lister Hafen die Schiffstaufe des neue Sylter Seenotkreuzers. Der beschäftigt seit Anfang des Jahres die Medien und die Gemüter der Wasserfreunde. Eine spektakuläre Spendenkampagne, bei der Hamburger und Sylter im edlen Wettstreit um die höchste Spendensumme am Ende gut 1,4 Millionen Euro sammelten. Da Sylt gut 10.000 Euro mehr an Spenden als Hamburg aufbringen konnte,  wurde jetzt das Versprechen der DGzRS eingelöst, den neuen, in List stationierten Kreuzer auf einen Namen mit Sylt-Bezug zu taufen. Das Beiboot sollte einen Namen mit Hamburg-Bezug bekommen.

Sicher wusste gleich jeder der Taufgäste, welche Bedeutung der Name "Michel" hat. Bei Pidder Lüng musste viele nachschlagen beziehungsweise Google befragen. Die Auskunft zeigt, wie hintergründig und geschichtsbewusst die schwierige Namenswahl getroffen wurde.

Pidder Lüng ist eine Ballade des deutschen Dichters Detlev von Liliencron (1844–1909). Das vor allem an der deutschen Nordseeküste bekannte Gedicht beschreibt historisierend den Widerstand der mittelalterlichen friesischen Bevölkerung, personalisiert in der Figur des Sylter Fischers Pidder Lüng, gegen die dänische Herrschaft, für die Henning Pogwisch, Amtmann von Tønder, steht. Bei dem brutalen Versuch des Adligen, in dessen Gefolge sich auch ein Priester und bewaffnete Landsknechte befinden, von den Friesen Abgaben einzufordern, kommt es in der Fischerhütte Pidder Lüngs zunächst zu einer verbalen Auseinandersetzung, in deren Verlauf Lüng auf die gewohnheitsrechtlichen Freiheiten der Friesen verweist und die Steuerzahlung verweigert.

Auf diese Verweigerung reagiert der dänische Amtmann, indem er voll Verachtung in den Grünkohltopf spuckt, der auf dem Herd der armen Fischersfamilie köchelt. Daraufhin packt Lüng Pogwisch und drückt dessen Gesicht so lange in den heißen Kohl, bis jener erstickt ist. Erst dann greifen die bewaffneten Männer ein, erstechen den Fischer und ziehen zu einer Racheaktion über Sylt.

Wie jede Strophe endet auch die letzte mit der Parole „Lewwer duad üs Slaav!“ („Lieber tot als Sklave!“) Die Ballade wurde auch von Achim Reichel auf seinem Album Regenballade vertont.

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